Aufklärung als Hausaufgabe

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26. Juni 2012, 07:34 Uhr

Schwerin | Pünktlich zum heutigen Drogentag der Vereinten Nationen haben die Suchthelfer des Landes Mecklenburg-Vorpommern eine Neuerung angekündigt: In Zukunft wird es in den sechs Kreisverwaltungen und den beiden kreisfreien Städten einen Mitarbeiter speziell für die Suchtprävention geben, als Pflichtaufgabe. Damit soll das Vorwarnnetz und das Aufklärungsnetz enger gespannt werden. "Und die Kommunen werden natürlich vorher zu Wort kommen", betont Christian Moeller, Sprecher des Schweriner Ministeriums für Arbeit, Gleichstellung und Soziales. Zur Finanzierung der neuen Personalie und zu inhaltlichen Aufgaben wollte er noch keine Angaben machen. Nur so viel: "Die Richtlinie soll im kommenden Jahr in Kraft treten und muss vorher nicht das Parlament passieren", so Moeller. Hintergrund der Neuerung ist eine Vertiefung und eine Verbesserung der Vorbeugung von Drogenmissbrauch.

Das bisherige Vorbeugungsnetz im Land sei noch nicht flächendeckend, wie der Geschäftsführer der Landeskoordinierungsstelle (Lakost) für Suchtvorbeugung, Rainer Siedelberg, erklärt. Es gebe allerdings vorbildliche Regionen wie Ludwigslust-Parchim, in denen die Drogen-Prävention seit Jahren angewachsen sei. Aber auch "Weiße Flecken" auf der Landkarte wie der Großraum Neubrandenburg, "der einst mit sehr guten Aufklärungsangeboten aufwarten konnte. Heute jedoch eher für seine Auffangstellen bekannt ist", so Siedelberg, der seit 1993 einer von fünf Lakost-Mitarbeitern in der Landeshauptstadt ist. Für ihn wäre die Vorbeugung bei den Landkreisen richtig aufgehoben. "Das würde dem Netz gut tun", wie er sagt. Denn in den Verwaltungen könnten dauerhafte und langfristige Kampagnen entwickelt werden. Ausgebildet werden die neuen Präventionskräfte von der Lakost.

Laut derzeitiger Planung beginnen die Schulungen im November, damit die kreislichen Suchtpräventionsstellen bereits im kommenden Jahr besetzt werden können. Das vorrangige Ziel der ausbildenden Landeskoordinierungsstelle sei es, besonders breitgefächert über Gefahren und Folgen von Drogen und Suchtmitteln aufzuklären. Also auch die Sekundärprobleme wie Schulden, psychische Krankheiten und soziale Probleme im Auge zu behalten.

"Natürlich setzen die Regionen das dann vor Ort auf ihre Art um", sagt Siedelberg. Nur so sei ein flexibles und sinnvolles Vorbeugungssystem möglich. Als Beispiele nennt er den Alkoholparcours, der sich an Jugendliche richtet, oder die gerade laufende Anti-Nikotinkampagne. In den Kreisverwaltungen lösen die Pläne leichte Verwunderung aus. Denn in den meisten Häusern gibt es etwas Ähnliches bereits: Mitarbeiter, die mal ans Gesundheitsamt und mal ans Büro der Landräte oder der Oberbürgermeister gekoppelt sind. "Das ist bei uns jemand, der das neben anderen Aufgaben mitmacht und außerdem haben wir ja den Präventionsrat, der sehr erfolgreiche Kampagnen initiiert", betont Schwerins Pressesprecherin Michaela Christen.

Solche Präventionsräte gibt es ebenfalls in Rostock. In Greifswald soll einer entstehen und in Neubrandenburg wird dieses Gremium am kommenden Montag für den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, bestehend aus Sozialträgern, Verwaltung, Politik und Polizei, konstituiert. "Man sollte nicht vergessen, wenn das Kind jetzt einen anderen Namen bekommt und diese Personalstelle zementiert wird, dass unsere Mitarbeiter das schon seit Jahren erfolgreich in der Region machen", mahnt Achim Froitzheim, der Sprecher des Landkreises Vorpommern-Greifswald, an.

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