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Schwerin : Ausbildungsmesse für junge Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mehr als 600 Flüchtlinge, viele von ihnen aus Syrien und Eritrea, drängen durch das Foyer der Industrie- und Handelskammer.

Dieter Runge ist nach zwei Stunden heiser – junge Eritreer drängen um seinen Stand. Der Geschäftsführer der Biotechnologie-Firma Primacyt aus Schwerin stellt mal auf Deutsch, öfter auf Englisch seine Firma vor und erklärt, welche Voraussetzungen man für eine Berufsausbildung zum Laboranten braucht.

Sein Stand auf der ersten Ausbildungsmesse für Flüchtlinge heute in Mecklenburg-Vorpommerns Landeshauptstadt ist einer von 33 und dauerhaft umlagert. Mehr als 600 Flüchtlinge, viele von ihnen aus Syrien und Eritrea, drängen durch das Foyer der Industrie- und Handelskammer. Während die DAX-Unternehmen noch zögern und nach Medienberichten bislang erst 54 Flüchtlinge eingestellt haben, ist die Wirtschaft in der Provinz dringend auf Zuzügler angewiesen.

Schnellere Integration mit „Fifty-Fifty“

Der Landkreis Vorpommern-Greifswald will die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt beschleunigen. Die Arbeitsagentur Greifswald und das Jobcenter Vorpommern-Greifswald Nord haben dazu das Modellprojekt Fifty-Fifty gestartet, mit dem der Berufseinstieg von anerkannten Flüchtlingen deutlich schneller klappen soll. Nach einem Intensivsprachkurs und einem Kurzzeitpraktikum gehe es für die Menschen sofort in den Betrieb, teilte die Arbeitsagentur Greifswald am Donnerstag mit. Der obligatorische Integrations- und Sprachkurs finde dann im wöchentlichen Wechsel mit einer Teilzeitbeschäftigung statt.

Ziel sei es, das untätige Herumsitzen schnell zu beenden. Dies sei gut für die Motivation der Menschen, gut für den Integrationserfolg, für die Sozialsysteme und für Unternehmen, denen Personal fehle.

Kammerpräsident Hans Thon sagt, dass rund die Hälfte der Unternehmen in der Region den Fachkräftemangel als größten Risikofaktor für die Zukunft ansieht. Fast jedes fünfte Unternehmen in MV beschäftige schon Ausländer, noch einmal so viele planten dies. Über den Ansturm auf die Messe zeigt er sich erfreut. Sabine Wolny und ihre Kollegin Lydia Fahed vom SR Bildungszentrum in Wismar sind mit einer Gruppe junger Eritreer angereist. Robel, Anfang 20, gleich mehrere Prospekte in der Hand, hat sich schon entschieden.

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Er will Zimmerer oder Straßenbauer lernen. „Wie lange dauert das?“, fragt er. „Drei Jahre“, antwortet Wolny und Robel verzieht enttäuscht den Mund. „Das ist ein Problem bei vielen“, sagt Wolny. „Sie wollen schnell arbeiten und haben noch nicht begriffen, wie wichtig eine gute Ausbildung für sie ist.“

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht von rund 10 000 Flüchtlingen aus, die derzeit in Deutschland in Ausbildung sind. Die 23-jährige Syrerin Dua will bald dazugehören. Ihr Ziel:  Krankenschwester. Doch Dua wartet derzeit auf einen Platz im Integrations- und Deutschkurs.

In Mecklenburg-Vorpommern werden 58 Prozent der Flüchtlinge wegen fehlender Abschlüsse in den Jobcentern als „Helfer“ klassifiziert (siehe Grafik unten). „Dass Schutzsuchende in der Mehrzahl keinen Berufsabschluss nach deutschen Standards haben, bedeutet nicht, dass sie keine beruflichen Erfahrungen und Kompetenzen haben“, erklärte Margit Haupt-Kopmann, Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit. Ziel sei es, durch Praktika und
durch Teilqualifizierungen sowie berufsbegleitende Qualifizierungsangebote vorhandene Potentiale zu nutzen. „Helfer bleiben keine Helfer“, sagte Margit Haupt-Kopmann.

 

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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