Forschungsverbund MV : Aus dem Labor ins Leben

Projektleiter Martin Priesel und Projektmitarbeiterin Birgit Hauschild bringen Wissenschaft und Wirtschaft zusammen
Projektleiter Martin Priesel und Projektmitarbeiterin Birgit Hauschild bringen Wissenschaft und Wirtschaft zusammen

Forscher zu Unternehmern zu machen, Geld zu verdienen mit Wissenschaft – das ist das Ziel des Forschungsverbundes Mecklenburg-Vorpommern (FMV).

svz.de von
03. März 2015, 20:50 Uhr

Forscher zu Unternehmern zu machen, Geld zu verdienen mit Wissenschaft – das ist das Ziel des Forschungsverbundes Mecklenburg-Vorpommern (FMV). Seit 20 Jahren ist diese Initiative des Landes MV zusammen mit Wissenschaftlern verschiedener Hochschulen und Forschungseinrichtungen aktiv. „Ihr Ziel war es, die Wissenschaftslandschaft aufzubauen und die Forschungsförderung voranzutreiben“, sagt Martin Priesel, Projektleiter beim FMV. „Dazu wollten sie Fördermittel und Gelder aus der Wirtschaft einwerben.“ Das hat funktioniert: In den vergangenen 20 Jahren wurden 120 Unternehmensgründungen begleitet, von denen etwa zwei Drittel sich am Markt behauptet haben.

Heute ist der FMV auf drei Feldern tätig: In der Hauptsache geht es nach wie vor um Förderung von Forschung – dafür ist das Projekt SpinOff gedacht, das Priesel leitet. „Wir bieten Seminare für Akademiker an und unterstützen sie, die Ergebnisse ihrer Forschungen in die Wirtschaft zu transferieren, also eigene Firmen zu gründen. Wir wollen Ideen frühzeitig entdecken und daraus Produkte oder Dienstleistungen entwickeln. Das ist ein langfristiger Prozess. Aber so können Arbeitsplätze hier im Land geschaffen werden.“ Unter anderem lassen erfahrene Unternehmer die Forscher an ihren Erfahrungen teilhaben. Die Fördermittel für SpinOff kommen aus dem Europäischen Sozialfonds.

Außerdem werden in einem Schulungslabor des FMV pro Jahr mehrere tausend Schüler in Biologie und Chemie weitergebildet – ergänzend zum normalen Unterricht. Die jungen Leute sollen so motiviert werden, später ein Studium in diesen Fächern aufzunehmen. Und zum dritten werden kleine und mittlere Unternehmen mit Wissenschaftlern zusammengebracht, um Produkte zu entwickeln oder neue Verfahren einzuführen.

Der FMV hat acht feste Mitarbeiter, arbeitet aber mit etwa 50 Experten auf Honorarbasis zusammen. „Das können zum Bespiel Steuerberater oder Anwälte, aber auch Unternehmer sein. Mit dieser Möglichkeit unterscheiden wir uns von anderen, die ähnliche Unterstützungen anbieten“, betont Priesel.

Auch die Firma NeuroProof in Rostock-Warnemünde, die 2007 gegründet wurde, bekam Starthilfe von FMV. Die Berater unterstützten die Gründer unter anderem in Fragen der Vertragsgestaltung, der Finanzierung, der Präsentation oder auch der Kundenbetreuung. „Am Anfang kann man gar nicht genug Berater haben“, blickt Geschäftsführer Dr. Olaf Schröder zurück. „Denn vieles, was bedacht werden muss, hört sich einfacher an, als es ist.“

Schröder ist Mathematiker und beschäftigt sich mit Muster-Erkennung. Über Uni-Projekte war er mit dem Thema Bio-Systemtechnik in Berührung gekommen, woraus sich später die Gründungsidee entwickelte. NeuroProof testet Substanzen daraufhin, ob sie als Medikamente oder als Nahrungsergänzungsmittel für das Gehirn geeignet oder ob sie giftig sind. „Wir geben Nervenzellen auf einen Chip, die wie ein Mikroschaltkreis funktionieren und spontan aktiv sind. Wenn wir eine Substanz dazugeben, verändern sie ihre Aktivitätsmuster. Daraus leitet unser Verfahren deren Wirkungen ab.“ Diese Testung bestimmter Substanzen bietet das Unternehmen als Dienstleistung an – weltweit einzigartig. Zu seinen Kunden gehören mittlerweile vier der zehn größten Pharmakonzerne der Welt. Die Zahl der Beschäftigten ist von vier auf mittlerweile 17 gestiegen.  


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