Ausgeflimmert: Hansa-Kino schließt

Das endgültige Aus ür den Hansa-Filmpalast hat der Betreiber Cinestar jetzt bekannt gegeben. Foto: Georg Scharnweber
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Das endgültige Aus ür den Hansa-Filmpalast hat der Betreiber Cinestar jetzt bekannt gegeben. Foto: Georg Scharnweber

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10. Juli 2012, 07:48 Uhr

Rostock | Erst hieß es: "Der Hansa-Filmpalast ist wegen technischer Störungen vorübergehend geschlossen." Seit gestern ist klar: Cinestar stellt den Betrieb des traditionsreichen Kinos in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt endgültig ein. Zu teuer seien die nötigen Investitionen in das Gebäude und die Abspieltechnik, teilte der Betreiber mit. "Vornehmlich sind es die Digitalisierungskosten sowie die Anschaffung einer 3D-Anlage und einer Silberleinwand, die wir vollständig aus eigener Kraft tragen müssten", sagt Cinestar-Geschäftsführer Oliver Fock. Die Umrüstung für einen Saal koste rund 120 000 Euro. Hinzu kämen Folgekosten von mehreren tausend Euro pro Jahr für Strom und Wartung der Anlagen.

Damit sich die Investitionen lohnen, müsste das Kino kostendeckend arbeiten. "Das ist bislang leider nicht der Fall gewesen, sodass wir auch für die Zukunft nicht davon ausgehen", sagt Fock. "Die Entscheidung ist uns sehr schwer gefallen", betont Kai Tannenberg, Cinestar-Bereichsleiter Nordost. Für die beiden fest angestellten Mitarbeiter soll es innerhalb der Cinestar-Gruppe eine Lösung geben. Die vielen studentischen Aushilfen müssen sich neue Jobs suchen.

Im Hansa-Filmpalast wurden vor allem außergewöhnliche Filme für ein Spartenpublikum gezeigt, die im Programm der anderen beiden Cinestar-Kinos, in Lütten Klein und im Capitol, keinen Platz hatten. Außerdem lockte der Hansa-Filmpalast mit günstigen Angeboten das junge Publikum an.

Viele Rostocker reagieren enttäuscht auf die Entscheidung der Cinestar-Gruppe. "Rostock braucht ein besonderes Kino wie den Filmpalast", sagt Antonio Alsleben, der in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt arbeitet. "Der Hansa-Filmpalast gehört in die KTV. Die älteren sind damit aufgewachsen und die jüngeren schätzen das kulturelle Angebot", sagt der stellvertretende Ortsbeiratsvorsitzende, Matthias Siems (SPD). Er hofft, dass das traditionsreiche Bauwerk in der Maßmannstraße weiter genutzt wird.

Bis Jahresende sieht es jedoch nicht danach aus. Denn erst dann endet der Mietvertrag und in der Zwischenzeit soll kein Film mehr über die Leinwand flimmern. Besitzer der Immobilie ist die Geschwister Kieft GbR aus Lübeck, ein Unternehmen mit engen Verbindungen zu Cinestar. Marlis und Hans-Heinrich Kieft sind die Kinder der Cinestar-Gründer.

Erst im Dezember 2011 hatten die Vermieter völlig überraschend das Lichtspieltheater Wundervoll (Liwu) aus dem Hansa-Filmpalast geworfen. Das vereinsbetriebene Programmkino mit ähnlicher Zielgruppe hatte sich dort während des Umbaus seiner zukünftigen Spielstätte, der Frieda 23, eingemietet. Liwu-Chefin Anne Kellner ist jetzt überrascht über den Rückzug von Cinestar: "Uns wurde damals immer gesagt, dass ihr Konzept an dem Standort aufgeht." Kellners Verein musste sich eine Ausweich-Spielstätte suchen - und hat sie inzwischen im ehemaligen Metropol, Barnstorfer Weg 4, gefunden. Heute ist die Neueröffnung. Auch das Liwu bereitet sich auf die Umstellung auf digitale Technik vor. "Es wird immer schwieriger, 35-Millimeter-Filmkopien zu bekommen", sagt Kellner. Ihr Verein will für die Investition Fördermittel beantragen.

Cinestar versichert, dass das Liwu nicht der einzige Ort bleiben soll, an dem in Rostock Arthouse-Filme gezeigt werden. Laut Fock übernimmt das Capitol das Angebot. Dort sind zwei Säle in 3D digitalisiert. Die restlichen sollen bis zum Winter folgen.

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