Das zweite Leben des Tormanns Andreas Reinke : Aus der Bundesliga auf den Traktor

Vom Platz zwischen den Pfosten auf den Traktorsitz. Andreas Reinke fühlt sich wohl in seinem Leben als Landwirt.
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Vom Platz zwischen den Pfosten auf den Traktorsitz. Andreas Reinke fühlt sich wohl in seinem Leben als Landwirt.

Von der Bundesliga auf den Traktor – so kann man die beiden letzten Lebensabschnitte von Andreas Reinke ganz kurz zusammenfassen. Aus dem Fußball-Profi, der als Torhüter Karriere machte, ist ein Landwirt geworden.

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04. März 2013, 07:56 Uhr

Bölkow | Von der Bundesliga auf den Traktor – so kann man die beiden letzten Lebensabschnitte von Andreas Reinke ganz kurz zusammenfassen. Aus dem Fußball-Profi, der als Torhüter Karriere machte, ist ein Landwirt geworden, der seit fünf Jahren eine Landwirtschaft in Bölkow auf seinem Dreiseitenhof mit Kühen, Schweinen und Hühnern betreibt. Allerdings: Es ist in doppeltem Sinne das zweite Leben des Andreas Reinke, denn seit 2006 feiert er zweimal Geburtstag im Jahr.

2006: nach Zusammenprall hing Leben am seidenen Faden

Rückblick: Am 8. Februar vor sieben Jahre offenbarten Ärzte Reinke, an welch seidenem Faden sein Leben gehangen hatte. „Es waren nur Millimeter“, erinnert sich der ehemalige Fußballprofi. An dem Tag, einem Mittwochabend, musste Werder Bremen mit dem Güstrower Andreas Reinke im Tor zum Bundesliga-Punktspiel beim VfB Stuttgart antreten. In der 77. Minute prallte der österreichische Nationalspieler Martin Stranzl mit voller Wucht mit dem am Boden liegenden Reinke zusammen. Die Ärzte in Stuttgart konstatierten bei dem Tormann eine total zertrümmerte Nase und schwerste Kopfverletzungen. Lange, manchmal noch heute, spürt der Güstrower die Nachwirkungen dieses Unfalls beim Riechen, Schmecken oder auch durch gelegentliche Kopfschmerzen. Obwohl Andreas Reinke danach noch ein Jahr weiter machte, war das das Ende seiner Karriere. Im Werder-Tor verdrängte ihn Tim Wiese und nie wieder sollte der damals 37-Jährige seine Form und Klasse von vor dem Unfall erreichen.

Das Jahr brachte noch Gutes: die Heirat mit Kirsten

Doch, schmunzelt Reinke, das Jahr hatte auch noch sein Gutes. An ein anderes Datum hat er nur die besten Erinnerungen: Im Juni 2006 heiratete er seine langjährige Freundin Kirsten. Inzwischen ist die Familie mit dem fünfjährigen Pepe komplett.

Zurück zum Heute, in dem Andreas Reinke in Bölkow als Landwirt sesshaft geworden ist. „Vor fünf Jahren haben wir den Dreiseitenhof erworben. Inzwischen haben wir auch das Land dazu gekauft und gepachtet. Nun bin ich Landwirt und Mitglied im Kreisbauernverband Güstrow“, sagt Reinke. Er bewirtschaftet 15 Hektar Grünland, hat eine kleine Mutterkuhherde mit zehn Tieren, die sich um Weihnachten um zwei Kälber vergrößerte, 13 Schweine, ein paar Kaninchen und um die 20 Hühner. Die führen ein glückliches Leben solange sie der Fuchs nicht erwischt. „Der Räuber hat unsere Bestände an Hühnern, Gänsen und Enten ganz schön dezimiert“, so Reinke. Gelernt hat er den Beruf Landwirt nicht.

„Meine Großeltern hatten in Hoppenrade einen Bauernhof und da war ich oft in den Ferien. Ansonsten habe ich mir vieles abgeschaut und bin Autodidakt“, versichert er. Die Erinnerungen an die Kindheit und ein Geschenk von Kumpels, ein lebendes Schwein, hatten in Reinke den Traum vom Landwirt reifen lassen. Für das Borstenvieh musste der Profi damals noch einen Bauern suchen, der es groß zog. Aber als ihm Freunde zum 40. Geburtstag zwei Ferkel schenkten – sie bekamen die Namen „Schnitzel“ und „Kotelett“ –, konnte er die schon seinem Tierbestand hinzufügen. „Ich genieße die Arbeit an der frischen Luft und den Kontakt zu den Tieren. Es ist wirklich wie ein neues Leben“, schwärmt Reinke.

Mit der Zeit hat sich das Paar ein zweites Standbein geschaffen. Der alte Kuhstall wurde Partyraum, den die Reinkes für betriebliche und familiäre Feiern bereit stellen. Sogar für Tagungen wurde er schon genutzt. Ein voller Erfolg war das Hoffest, zu dem Kirsten und Andreas Reinke vor Weihnachten 2012 eingeladen hatten. Am Sonnabend nach dem Herrentag, in diesem Jahr der 11. Mai, ist das nächste Hoffest geplant. „Vielleicht können wir das Hoffest am Wochenende zwischen Himmelfahrt und Pfingsten zu einer Tradition entwickeln“, überlegt Reinke.

Fußball spielt kaum noch eine Rolle. Im Winter, wenn nicht so viel Arbeit auf dem Hof anfällt, ist der 44-Jährige gern bei Alte-Herren-Turnieren, mit ehemaligen Mannschaftskameraden steht er telefonisch in Kontakt. Aber als Trainer des Bölkow SV hat er sich zurückgezogen. „Dreimal die Woche Training kostete einfach zu viel Zeit“, erklärt er. Denn mehr und mehr geht Andreas Reinke in seinem neuen Leben als Landwirt auf.

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