zur Navigation springen

Justiz-Posse : Auf „unerklärliche Weise“ freigelassen

vom
Aus der Onlineredaktion

Internationaler Haftbefehl: Mutmaßliche Steuerbetrüger aus MV erneut abgetaucht

svz.de von
erstellt am 04.Jul.2017 | 21:00 Uhr

Für die Überstellung der beiden Tatverdächtigen von Südamerika nach Mecklenburg-Vorpommern war alles vorbereitet. Das Ehepaar aus dem Raum Güstrow saß in Auslieferungshaft – vier Zollbeamte waren bereits in Uruguay, um sie für einen Prozess nach Mecklenburg-Vorpommern zurückzuholen. Doch der Einsatz vor drei Wochen wurde ein Flop. Die Zollfahnder kehrten ohne die Eheleute zurück. Die mutmaßlichen Steuerbetrüger wurden doch nicht ausgeliefert, sondern freigelassen. Die Strafverfolger in MV haben nun ein Problem. Das bereits schon einmal weltweit gesuchte Ehepaar aus MV ist nach Angaben der Rostocker Staatsanwaltschaft erneut abgetaucht.

„Sie sind flüchtig“, teilte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft mit. Das wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe angeklagte Paar werde nun mit einem internationalen Haftbefehl gesucht. Doch die Fahndung dürfte sich schwierig gestalten, auch wenn sich die beiden noch in Uruguay aufhalten sollten. Zwischen der Bundesrepublik und dem südamerikanischen Staat gibt es kein Auslieferungsabkommen. „Wir können auch nicht einfach Polizisten in das Land schicken und sie festnehmen“, erklärte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Dem Ehepaar, das unter anderem ein Transportunternehmen führte, wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, zwischen 2013 und 2015 in MV im großen Stil Diesel mit Schmieröl gestreckt und den gepanschten Kraftstoff verkauft zu haben. Der Schaden soll rund 8,5 Millionen Euro betragen.

Nach dem Mann und der Frau wurde bereits 2016 international gefahndet. Die Eheleute waren nach Bekanntwerden der Vorwürfe nach Uruguay ausgereist, um sich dort nach Aussagen ihres Anwalts eine neue Existenz aufzubauen. Im November 2016 wurden sie in dem südamerikanischen Staat verhaftet und landeten in Auslieferungshaft. Die Überführung nach MV sollte im April dieses Jahres erfolgen. Die Staatsanwaltschaft verwies auf ein positives Auslieferungsersuchen. Doch es kam anders. Ein Gericht in Atlandtida hob den Haftbefehl auf und setzte die Tatverdächtigen auf freien Fuß. Am Landgericht in Rostock ist man nach wie vor irritiert über diese Entscheidung. „Die Freilassung erfolgte auf unerklärliche Weise“, sagt eine Gerichtssprecherin.

Der Anwalt der beiden Gesuchten sagt dagegen, die deutschen Behörden hätten eine Frist für die weitere Inhaftierung verstreichen lassen. Seine Mandanten seien regulär entlassen worden, hätten anschließend freiwillig Interpol aufgesucht und ihre Reisepässe zurückbekommen. „Sie sind nicht flüchtig“, so Benjamin Richert.

In Uruguay dürften die beiden vor der deutschen Justiz relativ sicher sein. Auch die Strafverfolger haben offenbar wenig Hoffnung, dass sie dort erneut dingfest gemacht werden. „Wir müssen darauf bauen, dass sie in ein anderes Land reisen und dort in eine Polizeikontrolle geraten“, räumt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft ein. Vermutlich wissen das aber auch die Eheleute. Der zuständige Richter am Rostocker Landgericht hat das Verfahren gegen die beiden Eheleute jedenfalls vorübergehend ausgesetzt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen