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Haft für Ex-Radiomoderator : Aus Gewinnsucht gehandelt

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Ex-Radiomoderator Marcus J. muss wegen Gewinnspiel-Betrugs für fünf Jahre ins Gefängnis

svz.de von
erstellt am 27.Apr.2016 | 16:13 Uhr

Im Mai 2012 wurde der beliebte Rostocker-Moderator im Studio verhaftet. Vier Jahre später endete gestern vorerst die juristische Aufarbeitung seiner Straftaten. Das Landgericht Rostock verurteilte den 42-Jährigen zu insgesamt fünf Jahren Gefängnis. Er hatte gestanden, Gewinne aus Radio-Rate-Spielen seines Senders mit Hilfe eines Komplizen in die eigene Tasche gelenkt zu haben. Außerdem täuschte er einen Bankrott vor, obwohl er stattliche Honorare seines Senders einstrich.

Gewinnsucht und grober Eigennutz, so der Vorsitzende Richter, hätten ihn auch dazu getrieben, zwei seiner jungen und unerfahrenen festen Freundinnen in seine kriminellen Machenschaften zu verstricken. Inzwischen aber, so habe es den Anschein, habe der Angeklagte seine Taten bereut.

Die Ermittlungen gegen die einst so erfolgreiche „Quasselstrippe“ kamen in Gang, als ein Hauptgläubiger, ein Rostocker Geldinstitut, misstrauisch wurde. Kurz darauf verpfiff ihn sein einstiger Komplize, der nun mit vor Gericht stand. Heraus kamen nicht nur Betrug und fingierter Betrug, sondern auch der 26-fache Kindesmissbrauch, für den der Moderator zu drei Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt wurde. Er hatte Sex mit einem anfangs zwölfjährigen Mädchen, das bei einem Gewinnspiel einen Besuch im Studio gewonnen hatte. Diese Strafe wurde in die nun verhängten fünf Jahre „eingepreist“. Zwei Jahre und acht Monate gelten als verbüßt. Ob er noch einmal in Haft kommt oder vorzeitig entlassen wird, entscheidet die Vollstreckungsbehörde.

Der 42-Jährige hat neun Mal mit seinem Komplizen die Radio-Rate-Spiele des Senders oder den Zeitpunkt sogenannter „Gewinn-Anrufe“ vorab an Bekannte verraten. Wenn sie mit dem Moderator während dessen Sendung telefonierten, gewannen diese bis zu 10 000 Euro. Behalten konnten sie davon nur einen geringen Teil.

„Sie bekamen nur soviel, wie notwendig war, damit sie dicht hielten“, so das Gericht. Das meiste Gewinn-Geld teilten sich der Moderator und der 37-jährige Mitangeklagte. Insgesamt „gewannen“ die beiden auf diese Weise 61 000 Euro. Mitarbeiter seines Arbeitgebers haben von den Schiebereien nichts gewusst, befand das Rostocker Gericht. Jedoch habe der Sender es dem Angeklagten leicht gemacht, da es keine Kontrollen gab.

Um seine dicken Autos, die große Villa und seine Spielsucht finanzieren zu können, brauchte er weitaus mehr Geld. Dabei war er schon hochverschuldet, als er 2002 aus Berlin nach Rostock kam. Also meldete er Privatinsolvenz an, um sich von den Schulden befreien zu lassen. Gleichzeitig verschleierte er über die Jahre 1,2 Millionen Euro an Einnahmen.

Er ließ sich zu einem geringen Gehalt von seiner jeweiligen Freundin anstellen. Als seine Strohfrauen kassierten diese offiziell die hohen Honorare des Radiosenders, auf die die Gläubiger nicht zugreifen konnten.

Sein Komplize wurde zusätzlich wegen Steuerhinterziehung zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Die fingierten Gewinner wie auch zwei ehemalige Freundinnen waren bereits wegen Beihilfe mit geringen Bewährungsstrafen davongekommen.

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