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Metropole statt Provinz : Aufstieg in internationale Liga

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Fünf Millionen Einwohner, 1000 Orte, 19 Kreise und Städte: Schwerin und Parchim rücken in Metropolregion Hamburg auf

svz.de von
erstellt am 13.Mai.2016 | 05:00 Uhr

Aufstieg in die internationale Liga der Wirtschaftsregionen statt provinzielles Standortgerangel: Nach dem Altkreis Ludwigslust und Nordwestmecklenburg rücken zwei weitere Regionen Westmecklenburgs in die Metropolregion Hamburg auf. Nach jahrelangem Verzug sollen heute bei einem Spitzentreffen des so genannten Lenkungsausschusses in Schwerin die Weichen für die Aufnahme der Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns und des Altkreises Parchim in den Regionenbund gestellt werden. 1000 Orte, 19 Landkreise und kreisfreie Städte, vier Länder, eine Region mit fünf Millionen Menschen: Von Parchim bis Cuxhaven, Schwerin bis Stade, Grevesmühlen bis Uelzen – der Norden rückt zusammen und will künftig in der Welt gemeinsam auf Standortwerbung gehen. Nach entsprechender Änderung des Staatsvertrages und mit dem Segen der Landtage und der Bürgerschaft soll 2017 offiziell der Beitritt erfolgen.

Es könnte sich lohnen: Westmecklenburg – bis zur deutschen Teilung Einzugsgebiet von Hamburg, Lieferant, Arbeitskräftereservoir für den Handelsplatz an der Elbe – der „Vorgarten“ der Metropolregion. Noch heute: Die Hansestadt sei die prägende Metropole und der wachsende Wirtschaftsraum im Norden, erklärte Ludwigslusts Landrat Rolf Christiansen (SPD) gestern im Vorfeld des Spitzentreffens: „Da ist es wichtig, im Boot zu sein.“ Auch für Schwerin: „Im Vorgarten ist es immer am schönsten, aber man braucht auch das Haupthaus“, freut sich Schwerins Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow künftig zum Metropolenkreis zu gehören: „Wir sind froh, dabei zu sein.“

Vor allem, um gemeinsam als Standort und bei Investoren in der Welt wahrgenommen zu werden: Parchim, Ludwigslust, Schwerin, Nordwestmecklenburg – die Region könne davon profitieren, künftig „unter dem Label von Hamburg zu segeln“, hofft Christiansen. Die Verflechtungen sind längst da: Ohne Hamburg würde die Arbeitslosigkeit in Westmecklenburg in die Höhe schnellen – Zehntausende fahren täglich zur Arbeit in die Hansestadt oder ins Umfeld. Firmen zieht es indes ins Umland: So würden sich Parchim und Schwerin bereits jetzt im gemeinsamen Gewerbeflächenportal Gefis bei Investoren einen Namen machen. Für Investoren wie dem Flugsitzbauer ZIM, Folienveredler FVH, Kaffeekapselproduzent Nestle und Flugzeugzulieferer Flamm sei für ihre Standortentscheidung für Schwerin die Nähe zu Hamburg entscheidend gewesen, erklärte Siegbert Eisenach, Chef der Industrie- und Handelskammer Schwerin. Ansiedlungen in der Region nützten allen, auch Hamburg. Und so gebe die Hansestadt Unternehmen bei der Standortsuche auch außerhalb der Stadtgrenzen Flächenempfehlungen, da sie selbst große Gewerbeflächen gar nicht mehr anbieten könne, meint Eisenach.

Die Eifersüchteleien werden weniger: Vor Jahren gab es Widerstände unter den Ländern, dann witterten Landräte und die Chefs anderer kreisfreier Städte rund um Hamburg neue Konkurrenz. Jahrelang glich die Initiative einem Papiertiger der Behörden in der Region. Zu verwaltungslastig, wetterte die Wirtschaft. Nicht mehr: Die Metropolregion sei auch in der Wirtschaft angekommen, glaubt Eisenach. Inzwischen würden Unternehmen bei Geschäftspartnern mit der Metropolregion Hamburg als Standort werben, beobachtete Christiansen. 

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