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Doppelausstellung : Auf Schloss Güstrow wird jetzt reformiert

vom
Aus der Onlineredaktion

Das Staatliche Museum zeigt ab sofort die Sonderausstellung „Cranachs Luther“ in Kombination mit „Pop up Cranach“

von
erstellt am 20.Mai.2017 | 16:00 Uhr

Schrill klingeln die Telefone in dem kleinen schwarz gestrichenen Raum – entgegen jeglichen Gleichtakts. Johanna Syré hebt nach und nach die Hörer ab und notiert: Die Einladung zur Weinprobe, die Zucker-Bestellung und letztlich der Anruf der Verwandten, die sich auf das morgige Treffen freut. „Die Cranachs waren mehr als Maler, sie waren Politiker, Apotheker, Weinhändler und Verlagsbesitzer. Ihr gesellschaftliches Ansehen war enorm.“ Und ihre Freundschaft zu Reformatoren wie Martin Luther oder Philipp Melanchthon legendär. Zahlreiche Abbildungen Luthers entstanden in der Werkstatt von Lucas Cranach dem Älteren und Lucas Cranach dem Jüngeren. Die Künstler gaben der Reformation ein Gesicht.

Am 31. Oktober 1517 schlug Martin Luther seine 95 Thesen an das Hauptportal der Schlosskirche in Wittenberg. 500 Jahre später – im Lutherjahr 2017 – widmet sich das Staatliche Museum Schwerin/Ludwigslust/Güstrow in einer Doppelausstellung dem Vermächtnis der Malerdynastie. In „Cranachs Luther!“ werden auf Schloss Güstrow nicht nur die Zeichnungen zum Epitaph für Joachim von Anhalt gezeigt, sondern auch 16 Druckgrafiken, die für die Verbreitung der Gedanken der Reformation von wichtiger Bedeutung waren. Herzstück der Schau sind allerdings 13 Gemälde, unter anderem ein ganzfiguriges Luther-Porträt. „Bis auf den großen Luther stammt der Bestand aus dem 19. Jahrhundert. Das Gemälde lässt sich im 16. Jahrhundert im Schloss Schwerin nachweisen und war dort vermutlich in der Schlosskapelle zu sehen“, erläutert Tobias Pfeifer-Helke, Kurator der Ausstellung. „Cranach der Ältere kann als Luthers Pate bezeichnet werden. Ohne ihn wäre der Reformator nie so populär geworden“, ergänzt er. Etwa 5000 Gemälde hätten die beiden Cranachs innerhalb kürzester Zeit in ihrer Werkstatt produziert, mehr als 1000 Werke seien heute noch erhalten. Lucas Cranach der Ältere war als kurfürstlicher Hofmaler engagiert – beinahe 50 Jahre unter drei Fürsten. Eine wichtige Rolle spielte er als Maler für protestantische Auftraggeber: Seine Luther-Bildnisse stellen den Reformator mal als energischen und unbeugsamen Mönch dar, mal als Junker Jörg mit Vollbart oder ein anderes Mal als Gelehrten mit Doktorhut.

Doch wie passen diese Porträts mit kunsthistorischem Wert mit klingelnden Telefonen, kuscheligen Sitzecken und Ausmalbildern zusammen? Parallel zu „Cranachs Luther!“ zeigt das Museum „Pop up Cranach“, eine Produktion des Alice-Museums für Kinder in Berlin. 2014/15 wurde die interaktive Schau bereits in der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin gezeigt. Dort hat sie Museumspädagogin Monika Lehmann entdeckt – und erlebt. Denn „Pop up Cranach“ geht einen neuen Weg, um die Künstler, ihre Werke, die Welt und das Leben vor mehr als 500 Jahren erlebbar zu machen. „Für Viele ist der Begriff Reformation sperrig und schwer fassbar. Mit der Zeitreise in das 15. und 16. Jahrhundert wird das einfacher“, sagt Lehmann. In einem kleinen Pavillon übt sie unter Anleitung eines virtuellen Tanzmeisters Knicks und Diener. Wer möchte, könne sich noch ein Kostüm überwerfen. An der Decke hängt eine Diskokugel. „Wir müssen den Besuchern im Hier und Jetzt begegnen und sie dann in die kunsthistorischen Welt der Cranachs mitnehmen.“

 

Internationaler Tag der Museen

Unter dem Motto „Spurensuche. Mut zur Verantwortung!" feiern Kunsthäuser und Gedenkstätten in ganz Deutschland  morgen bereits zum 40. Mal  den Internationalen Museumstag.  Ziel des Aktionstages ist es, auf die thematische Vielfalt der  Museen aufmerksam zu machen. In Mecklenburg-Vorpommern beteiligen sich insgesamt 81 Häuser  an dem Aktionstag. Mit dabei ist unter anderem das Museum Schloss Schwerin, das Kulturhistorische Museum in Rostock und die Ernst Barlach Stiftung Güstrow.  Wo was los  ist, zeigt folgende Karte: http://www.museumsverband-mv.de/.

 

Die Ausstellung ist bis zum 24. September dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr zu sehen.

 

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