55 Beschwerden eingegangen : Ausbildungsmissstände in MV

Die drei Industrie- und Handelskammern im Land haben sich im vergangenen Jahr 55-mal mit Anträgen von Lehrlingen beschäftigen müssen, die sich über Missstände bei der Ausbildung beklagt haben.

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30. Januar 2013, 10:53 Uhr

Schwerin/Rostock | Die Schlichtungsausschüsse der drei Industrie- und Handelskammern (IHK) im Land haben sich im vergangenen Jahr rund 55-mal mit Anträgen von Lehrlingen beschäftigen müssen, die sich über Missstände bei der Ausbildung beklagt haben.

In so gut wie allen Fällen wurde dann eine Einigung gefunden. Lediglich dreimal seit 2006 mussten die Kammern in Neubrandenburg und Rostock zu ihrem schärfsten Schwert greifen - und die Ausbildungserlaubnis der Lehrherren entziehen. Im Zuständigkeitsbereich der IHK Schwerin war das bislang nicht nötig, so Peter Todt, Geschäftsbereichsleiter Aus- und Weiterbildung.

"Wir haben bisher zwei Untersagungen durchgekämpft; beide im Jahr 2007, beide im Bereich Hotel und Gaststätten", so hingegen der Sprecher der IHK in Neubrandenburg, Eckhard Behr. In beiden Fällen sei es darum gegangen, dass die von den Ausbildungsbetrieben benannten persönlich, fachlich und arbeitspädagogisch qualifizierten Ausbilder de facto vor Ort nicht eingesetzt wurden. Eine "Fernausbildung" sei aber mit der IHK nicht zu machen, betonte Behr.

Seine Amtskollegin von der IHK Rostock, Sabine Zinzgraf, schilderte ebenfalls einen Fall aus der Hotelbranche: "Die IHK Rostock hat 2010 nach vielen nicht erfüllten Auflagen einem Hotel den weiteren Abschluss von neuen Ausbildungsverträgen untersagt." Die Nichterfüllung von Auflagen bei der fachlichen und persönlichen Eignung des Ausbildenden sowie der Eignung der Ausbildungsstätte würden zu einem Entzug der Ausbildungsberechtigung führen, erläuterte sie. Und Behr ergänzt: "Eine gute Einhaltung der Qualität der Ausbildung bemisst sich aber keinesfalls in den ausgesprochenen Untersagungen. Dies ist unser letztes Mittel und dauert auch sehr lange. In manchen Fällen half vor der Untersagung auch einfach die deutliche Aufforderung, keinen Azubi mehr auszubilden..." Ansonsten sei der Weg: regelmäßige Besuche, Prüfung vor Ort, auch Aufnahme konkreter Hinweise von Azubis, gemeinsame Gespräche, Aufforderung, den Ausbildungsmangel abzustellen, Kontrolle.

Peter Todt von der IHK Schwerin ermuntert schließlich die Auszubildenden, sich bei Problemen an die Schlichtungsstellen der Kammern zu wenden: "Die Jugendlichen sollen wissen, dass wir für sie zuständig sind und sich melden - ehe das Kind in den Brunnen gefallen ist."

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