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Landestheater Parchim zeigt "Die Mausefalle" : Auf Mörderjagd im Theater

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Mit viel Applaus hat das Publikum die Premiere von "Die Mausefalle" am Landestheater in Parchim bedacht. Dankbar gab es am Sonnabend zudem ein Versprechen ab: nicht zu verraten, wer der Mörder ist.

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erstellt am 23.Sep.2013 | 11:47 Uhr

Parchim | Mit viel Applaus hat das Publikum die Premiere von "Die Mausefalle" am Landestheater in Parchim bedacht. Dankbar gab es am Sonnabend zudem ein Versprechen ab: nicht zu verraten, wer der Mörder ist. Und was seit 61 Jahren in London gelang, sollte auch in Mecklenburg in den nächsten Monaten möglich sein. Denn das Stück ist es wert, anderen nicht die Spannung zu nehmen und den Spaß zu verderben.

Ohne Unterbrechung wird das Kult-Stück von Krimi-Königin Agatha Christie seit 1952 in der englischen Hauptstadt gespielt. Obwohl es seitdem von Millionen Zuschauern auch auf anderen Bühnen weltweit gesehen wurde, hat sich die britische Presse bis heute daran gehalten, über den Ausgang der Geschichte nicht zu berichten. Dazu verpflichtet sich in der Regel auch das Publikum.

In Parchim stehen Carolin Bauer und Martin Klinkenberg als die etwas hektische Mollie und ihr dienstbeflissener und eifersüchtiger Ehemann Giles Ralston auf der Bühne und warten auf die ersten Gäste ihrer neu eröffneten Pension "Monkswell Manor". Während draußen ein Schneesturm tobt, treffen ein: die munter nörgelnde Witwe Mrs. Boyle (Wiebke Rohloff), der eloquente Major Metcalf (Ulf Perthel), der lustige Student Christopher Wren (David Kopp), der charmante Mr. Parvicini (Carl M. Pohla) und die etwas rätselhafte Miss Casewell (Marlene Eiberger). Dann aber wird telefonisch ein Sergeant Trotter (Steffen Schlösser) angekündigt. Nach einem Mord in London hat die Polizei Hinweise, dass der Mörder sich auf den Weg nach "Monkswell Manor" gemacht hat und weitere Missetaten plant. Als Trotter die Pension auf Skiern erreicht, fällt das Telefon als einzige Verbindung zur Außenwelt aus. Eingeschlossen vom Schnee sitzen die Bewohner der Pension in der Falle. Bald schon schlägt der Mörder wieder zu.

Während im ersten Akt der Klamauk überwiegt, prägt die Spannung den zweiten Teil des Stücks. Jeder hat sich aus bestimmten Gründen verdächtig gemacht - oder ist es in den Augen der Mitbewohner. Denn kaum einer der Pensionsbewohner ist rein zufällig nach "Monkswell Manor" gekommen, und mancher trug nicht seinen wahren Namen ins Gästebuch ein. Viele haben etwas zu verbergen - aber nicht unbedingt, weil sie etwas mit den Morden zu tun haben.

Agatha Christie schrieb "The Mouse trap" 1948 ursprünglich als Hörspiel zum Geburtstag von Queen Mary, der Großmutter von Queen Elisabeth. Es ist ein typisches "Whodunit"-Stück, in dem es vor allem darum geht, herauszufinden, wer den Mord begangen hat. Dieser Aufgabe stellt sich auf der Bühne nicht nur Sergeant Trotter. Das Publikum darf munter miträtseln. Im Stillen, versteht sich, und ohne dem Nachbarn die Lösung des Falls zu verraten. Dem damaligen britischen Premierminister Winston Churchill wird nachgesagt, er habe bereits nach der Hälfte des Stückes gewusst, wer der Täter ist. Unmöglich ist das nicht, denn der Plot der Handlung ist um einiges logischer als mancher "Tatort" in der ARD.

Regisseur Thomas Ott-Albrecht, der Chef des Landestheaters, hat zum Glück nicht versucht, seiner Inszenierung einen modernen Anstrich zu geben oder aktuelle Anspielungen einzubauen. Den Originaltext hat er lediglich etwas gekürzt. Unterhaltendes Boulevard-Theater wollte Ott-Albrecht präsentieren. Das ist ihm und dem Ensemble gelungen. Am 31. Dezember werden sie "Die Mausefalle" gleich zweimal ihrem treuen Silvester-Publikum zeigen. Ob das Stück dann wie in London 61 Jahre lang läuft, hängt auch von den Zuschauern ab. Sie müssten schon den Mörder für sich behalten.

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