Aus MV über Holland nach MV

Mike Hutfilz aus Langen Brütz hat sich als Fensterdoktor selbstständig gemacht. Foto: Herbert Kewitz
Mike Hutfilz aus Langen Brütz hat sich als Fensterdoktor selbstständig gemacht. Foto: Herbert Kewitz

von
27. November 2008, 09:41 Uhr

Schwerin | Stillsitzen ist nicht seine Sache - sesshaft werden schon. Denn dass er beweglich ist, das hat Mike Hutfilz in den vergangenen Jahren zu genüge bewiesen. Von Mitte 2005 bis Ende 2007 hat der gelernte Tischler aus Langen Brütz nahe Schwerin sein Handwerk im holländischen Waalwijk ausgeübt. "In Mecklenburg-Vorpommern war die Arbeitsmarktsituation damals sehr schlecht. Also habe ich nicht lange gezögert und eine Stelle in Holland angenommen", erzählt der 28-Jährige. Seine Flexibilität zahlte sich aus. Tolles Arbeitsklima, guter Lohn und die Gelegenheit, sein Tischler-Fachwissen im Schwerpunkt Fenster und Türen zu vertiefen: "Es war eine schöne Zeit", erinnert sich Mike Hutfilz.

Doch etwas hat gefehlt. Seine Eltern konnte er nur alle zwei bis drei Wochen sehen. Beziehungen hielten der Entfernung nicht stand. "Das war keine Dauerlösung", sagt der junge Mann. Irgendwann denke man auch darüber nach, eine Familie zu gründen. Und zwar dort, wo man Zuhause ist, meint der Mecklenburger. "Dafür ist die Heimatverbundenheit einfach zu groß."

Von der Arbeitslosigkeit in die SelbstständigkeitAlso packte Hutfilz Anfang dieses Jahres seine Koffer und kehrte zurück nach Mecklenburg-Vorpommern. Hier musste er sich zwar zunächst arbeitssuchend melden, da es nach wie vor nicht genügend Stellen für qualifizierte Handwerker gab. Der wirtschaftliche Aufschwung im Nordosten und die rückgängigen Arbeitslosenzahlen beflügelten ihn aber bei der Idee, sich selbstständig zu machen.

Sein Plan: einen Service anbieten, für den es zunehmend Bedarf gibt. Und den, das habe er während seiner Tätigkeit in Holland und auch durch Nachfragen in seiner Heimatregion gemerkt, gebe es vor allem bei der Wartung und Reparatur von Fenstern und Türen, sagt Hutfilz. "Wenn der Wind durchpfeift, schnellen die Energiekosten in die Höhe." Langfristig sei die Instandhaltung zudem günstiger als eine Neuanschaffung, meint der Handwerker. Sein Angebot ziele deshalb da rauf ab, den Wert der Immobilien für Vermieter und Eigenheimbesitzer zu erhalten.

Um seine Theorie in die Praxis umzusetzen, nahm Mike Hutfilz im Herbst dieses Jahres schließlich all seinen Mut und sein Erspartes zusammen - und wagte mit Hilfe der Arbeitsagentur und einem IHK-Existenzgründer-Seminar den Schritt in die Selbstständigkeit. Seit dem 1. Oktober bietet er nun einen 24-Stunden-Service auch an Sonn- und Feiertagen für Wartung, Reparatur und Montage von Fenstern und Türen an. Name seines Ein-Mann-Unternehmens: "Der Fensterdoktor".

Fleiß, Geduld und ÜberzeugungsarbeitAnfangs hatte er Sorge, dass zwar der Bedarf nach seinem Angebot da ist, möglicherweise aber nicht die Bereitschaft, dafür auch Geld auszugeben. Diese Befürchtung hat sich inzwischen gelegt. "Die Anfangsresonanz war viel besser als gedacht", erzählt der Jungunternehmer. Nach der kurzen Laufzeit kann er zwar noch nicht von seiner Geschäftsidee leben. Doch er ist zuversichtlich, dass er die kleine Firma mit Geduld und Fleiß am Markt etablieren kann. Er weiß: Um eine Marktlücke zu schließen, muss man zunächst Überzeugungsarbeit leisten. Dafür hat er bereits Flyer drucken lassen und eine Internetseite unter "www.Fensterdoktor.com" eingerichtet. Wenn sein Service irgendwann mal ebenso selbstverständlich sei wie Inspektionen und Ölwechsel bei Autos, dann habe er sein Ziel erreicht, sagt er. Dann möchte er gern derjenige sein, der Arbeitsplätze für andere Menschen schafft. Menschen, die nicht stillsitzen wollen, aber in Mecklenburg-Vorpommern sesshaft werden möchten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen