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Stiftungsvorsitzende Wilcken: Denkmalschutz unbürokratisch fördern : "Auflagen und Dämmwut"

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Der Denkmalschutz braucht nach Ansicht der Vorsitzenden der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Rosemarie Wilcken, eigene Förderprogramme und weniger Bürokratie. Kritisch sieht sie die Kürzung der Städtebauförderung.

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erstellt am 17.Apr.2011 | 05:48 Uhr

Schwerin | Der Denkmalschutz in Deutschland braucht nach Ansicht der Vorsitzenden der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Rosemarie Wilcken, eigene Förderprogramme und weniger Bürokratie. "Für fast alles gibt es Förderprogramme, für den Denkmalschutz ist das staatliche Engagement sehr zurückhaltend", sagte Wilcken vor dem dem heutigen internationalen Denkmaltag. Obwohl der Denkmalschutz Länderhoheit sei, fehlten in den meisten Kultusministerien klassische Förderprogramme mit einer Mischfinanzierung.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) verwalte nur Programme für national bedeutsame Denkmäler. "Selbst die Welterbeprogramme kamen aus dem Bundesbauministerium", sagte Wilcken. Sie war bis 2010 zwei Jahrzehnte lang Bürgermeisterin von Wismar und politisch in der SPD aktiv. Die von der Backsteingotik geprägte Wismarer Altstadt wurde 2002 gemeinsam mit Stralsund in die Unesco-Welterbeliste aufgenommen.

Kritisch sieht Wilcken die Kürzung der Städtebauförderung des Bundes von 610 Millionen Euro im vergangenen Jahr auf 455 Millionen für 2011. Vielerorts seien die Fördermittel auch ein Steuerungssystem für die Stadtentwicklung und den Denkmalschutz gewesen. Während in den neuen Ländern in den vergangenen 20 Jahren sehr vieles saniert wurde, sei in den alten Ländern ein Sanierungsstau entstanden. "Wir als private Stiftung ohne institutionelle Förderung des Bundes oder der Länder sind nicht in der Lage, in diese Finanzierungslücke einzuspringen", sagte die Vorsitzende. Die Stiftung sei auf Spenden und Einnahmen aus der Glücksspirale angewiesen. Die indirekte Denkmalschutzförderung über Steuererleichterungen wird Wilcken zufolge eher als bürokratische Hürde verstanden. Genehmigungen der unteren und der oberen Denkmalpflegebehörden seien einzuholen, so dass mancher Bauherr gleich darauf verzichte. "Für den Denkmaleigentümer kommt der Denkmalschutz überwiegend mit Auflagen daher", sagte Wilcken. Er werde oftmals eher als Bedrohung denn als Hilfe wahrgenommen. "Dabei ist der Denkmaleigentümer der eigentliche Denkmalpfleger." Auch die gesetzlichen Auflagen zur Energieeffizienz bereiteten Probleme. Sowohl zu viele Ausnahmen als auch die "Dämmwut" an Denkmälern könne nicht die Lösung sein.

Der internationale Denkmaltag wurde 1982 vom Internationalen Rat für Denkmalpflege (Icomos) und der Unesco eingeführt. Icomos berät die Unesco.

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