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Ausbildungsreport: Schlechte Noten für Gastgewerbe

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erstellt am 05.Okt.2012 | 05:04 Uhr

Schwerin | Zu viele Überstunden, mangelhafte fachliche Anleitung, schlechte Verdienste und ein rauer Umgangston: Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) macht für die Nachwuchsnot im Hotel- und Gaststättenfach die prekären Arbeitsbedingungen verantwortlich. Pünktlich zum Lehrbeginn hat der DGB-Ausbildungsreport 2012 die Unzulänglichkeiten in der Branche aufgelistet: "Die Auszubildenden sind dem enormen Druck von Ausbildern sowie Kunden rücksichtslos ausgesetzt", urteilt der Bericht. In MV haben in diesem Jahr 669 Jugendliche eine Ausbildung in Hotels und Gaststätten begonnen. Mindestens ein Drittel weniger, als gebraucht werden. Allerdings sei von den Missständen nur eine Minderheit der Azubis aller Branchen betroffen. 72,5 Prozent von bundesweit befragten 12 000 Lehrlinge sind mit ihrer Situation zufrieden.

Insgesamt absolvieren hierzulande gegenwärtig 1685 junge Frauen und Männer in drei Lehrjahren eine Ausbildung im Hotel- und Gastgewerbe. Uwe Barsewitz, scheidender Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) im Land ist überzeugt: "die überwiegende Mehrzahl der Unternehmen bildet vernünftig aus". Von den 4000 Gastronomie- und den 2500 Beherbergungsunternehmen im Land MV gehören etwa 1400 der Dehoga an. Die Zahl der freien Lehrstellen führt er auf den stetigen Rückgang der Schulabgänger zurück. "Da geht es uns wie anderen Branchen auch."

DGB-Vize Nord Ingo Schlüter sieht das anders. "Die Hotel- und Gaststättenbranche hat die Probleme im Nachwuchsbereich zu Recht." Die Ausbildungsbedingungen seien katastrophal, erklärte der Gewerkschaftschef mit Fingerzeig auf die Umfrage des DGB Nord unter 2000 Auszubildenden im Jahr 2011. "Die Situation hat sich seither nicht verändert." Demnach zählen die vielen Überstunden und fehlende Übernahme-Chancen nach der Lehre zu den größten Problemen. Hinzu komme die unzulängliche Ausbildungsqualität, die sich Schlüter zufolge unter anderem in der überdurchschnittlich hohen Rate aufgelöster Ausbildungsverträge zeigt.

Der vielbeklagte Druck, der auf den Lehrlingen lastet, ist aus Sicht von Uwe Barsewitz meist hausgemacht. Einerseits habe ein Teil der Schulabgänger damit zu tun, Defizite an der Ausbildungsreife zu beheben. Andererseits seien die Rahmenbedingungen der Branche eine Herausforderung. "Nicht der Arbeitgeber entscheidet über die Dienstzeit, sondern der Gast", sagte er. Der Koch könne nur dann ausgebildet werden, wenn das Restaurant voll sei. "Dann herrscht natürlich Druck, das gefällt nicht jedem, doch das sind nun einmal die Bedingungen, die auch später im Beruf bestehen."

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