Bison-Nachwuchs in Zühr : Auge in Auge mit sanften Giganten

Die einst Millionen von Tieren umfassenden Herden der Bisons bildeten einmal die Lebensgrundlage für viele Völker der nordamerikanischen „First Nations“, den Indianern.  In  Deutschland wächst die Liebhaberzahl dieser urigen Wildrinder. In Zühr gab es dieser Tage Nachwuchs. Hier will Marcel Schulz eine Herde aufbauen und in acht Jahren mit der Fleischvermarktung beginnen. Foto: Thorsten Meier
Die einst Millionen von Tieren umfassenden Herden der Bisons bildeten einmal die Lebensgrundlage für viele Völker der nordamerikanischen „First Nations“, den Indianern. In Deutschland wächst die Liebhaberzahl dieser urigen Wildrinder. In Zühr gab es dieser Tage Nachwuchs. Hier will Marcel Schulz eine Herde aufbauen und in acht Jahren mit der Fleischvermarktung beginnen. Foto: Thorsten Meier

So nahe kommt man sonst an echte Bisons nicht heran. Die urwüchsigen Wildrinder grasen derzeit hinterm Haus von Marcel Schulz auf rund zweieinhalb Hektar Weide. Die sanften Giganten scheinen aus der Zeit gefallen.

svz.de von
19. Juli 2012, 11:42 Uhr

Zühr | So nahe kommt man sonst an echte Bisons wohl nicht heran. Die massigen, urwüchsigen Wildrinder grasen derzeit hinterm Haus von Marcel Schulz auf rund zweieinhalb Hektar Weide. Die sanften Giganten, die schon vor tausenden von Jahren durch die Prärien Nordamerikas zogen, scheinen irgendwie aus der Zeit gefallen. Durch nichts, so mutet es an, lassen sich die zotteligen Fleischberge aus der Ruhe bringen. Doch die stoische Gleichgültigkeit im Gatter täuscht. Auf die Weide traut sich der 33-Jährige nicht: Das könne gefährlich werden, gesteht der junge Mann, der vor zwei Jahren mit vier Tieren den Grundstein für seine Zucht legte. "Wenn sich die Tiere bedrängt fühlen, dann kann sich eine Tonne Lebensgewicht sekundenschnell in Bewegung setzen - und ist dann nur noch durch den Hochsicherheitszaun und den stromführenden Draht zu halten. Es sind eben reine Wildtiere mit einem ausgeprägten Fluchtreflex. Deshalb nehmen sie auch keinen Stall an", meint Schulz.

Bisons kommen mit jeder Witterung klar

Sie seien ansonsten jedoch sanfte Giganten, genügsam, anspruchslos, robust, die sich mit geringen Futteransprüchen sowie ohne teure Stallanlagen halten ließen, erklärt der gebürtiger Zührer weiter. Ein wenig Kraftfutter im Winter, ein bisschen Heu und Stroh - ansonsten reiche es, regelmäßig den Weidezaun zu kontrollieren und die Tränke aufzufüllen.

"Bisons kommen mit jeder Witterung klar. Sie verfügen über ein extrem dichtes Fell. 20, 30 Grad Minus ist für sie überhaupt kein Problem", weiß Schulz, der dieser Tage das dritte Kälbchen in seiner kleinen Herde begrüßen konnte. Statt für Milchkühe oder Fleischrinder hat der gelernte Kaufmann und Filialeinrichter für einen großen Discounter in den letzten Jahren ein besonderes Faible für die Tiere mit den weit ausladenden geschwungenen Hörnern, dem bulligen Schädel und dem massigen Körper entwickelt. "Sie sind einfach nur beeindruckend", sagt Schulz und gesteht, dass bei ihm mit den Bisons Bilder aus Kindheitstagen lebendig würden, wenn er auf seine urige Herde blicke. Denn vor Jahren habe er eine Alternative zur Bewirtschaftung der Weiden rund um den elterlichen Bauernhof gesucht, als ihm seine alte Liebelei zu den Indianern dieser Welt und den dazugehörigen Bisonherden in den Sinn kam. Aus der eigenen Zucht oder durch den Kauf von Tieren anderer Halter wolle er sich eine vermarktungsreife Herde mit mindestens 50 Tieren inklusive Jungtiere aufbauen, berichtet er im Gespräch mit der SVZ.

Sieben bis acht Jahre wird Herdenaufbau wohl noch dauern

"Sieben bis acht Jahre wird es aber wohl noch dauern", schätzt der Hobby-Viehhalter ein. Doch voraussichtlich schon in vier bis fünf Jahren sollen ihm die dunkelbraunen Zotteltiere zusätzliche Einnahmen sichern - mit edlem Bisonfleisch für die Gourmets in Deutschland. Denn das könnte sich lohnen: Der Markt und die Nachfrage sind riesengroß. Gerade einmal 1100 Bisons werden derzeit in Deutschland von etwa 30 Züchtern gehalten. Im Mai 2012 wurden in Meck-Pomm 183 dieser den Wildrindern zuzuordnenden Tiere bei insgesamt 18 Haltern registriert.

Einst schätzten Sioux oder Comanchen das Fleisch der Bisons - künftig will Marcel Schulz deshalb den Geschmack der Wildnis auf deutsche Teller holen. "Der Absatz macht mir keine Sorgen. Viele Gaststätten und Privatleute haben schon bei mir angefragt", sagt Schulz. Das Fleisch der Tiere, der Kopf, das Fell - für alles würden sich Käufer finden. Indianer-Fans zahlten schon mal 1500 Euro für einen Bison-Schädel, hat Schulz den Markt analysiert - kein Massengeschäft, eher eine Nischenproduktion für Liebhaber. "Frisches Bisonfleisch kostet derzeit 80 Euro das Kilo, Tiefkühlware etwa die Hälfte", weiß er. Bisonfleisch erfülle höchste Qualitäts- und Gesundheitsansprüche und gehöre damit zweifellos an die Spitze aller Fleischarten. "Es ist das cholesterin- und fettärmste Fleisch, hat nur einen geringen Wasseranteil, kürzere Fasern und daher bessere Gareigenschaften. Trotz eines intensiveren Geschmacks schmeckt es nicht wildähnlich." Inhaltsstoffe wie Eisen, Kupfer, Selen und Zink seien verantwortlich für guten Geschmack und gute Verträglichkeit.

Besonders geeignet ist Bisonfleisch auch für Allergiker

"Besonders geeignet ist Bisonfleisch auch für Allergiker. In den USA und in Kanada wird es sogar als Therapiefleisch in Krankenhäusern und Diätkliniken eingesetzt. Selbst Spitzenköche kommen bei der ersten Begegnung mit Bisonfleisch aus dem Staunen nicht heraus", weiß Schulz überdies zu berichten. Er, der der geheimnisvollen Aura, die diese Tiere verbreiten, völlig verfallen zu sein scheint. Und deshalb auch sehr gut verstehen kann, warum die Indianer die Bisons damals wie heute als spirituelle Lebensspender verehren.


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