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Festspiele MV : „Ausflug in eine andere Welt“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Festspiele MV dankten beim traditionellen Krebsessen in Ulrichshusen Sponsoren, Förderern und Freunden mit einem einzigartigen Konzert

Manch einer der 440 prominenten Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in der Festspielscheune rieb sich verwundert die Augen, als Schuberts „Unvollendete“ erklang: War der Jungen Norddeutschen Philharmonie neben den Stühlen auch der Dirigent abhanden gekommen? Sparmaßnahmen nun auch bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern?

Doch die „Sorgen“ erwiesen sich als unnötig, musizierte doch der stehende Elite-Nachwuchs die berühmte Sinfonie auch ohne Takt-Geber wie aus einem Guss und mit einer Hingabe, die dem Publikum den Atem stocken ließ – und das keineswegs nur ob der Hitzegrade in Ulrichshusen. Und nach dem begeisterten Schlussapplaus klärte Christoph Alstaedt die Besucher denn auch auf über den ungewöhnlichen Konzert-Einstieg: Ganz im Sinne des neuen Festival-Intendanten Markus Fein habe man Innovatives beisteuern wollen, denn dieses Orchester sei erfüllt von einem unglaublichen Teamgeist, meinte der Dirigent schmunzelnd – um dann doch noch den Taktstock zu übernehmen.

Ganz sicher wäre das traditionelle Krebsessen auch der falsche Ort gewesen, ausgerechnet beim Dankeschön des Klassikfestivals an seine Sponsoren, Förderer und Unterstützer eine Sparrunde einzuleiten. Schließlich lebt der Musiksommer zu großen Teilen von eben diesen Geldgebern, wie Fein es in seiner Begrüßung charmant umschrieb: „Es ist ein wunderbarer Anlass, mit Ihnen gemeinsam ein großes Fest zu feiern – mit vielen Menschen, die wir lieb haben und die die Festspiele ins Herz geschlossen haben.“ Und die genossen wieder einmal das allsommerliche Highlight, diesen „Ausflug in eine andere Welt“, wie es der ehemalige Tagesschau-Sprecher und Festspiel-Stammgast Wilhelm Wieben poetisch beschrieb: „Hier lebt eine Kultur fort, die sehr liebenswürdig ist: Musik, fröhliche Menschen und eine wunderschöne Landschaft – und all das in einem fast familiären Rahmen.“ Erstmals mit dabei war auch seine einstige Kollegin und langjährige Freundin Dagmar Berghoff, die sich nicht zuletzt vom Auftritt der Besucher beeindruckt zeigte: „Ich finde es eine sehr elegante Veranstaltung, die Leute sind sehr gut gekleidet, was ja auf sommerlichen Musikfestivals sonst eher selten ist.“

Und zumindest beim anschließenden Krebsessen im Schlossinnenhof auch entsprechende „Vorsichtsmaßnahmen“ mit sich brachte: Neben dem großen „Brustschutz“ gegen ungewollte Spritzer beim Knacken des roten Schalengetiers standen auch allenthalben Wasserschalen mit Zitronen bereit. Zum Glück, wie Innenminister Lorenz Caffier – er vertrat Ministerpräsident Erwin Sellering, der am Tag der Geburt seines Sohnes in Schwerin geblieben war – schmunzelnd befand: „Ich habe immer Sorge, dass ich mir die Hose vollspritze.“ Doch nicht nur deshalb zog es den stellvertretenden Landesherrn mit einem kühlen Bier an den Bratwurststand: „Ich will ja schließlich auch satt werden…“ Zumal es bei den Krebsen tatsächlich eine „Sparrunde“ gab: Statt 400 Kilogramm wie im Vorjahr fanden diesmal lediglich 280 Kilogramm den Weg in die schweren gusseisernen Kessel – wer da zu spät kam, musste sich mit einem der 400 Steaks oder der 600 Bratwürste „begnügen“.

Ganz gelassen nahm diese „Reduktion“ Matthias von Hülsen – und das nicht nur, weil der langjährige FMV-Intendant allergisch auf die eiweißhaltige Kost reagiert: Er genoss seine neue Rolle als zufriedener Gast und erzählte begeistert von seinem jüngsten Baby. Im polnischen Kreisau initiiert der 71-Jährige gerade ein Klassik-Projekt nach dem Vorbild des berühmten US-amerikanischen Marlboro-Festivals und hat dafür gute alte Musiker-Bekannte aus MV wie die Geigerin Viviane Hagner und den Klarinettisten Matthias Schorn mit ins Boot geholt. Konkurrenz für die Festspiele? Nein, ganz im Gegenteil: Ein erstes Gastspiel in MV ist schon geplant – eben ganz so wie es sich für eine große Familie gehört.


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