Zukunftsforscher Prof. Berndt Heydemann : Ausbaupläne im Naturpark

Hat Zukunftspläne ohne Finanzkonzept: Prof. Berndt Heydemann
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Hat Zukunftspläne ohne Finanzkonzept: Prof. Berndt Heydemann

Ex-Chef überrascht mit Erweiterungsidee / Insolvenzverwalter verblüfft / Gemeinde: Konzept unbekannt

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29. März 2014, 08:46 Uhr

Zukunftsforscher Prof. Berndt Heydemann kann es nicht lassen: Nach millionenteuren Umzugsplänen nach Schleswig-Holstein 2013, nach einem noch teureren Konzept zum Aufbau eines Forschungszentrum mit 20 Standorten in Hamburg und Schleswig-Holstein Jahre zuvor will der Ex-Chef des Zukunftsparkes Nieklitz im Landkreis Ludwigslust nun mit neuen Ausbauplänen seinen verschuldeten Wissenschafts- und Erlebnispark retten. Der 17 Hektar große Park solle um 3500 Quadratmeter erweitert werden, ließ er wissen. Eine Genehmigung der Gemeinde liege bereits vor, hieß es. Einem Bericht zufolge hat der 84-Jährige Projektentwickler beauftragt, Investoren zu finden. Für eine Stellungnahme war Heydemann gestern nicht erreichbar.

Typische Heydemann-Visionen, wiegeln Kritiker ab: Längst ist der 84-jährige Ex-Umweltminister von Schleswig-Holstein nicht mehr Herr über seinen mit viel privatem Kapital und Engagement, vor allem aber mit teurer öffentlicher Hilfe aufgebauten Zukunftspark. Seit 2013 läuft das Insolvenzverfahren. Mit mindestens 300 000 Euro aus dem laufenden Geschäft, dazu weitere Belastungen aus Krediten, steht die Nieklitz-Stiftung bei Gläubigern in der Kreide. Verblüffung über die neue Heydemann-Idee beim Insolvenzverwalter, dem Rostocker Rechtsanwalt Reinhold Schmid-Sperber: Es gebe zwar schon länger Pläne, sagte er gestern: „Aber nichts Konkretes.“ Den zuletzt neun Mitarbeitern habe er im Februar kündigen müssen, die Gläubigerversammlung habe die Schließung des Parkes beschlossen – kein Geld in der Kasse. Jetzt werde nach Verwertungsmöglichkeiten und einer weiteren Nutzung gesucht. Von den Heydemann-Plänen sei aber auch er überrascht. Ein Weiterbetrieb sei „problematisch“, meinte Schmid-Sperber. Der Park, „eine tolle Idee“, bei Experten anerkannt – allerdings hätten von Anfang an tragfähige Konzepte zur Finanzierung der laufenden Kosten gefehlt.

Heydemanns in der Fachwelt anerkannte Umweltforschung, sein Zukunftspark in Mecklenburg – die Projekte leiden Kritikern zufolge unter den realitätsfernen Plänen des 84-Jährigen. Verblüffung auch in der Gemeinde Gallin: Genehmigte Ausbaupläne für den Zukunftspark – „davon ist nichts bekannt“, erklärte Bürgermeister Klaus-Dieter Müller gestern: Heydemann – „er wollte schon viel“.

Zum Beispiel noch mehr öffentliche Finanzhilfe vom Staat: Jahrelang hatten das Land und die Arbeitsverwaltung fast zehn Millionen Euro in das Projekt gesteckt. 2006 war Schluss, nachdem der wegen seiner Haushaltsführung und seinem Führungsstil in der Kritik stehende Heydemann monatelang kein tragfähiges Zukunftskonzept vorlegen konnte. 200 000 Besucher im Jahr hatte Heydemann seinerzeit prognostiziert und die öffentlichen Geldgeber überzeugt: Gekommen war lediglich 12 000.

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