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Mecklenburg-Vorpommern

24. November 2017 | 19:48 Uhr

Aus dem Unglück nichts gelernt

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erstellt am 22.Jan.2010 | 10:14 Uhr

Rostock | Als selbst verschuldetes Unglück mit tödlichem Ausgang ging der Fall Samuel Scheffelmeier in die Geschichte der Bundesmarine ein. Für den Autor Michael Schmidt war dieses Unglück jedoch vielmehr das Ergebnis "einer Verkettung von unzulässigen Zuständen und Sicherheitsmängeln in der Marine": Defekte Rettungsmittel, funktionsuntüchtige Alarmsysteme, nicht einsatzbereites Sanitätsmaterial hätten vor acht Jahren dazu geführt, dass der Hauptgefreite Scheffelmeier und sein Kamerad Stefan Paul in der drei Grad kalten Ostsee ums Leben kamen.

Unzulänglichkeiten, die vor dem Hintergrund aktueller Auslandseinsätze der Bundeswehr noch immer brisant seien, denn bis heute habe sich die Marine zu ihrer Verantwortung für den tragischen Unfall während des Nato-Manövers "Strong Resolve" nicht bekannt, über Ursachen und Hintergründe nicht berichtet und keine offiziellen Konsequenzen gezogen. Diese Vorwürfe erhebt Schmidt in seinem jetzt veröffentlichten Buch "Wie auf See so vor Gericht - das zweifache Sterben des Marinesoldaten Sammy Scheffelmeier".

Untaugliche Rettungsanzüge

Zwar gab es seit dem Unglück bei der Übung der Fregatte "Mecklenburg-Vorpommern" im März 2002 Verbesserungen bei Technik, Sicherheitsbestimmungen und in der Ausbildung Soldaten, "doch offiziell standen diese nie im Zusammenhang mit dem Vorfall", so Schmidt. "Ob es neue Ausrüstung gibt, die besser ist, können wir leider nicht feststellen, weil der Zugang zu den Informationen von der Marine gedeckelt wird", sagt der Sicherheitsexperte Professor Joachim Hahne vom Institut für Sicherheitstechnik in Warnemünde. Er hatte die Rettungswesten und Kälteschutzanzüge, wie sie die beiden Soldaten beim Kentern des Beiboots, das sie zurück auf die "Mecklenburg-Vorpommern" bringen sollte, in Augenschein genommen - und kam zu dem Ergebnis: "Bei den Temperaturen, die während des Manövers herrschten, waren die Anzüge absolut untauglich."

Vor Gericht abgebügelt

In zahlreichen Gerichtsverhandlungen haben die Eltern von Samuel Scheffelmeier in den letzten Jahren immer wieder versucht, die genauen Umstände seines Todes aufzuklären und Verantwortliche zu finden. Doch offiziell heißt es noch immer: Die beiden Soldaten waren selbst schuld, weil sie ihre Rettungswesten nicht ordnungsgemäß angelegt hatten. "Dass ihre Ausrüstung mangelhaft war, dass Rettungsboote nicht zu Wasser gelassen wurden, dass Hilfe aus der Luft erst nach 36 Minuten kam, spielte bei keiner Verhandlung eine Rolle", resümiert Michael Schmidt. Selbst bei einem Klageerzwingungsverfahren des Vaters gegen den Kommandanten der Fregatte seien die Angehörigen "einfach abgebügelt worden". "Exemplarisch" ist Schmidts Ansicht nach auch die Art und Weise, wie die Justiz mit den Angehörigen umgeht, damit es nicht dazu kommt, dass Bundesmarine oder Verteidigungsministerium einen Fehler einräumen müssen. Für den Vater des toten Soldaten dauern kleinere Scharmützel vor Gericht noch an. Trotz aller bisher verlorenen Prozesse steht für Wolfgang Scheffelmeier fest: "Die Marine hat meinen Sohn getötet".

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