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Mecklenburg-Vorpommern

24. November 2017 | 05:09 Uhr

Verkehr : Aus der Südbahn steht in Frage

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Die Südbahn hat ihren Betrieb eingestellt. Eine Bürgerinitiative will dennoch weiterkämpfen und fordert Unternehmen zu „Weckrufen“ auf.

von
erstellt am 01.Mai.2015 | 20:45 Uhr

Die Südbahn fährt nicht mehr. Eine Meldung, die bei vielen trotz mancher vorheriger Befürchtung letztlich doch wie eine Bombe eingeschlagen ist. Am Donnerstag war Lokführer René Terschanski auf den letzten Touren noch sechs Mal zwischen Parchim und Malchow und umgekehrt unterwegs. Gegen 9.45 Uhr erlebte er etwas Besonderes: Rund 20 Unterstützer der für den Streckenerhalt kämpfenden Bürgerinitiative (BI) „ProSchiene“ standen in Lübz auf dem Bahnsteig, baten den jungen Mann heraus und überreichten ihm mehrere Blumensträuße sowie Luftballons mit der Aufschrift „Wir lassen uns unsere Zukunft nicht verstraßeln – Südbahn erhalten!“.

Besonders in Gesprächen mit älteren Fahrgästen habe Terschanski erfahren, dass sie das Ende des Zugverkehrs sehr bedauern. „Es ist generell schade, dass sich die harten Bemühungen für einen Erhalt nicht ausgezahlt haben“, meint der Lokführer.

Trotz allem gibt die BI nicht auf. „Wir fordern alle Unterstützer einer integrierten Bahn/Bus-Politik auf, in ihrem Engagement nicht nachzulassen“, sagt ihr Sprecher Clemens Russell. „Für den Landrat ist die Bahnpolitik seiner Parteifreunde Sellering und Pegel eine Katastrophe. Der stellvertretende Landrat Wolfgang Schmülling hingegen fordert uns auf, im Kampf um Erhalt und Weiterentwicklung der Südbahn nicht nachzulassen. “ Die Ablehnung der neuen Vorschläge sei ein „Triumph der Zaghaftigkeit im Mehltau sozialdemokratischer Parteipolitik“. Wenn Planer der kreislichen Verkehrsgesellschaft (VLP) und der Bahn zu einem guten Ergebnis kommen sollen, bräuchten sie „einen klar definierten Auftrag und kein Wischiwaschi, was je nach Position und Interesse im Nachgang zerredet wird“. Das Land habe sich durch seine angekündigten Kürzungen für den Rufbus erneut „als schlechter, böswilliger Akteur bloßgestellt“. Die Unklarheit in der Finanzierung des noch strittigen Fehlbedarfs für die Südbahn werde von einigen genutzt, um Zwist unter Mitgliedern im Kreistag zu säen, was Sorgen bereite. „Unsere Forderung: Erst ein geeinigtes Bus-Bahn-Konzept, dann die Zahlen (Budget), dann die Finanzierungsmöglichkeiten, dann die Entscheidung des Kreistages“, sagt Russell.

Lübz’ Bürgermeisterin Gu-drun Stein, die auch Leitende Verwaltungsbeamtin des umliegenden Amtes Eldenburg Lübz ist, hatte unter anderem immer wieder auf das Problem hingewiesen, dass gerade aus dem von ihr verwalteten Raum besonders viele Jugendliche auf die Bahn angewiesen seien, um etwa problemlos die Berufsschule in Parchim zu erreichen – zumal sich diese dort nah am Bahnhof befindet. „Und besonders von Senioren habe ich gehört, dass der Bus kein adäquater Ersatz ist“, sagt sie. „Sie kamen zwar zum Parchimer Bahnhof – aber der Zug war schon mehrfach weg.“

Und weil wie bekannt nur noch in Parchim ein Kinderarzt praktiziert, eine junge Familie jedoch oft nur noch ein oder manchmal sogar kein Auto zur Verfügung habe, sei sie jetzt gezwungen, mit dem Bus zu fahren – in der Hoffnung, durch keinen anderen Kinderwagen außer Gefecht gesetzt zu werden: „Eine zusätzliche Einschränkung.“

Auch Brigitte Schriefer, Leiterin des regionalen beruflichen Bildungszentrums des Landkreises Parchim-Ludwigslust, sieht das Ende der Südbahn als „Nachteil“, zumal der Bahnhof nur wenige Minuten von ihrer Einrichtung entfernt liege. Zu Beginn einer Ausbildung seien die weitaus meisten Mädchen und Jungen noch nicht 18 Jahre alt und demzufolge nicht selbst mobil. Weil in Parchim in erster Linie die Ausbildung in gastronomischen Berufen erfolgt, müsse man das Problem Erreichbarkeit ausdehnen: Wer zum Beispiel Metallbauer werden möchte, muss zum Berufsschulstandort Hagenow fahren, künftige Bäcker und Lebensmitteltechniker etwa nach Ludwigslust.

Von der Schließung direkt betroffen ist unter anderem auch die Gemeinde Passow. „Ein gänzlich falsches Signal für die Region – besonders dann, wenn ich auf Tourismus setze“, sagt Bürgermeister Frank Busch. Eine Schwächung gerade für seine Gemeinde sieht er bezüglich der dort so wörtlich „Gott sei Dank“ erhalten gebliebenen Grundschule und der Kita: „Kinder aus beiden Einrichtungen sind zum Beispiel öfter nach Parchim ins Theater gefahren, was per Bus nicht mehr so einfach möglich sein wird – traurig.“

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