Gründer : Auf in den Osten?

Tobias Steenweg (l.) und Stefan Wegener entwickelten zusammen die App „uninow“.
Tobias Steenweg (l.) und Stefan Wegener entwickelten zusammen die App „uninow“.

Gründer entdecken Regionen abseits der Metropolen – doch es sind immer noch wenige

svz.de von
03. Mai 2017, 05:00 Uhr

Tobias Steenweg ist über eine Spielerei im Informatik-Studium an der Uni Magdeburg zu seiner ersten Firma gekommen. Der heute 28-Jährige und sein Kommilitone Stefan Wegener (25) programmierten sich eine App, in der alle nützlichen Zugänge für den Uni-Alltag vereint waren: Mensa-Speiseplan, Bibliothekskonto, Stundenplan und Uni-Mail. Schnell wurden andere Studenten der Uni darauf aufmerksam, erzählt Steenweg. Die App verbreitet sich schnell. „Am Ende des Studiums waren wir quasi zum Gründen gezwungen.“ Mit einem Bundesstipendium im Rücken werkelt das Team ab Frühjahr 2014 an der Geschäftsidee und dem Prototyp. Zusätzlich gibt es Risikokapital vom Land Sachsen-Anhalt. „UniNow“ ist geboren. Das Unternehmen ist nur ein Beispiel für die aktiver werdende Gründerszene im Osten: Ausgründungen von Hochschulen und Forschungsinstituten, Start-ups werden aus dem Boden gestampft.

Karsten Schaal, Regionalsprecher für Sachsen im Bundesverband Deutsche Start-ups, sieht zunehmend Bewegung. Billige Mieten und Lebenshaltungskosten lassen eine kreative Szene aus Künstlern und Querdenkern entstehen. „Und aus dieser Subkultur entsteht unternehmerisches Denken.“

Dennoch hinkt der Osten Gründerzentren wie Berlin, Hamburg oder München hinterher. Das zeigen auch die Zahlen des „Deutschen Start-up-Monitor 2016“: 17 Prozent der in der Studie untersuchten 1224 Start-ups haben demnach ihren Sitz in Berlin – damit ist die Bundeshauptstadt nach wie vor Spitzenreiter. Aber die Konzentration nimmt ab, im Jahr zuvor waren in Berlin noch 31 Prozent der jungen Unternehmen angesiedelt. In Sachsen sind 5,1 Prozent der befragten Start-ups angesiedelt (plus 0,6 Prozentpunkte). In Sachsen-Anhalt fällt der Anstieg am höchsten aus: Laut Monitor haben 1,2 Prozent der Start-ups hier ihren Sitz – im Jahr zuvor lag die Quote gerade einmal bei 0,2 Prozent. Während Brandenburg auf einem Niveau von 1,5 Prozent stagnierte, legte Mecklenburg-Vorpommern auf 1,0 Prozent zu (plus 0,4 Prozentpunkte). In Thüringen haben 1,2 Prozent der jungen, innovativen Firmen ihren Sitz – ein Rückgang: Im Jahr zuvor waren es noch 1,6 Prozent.

Der Chefvolkswirt der staatseigenen Förderbank KfW, Jörg Zeuner, sieht im Osten Nachholbedarf in Sachen Gründungen. Zwar ist man derzeit noch an der Auswertung der Zahlen für 2016, die im Mai vorgestellt werden sollen. „Wir gehen aber nicht davon aus, dass sich in der Rangfolge der Bundesländer wesentlich etwas ändert.“ Im Gründungsmonitor für das Jahr 2015 landeten die ostdeutschen Flächenländer allesamt auf den hinteren Plätzen. Mit einer Quote von 14 Gründungen pro 1000 Erwerbsfähigen sind Thüringen und Sachsen die gründungsfreudigsten Ost-Flächenlander, gefolgt von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern (jeweils 13 Gründungen pro 1000 Erwerbsfähigen. Schlusslicht bleibt Sachsen-Anhalt (7). Deutschlands Gründerhauptstadt in Deutschland ist nach wie vor Berlin (26).

Die Jungunternehmer von „UniNow“ wollen nächstes Jahr schwarze Zahlen schreiben. Und wie? „Wir haben eine Stellenbörse integriert. Unternehmen können dort Angebote einstellen – gegen Sponsoring“, sagt der gebürtige Göttinger Steenweg. Die Plattform sei für Firmen für die Suche neuer Kräfte interessant. „Wir haben inzwischen rund 100 000 sehr aktive Nutzer.“ Die Herausforderung? „Der App-Markt ist sehr umkämpft, wir müssen dauernd updaten.“

 
 

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