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Standpauke vom Richter : Auf Kosten der Allgemeinheit

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Polizisten als „Streifenpinguine“ tituliert: Amtsrichterin hält 36 Jahre altem Schweriner eine Standpauke

Immer häufiger werden Polizisten in Mecklenburg-Vorpommern während ihrer Einsätze beschimpft oder sogar angegriffen. Zwei Männer wurden deshalb gestern vom Amtsgericht Schwerin verurteilt.

„Ihr Arschlöcher, ihr Wichser, ihr Streifenpinguine“, schimpfte ein betrunkener 31-Jähriger im vergangenen Sommer, als Nachbarn die Polizei zu seiner Wohnung in der Schweriner Innenstadt gerufen hatten. Der Mann hatte sich heftig mit seiner Lebensgefährtin gestritten. Selbst als die beiden Beamten ihm Handschellen angelegt hatten, versuchte er dem einen Beamten noch eine Kopfnuss zu verpassen.
Vor Gericht gab der Angeklagte sich reumütig, entschuldigte sich bei den Beamten. Sein Anwalt argumentierte, der 31-Jährige sei inzwischen in einer Klinik, um seiner Alkoholsucht Herr zu werden. Die Amtsrichterin verhängte dennoch 720 Euro Geldstrafe, die er wohl vorerst von seinen Hartz-IV-Bezügen abstottern wird. Dringend ermahnte sie ihn: „Ziehen Sie Ihre Therapie durch, allein schon Ihres Kindes wegen.“ Er hat einen kleinen Sohn, für den er sorgen muss.

Zuvor hatte der Staatsanwalt 600 Euro Geldstrafe für einen 36-jährigen Schweriner ebenfalls wegen Widerstands gegen Polizisten gefordert. Der hatte sich vehement gesträubt, als am Rande einer „Deutschland wehrt sich“-Demonstration im Sommer 2016 seine Personalien festgestellt und ihm Handschellen angelegt werden sollten. Drei Polizisten brauchte es, den Angetrunkenen zu Boden zu ringen.

Dies war jedoch nur ein Grund, warum dem Arbeitslosen ohne Ausbildung der Prozess gemacht wurde. Die Standpauke der Amtsrichterin handelte er sich wegen anderer Vorfälle ein. Während der Demonstration hatte er sich mit einem Anwohner angelegt, der ihn maßregelte, als der Angeklagte in den Haus-eingang seines Wohnblocks pinkelte. Außerdem war er wegen Körperverletzung angeklagt.

Als sein Hund auf einem Bolzplatz Löcher grub, wurde der Mann von einem Bekannten gebeten, dies zu unterbinden – was dem Kritiker eine schmerzhafte Tracht Prügel eintrug. Und als Betrug wertete es der Staatsanwalt, dass der Angeklagte zeitweise einen Job hatte, und trotzdem weiter Hartz-IV vom Arbeitsamt kassierte.

Sie verstehe nicht, wogegen sich ein „Deutschland-wehrt-sich“-Mitmarschierer wie er wehre, nahm die Richterin den Angeklagten aufs Korn: einerseits in Hauseingänge pinkeln und Bolzplätze zerstören, aber auf Kosten der Allgemeinheit leben und nicht einmal Unterhalt für seine drei Kinder bezahlen.

Am Ende verurteilte sie ihn für alle Delikte zusammen zu elf Monaten Haft, die trotz mancher Vorstrafen zur Bewährung ausgesetzt wurden. Zusätzlich muss er 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit leisten.

Ein als Zeuge geladener Polizist war nach dem Urteil zufrieden, dass die unschönen Seiten seines Berufsalltags ab und an durchaus vor Gericht landen.

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