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Mecklenburg-Vorpommern

18. November 2017 | 07:43 Uhr

Büchsenmacher : Augenmaß und Feingefühl

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Für den Büchsenmacher Dirk Poltier beginnt nach der Jagd die Hauptsaison

Dirk Poltier greift sich ein gut abgelagertes Stück Nussbaumholz. Gerade mal so lang wie ein Unterarm, ist es rund 3000 Euro wert. Demnächst wird der Büchsenmacher daraus einen Schaft formen – mit Stechbeiteln, Fräsern, Feilen, Raspeln und viel Sandpapier. Eine Auswölbung, die „Deutsche Backe“, gibt sicheren Halt. Den Kopf passgenau darin eingebettet, erleichtert sie den zielgenauen Schuss. Poltier ist einer der wenigen verbliebenen Meister seines Fachs in Mecklenburg-Vorpommern.

Gelernt hat der 54-Jährige den Beruf einst in Suhl. Die Stadt im Süden Thüringens war über Generationen weltweit berühmt für die private Waffenherstellung. Zu DDR-Zeiten waren dort mehr als 3000 Menschen beschäftigt. Heute sind es noch ein paar Dutzend. Längst hat auch hier Ware „Made in China“ den Markt erobert.

Fast alles im Ladengeschäft Poltiers in der mecklenburgischen Kleinstadt Grabow erinnert an alte Zeiten. Die Decken hängen tief, die Holzdielen knarren, es riecht nach Öl und Fett. Die Werkzeuge in der Werkstatt sind den meisten Kunden unbekannt. Sie wurden von Generation zu Generation weitergereicht. Heute kann nur noch ein einziger professioneller Hersteller im bayrischen Stöttwang bei Bedarf für Nachschub sorgen.

Natürlich ist der Büchsenmacher auch Jäger. „Wer Waffen baut, will sie auch selbst nutzen“, sagt der Handwerker, der eigentlich Seemann werden wollte. Mit sichtbarem Stolz schreitet er die in Reih und Glied zum Verkauf hängenden Waffen ab. Beim genaueren Betrachten fällt auf, wie viel Arbeit darin steckt. Zierleisten sind wie Zöpfe geflochten, Tiere sind eingraviert. Durch unterschiedlich tiefe Einschläge hat der Graveur farbliche Nuancen herausgearbeitet. In die aufgehende Sonne ist Gold eingehämmert. Bis hin zum Rohrmacher können acht Berufsgruppen an einer handwerklich gefertigten Waffe beteiligt sein. Solch ein Meisterwerk kostet oft einen fünfstelligen Betrag. Pro Jahr baut Poltier zwei bis vier Waffen.

90 Prozent seiner Arbeit machen Reparaturen aus. Die Jagdsaison ist mit den Weihnachtstagen zu Ende gegangen, es herrscht wieder Ruhe in Wald und Flur. Jetzt bringen die Kunden Waffen zum Reparieren oder Überholen. Damit beginnt für den Büchsenmacher die Hochsaison.

Der Landwirt Michael Constien ist Chef des Hegeringes Jürgenshagen im Landkreis Rostock. Er war in den zurückliegenden Wochen vor allem mit seinem über 50 Jahre alten Drilling unterwegs, gebaut von der Firma Merkel in Suhl, einem der traditionsreichsten Hersteller weltweit. „Die handwerkliche Fertigung ist unerreicht“, schwört Constien auf seine Jagdwaffe.

Von Büchsenmacher Poltier hat er sich gerade ein neues Zielfernrohr auf den Merkel-Drilling montieren lassen. Wie viele Wildschweine, Hirsche oder Rehe er damit bereits erlegt hat, vermag der erfahrene Waidmann nicht zu sagen. „An uns ist es, für eine ausgewogene Population bei den einzelnen Arten zu sorgen, vor allem auch die Wildschweinbestände niedrig zu halten“, erklärt er. Schäden auf den Feldern müssten minimiert und die Gefahr einer Schweinepest eingedämmt werden.  

Hege und Pflege steht bei den Jägern im Vordergrund. So hält es auch Poltier in seinem Revier. Für die nächsten Wochen bleibt seine Lieblingswaffe im Schrank. Damit hat er mehr Zeit, sich um die Waffen seiner Kunden zu kümmern. Zunehmend ist dabei auch Sohn Karl gefragt. Der 28-Jährige will eines Tages das Geschäft seines Vaters übernehmen.

 

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