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„Kultur ohne Barrieren“ : Augen mit Herz gesucht

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ungewöhnliches Projekt in MV: Erst in Begleitung wird Menschen mit Handicap Veranstaltungsbesuch möglich

Wollen Sie am 23. Juli auf der Schweriner Freilichtbühne Roland Kaiser zujubeln? Sind Sie am selben Wochenende bei Rostock rockt dabei? Oder gehen Sie regelmäßig zu den Heimspielen des FC Hansa Rostock? Wenn ja, dann tun Sie doch gleichzeitig etwas Gutes – und unterstützen einen blinden oder sehbehinderten Menschen bei der Orientierung auf dem Veranstaltungsgelände.

Das Projekt „Kultur ohne Barrieren“ hat gemeinsam mit den Veranstaltern einen entsprechenden Aufruf gestartet: „Blinde oder stark seheingeschränkte Menschen haben oftmals nicht die Möglichkeit eine Veranstaltung zu besuchen, weil ihnen die passende Begleitung fehlt“, weiß Katharina Rupnow, Projektmitarbeiterin von „Kultur ohne Barrieren“. Besonders auf Großveranstaltungen sei die Orientierung ohne den Sehsinn aber fast unmöglich. „Deshalb suchen wir kulturinteressierte Menschen, die bereit sind, während ihres Veranstaltungsbesuches einen blinden Menschen bei der Orientierung zu unterstützen“, so Rupnow. Schön wäre es natürlich auch, wenn der Helfer darüber hinaus zum Beispiel beschreiben könnte, was gerade auf oder neben der Bühne passiert. „Und sicher freuen sich Blinde und Sehbehinderte auch, wenn ihnen jemand bei der Bestellung von Speisen und Getränken zur Seite steht“, ergänzt die Projektmitarbeiterin. Interessenten sollten sich ebenso bei ihr melden wie Blinde oder Sehbehinderte, die eine der genannten Veranstaltungen besuchen möchten und denen eine Begleitung fehlt. „Wir bringen dann beide zusammen“, verspricht Katharina Rupnow.

Seit einem Jahr arbeitet sie gemeinsam mit ihrem Kollegen Kevin Weltzien daran, mehr Menschen den Zugang zu kulturellen Veranstaltungen zu ermöglichen. Das aus EU-Mitteln geförderte Modellprojekt sucht bundesweit seinesgleichen – und kann, zusammen mit seinen Partnern, schon einige Erfolge vorweisen. So bieten die Festspiele Wismar in diesem Sommer bereits zum zweiten Mal am 24. Juli eine besondere Vorstellung für Hör- und Sehgeschädigte an.

Die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern haben mittlerweile ihr Veranstaltungsprogramm als barrierefreies Dokument in ihren Internetauftritt integriert (www.festspiele-mv.de/barrierefrei). Dort finden sich auch Hinweise darauf, bei welchen Konzerten hörverstärkende Funkübertragungen zur Verfügung stehen – beispielsweise ist das an diesem Sonntag in Ulrichshusen der Fall, am 7. Juli in Hasenwinkel, am 22. Juli in Wismar und am 2. September in der Ludwigsluster Stadtkirche. Gebärdendolmetscher werden am ersten Tag des Kleinen Festes im Großen Park und beim Abschlusskonzert in Neubrandenburg zum Einsatz kommen. Für Sehbehinderte wird es beim Kleinen Fest in Ludwigslust darüber hinaus auch wieder taktile Lagepläne geben. Die Programmhefte für alle Konzerte werden auf Nachfrage als barrierefreies PDF oder in Brailleschrift verschickt.

In erster Linie bedeute ihre Arbeit, Veranstalter für die Bedürfnisse von Menschen mit Handicap zu sensibilisieren, erklärt Katharina Rupnow: „Barrierefreiheit bedeutet nämlich nicht nur, dass Rollstuhlfahrer, Rollator-Nutzer oder Eltern mit einem Kinderwagen den Veranstaltungsort erreichen und dort auch auf Toilette gehen können“ – viele Veranstalter würden allerdings genau das annehmen. Sensibilisiere man sie dafür, beispielsweise auch an seh- oder hörgeschädigte Besucher zu denken, stoße man aber auf großes Entgegenkommen und die Bereitschaft, etwas zu verändern, ergänzt Kevin Weltzien. Piktogramme in Veranstaltungsplänen, Programme in Braille-Schrift oder als Audiodatei, von Schriftdolmetschern erstellte Untertitel – „das kostet alles nicht viel Geld. Audiodateien kann man sogar am heimischen Computer erstellen“, meint Weltzien. Und breite, ebene Zuwegungen helfen nicht nur Rollstuhlfahrern und Blinden, sondern auch Gehbehinderten oder Eltern mit Kleinkindern.

Kontakt zu „Kultur ohne Barrieren“:
Telefon : 0385 30 00 815
Mail: barrierefrei@hdb-sn.de
Internet: www.hdb-sn.de

 

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erstellt am 05.Jul.2016 | 06:00 Uhr

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