Bundespreis : Aus alt mach schön

Früher war es ein ritterliches Herrenhaus, heute ist es das Heim von Sylke Klemm: Das denkmalgeschützte Gutshaus in Grabow-Below.
1 von 6
Früher war es ein ritterliches Herrenhaus, heute ist es das Heim von Sylke Klemm: Das denkmalgeschützte Gutshaus in Grabow-Below.

Denkmal-Eigentümer werden in Schwerin geehrt – eine von ihnen ist Sylke Klemm mit ihrem ritterlichen Gut

von
26. November 2014, 08:00 Uhr

Leise knarren die Dielen unter Sylke Klemms Pantoffeln, als sie zu ihrem Herd huscht. Die Heilpraktikerin liebt ihre Küche. Vor allem, weil sie so kommunikativ sei, wie sie meint. Denn da, wo der Herd steht, beginnt gleich das Esszimmer. Dieses schließt jedoch nicht direkt mit der Küche ab, sondern befindet sich gut einen ganzen Meter oberhalb von ihr. Eine kleine Treppe neben dem Herd führt hinauf zu der gemütlichen Essecke. Wenn Klemm am Herd steht, kann sie so zu ihren Gästen hoch sehen. „Das ist doch viel besser so, als gegen die Wand zu schauen, oder?“

Das Gutshaus in Grabow-Below , in dem Sylke Klemm gemeinsam mit ihrem Mann Wolfram lebt, geht auf das Jahr 1740 zurück. Da passt keine genormte Einbauküche in die verwinkelten Räume. Vor drei Jahren kauften sie das unter Denkmalschutz stehende Gut an Mecklenburg-Vorpommerns Grenze und sanierten und renovierten es liebevoll.

Heute Abend wird das Ehepaar gemeinsam mit sieben weiteren Denkmal-Eigentümern sowie 23 Handwerkern mit dem „Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege“ ausgezeichnet. Die ersten drei Plätze erhalten Geldpreisel. Der von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gemeinsam mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) gestiftete Preis wird jährlich in zwei Bundesländern an private Eigentümer verliehen, die bei der Bewahrung ihres Denkmals in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Handwerk Herausragendes geleistet haben. In diesem Jahr wurde der Preis neben Mecklenburg-Vorpommern für Hessen ausgeschrieben. Bei der heutigen Preisverleihung wird auch Ministerpräsident Erwin Sellering im Neustädtischen Palais in Schwerin anwesend sein und die Eröffnungsrede halten.

Denkmalpflege ist nach wie vor ein großes Thema. Mehr als 2000 Schlösser und Gutsanlagen gibt es nach Auskunft des Bildungsministeriums allein in MV. Ungefähr die Hälfte davon steht unter besonderem Denkmalschutz. Bei ungefähr 60 bis 100 sei „Gefahr im Verzug“, warnte vor Kurzem die Deutsche Burgenvereinigung. Das Land gibt nur dann Fördermittel, wenn ein Eigentümer einen Antrag stellt und einen Eigenanteil, in der Regel von 50 Prozent, beibringen kann. „Da kommt sehr viel Geld zusammen“, weiß auch Sylke Klemm.

Das Gutshaus stand mehr als zwei Jahre leer, bevor sie und ihr Mann es kauften. Heizungen und Elektrik mussten sie komplett ersetzen. Fenster und Türen wurden zum Teil erneuert und das Haus nach innen mit Lehm isoliert. Das alles sei immer in Absprache mit der Denkmalschutzbehörde geschehen. „Während der Renovierungsarbeiten hatten wir jede Woche einen neuen morschen Balken“ erinnert sich Klemm. „Für so ein Haus ist es eine Katastrophe, wenn keiner darin wohnt und heizt.“

Die Deutsche Stiftung für Denkmalschutz fordert nun bundesweite Fonds zur Rettung ungenutzter Baudenkmale. Mit dem Geld sollen Notsicherungen an den Häuser finanziert werden. Ziel sei es, die Gebäude zu retten, auch wenn es noch keine Interessenten für die künftige Nutzung gebe.

Familie Klemm hat sich in ihrem neuen Heim bereits eingelebt. In dem oberen Stockwerk des ritterlichen Guts stellt sie ganzjährig Ferienwohnungen zur Verfügung. Im Erdgeschoss befindet sich außerdem die Praxis von Sylke Klemm. Außerdem soll bald der historische Festsaal für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Was es mit dem Preisgeld machen würde, weiß das Ehepaar : „Wir wollen etwas Bleibendes. Für einen Teil des Geldes würden wir einen Kronleuchter für den Festsaal kaufen.“
 

Der Preis: Handwerk in der Denkmalpflege

Der „Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege“  wird jährlich in zwei Bundesländern an private Eigentümer verliehen. Für die privaten Denkmaleigentümer ist der Preis in der Denkmalpflege   in beiden Bundesländern mit jeweils 15000 Euro dotiert. „Die Vergabe des Bundespreises zeigt das hohe Engagement der Eigentümer und regionalen Handwerksunternehmen zum Erhalt historischer Bausubstanz “, so Hans-Peter Siegmeier, Präsident der  Arbeitsgemeinschaft  Handwerkskammern in MV.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen