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Branchenkonferenz in Rostock : Auf gutem Weg zum Gesundheitsland Nr.1

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Heute startet in Rostock die 10. Nationale Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft – ein Gespräch mit dem Kongresspräsidenten Prof. Horst Klinkmann

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erstellt am 21.Mai.2014 | 07:45 Uhr

Unter dem Motto „10 Jahre Nationale Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft – Motor für Wissenschaft und Wirtschaft“ beraten heute und morgen in Rostock mehr als 600 Experten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. Karin Koslik sprach im Vorfeld der Konferenz mit Prof. Dr. Dr. Horst Klinkmann, dem Kongresspräsidenten und Präsidenten des Kuratoriums Gesundheitswirtschaft Mecklenburg-Vorpommern.

Zehn Jahre Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft sind untrennbar mit Ihrem Namen verbunden. Welches waren für Sie die Höhepunkte im zurückliegenden Jahrzehnt?
Prof. Klinkmann: Im Grunde genommen war für mich der Höhepunkt die Entwicklung der Branchenkonferenz selbst. Sie ist heute unzweifelhaft die führende Themenkonferenz in der Gesundheitswirtschaft in der Bundesrepublik und seit den letzten Jahren auch ein großer Anziehungspunkt für die Gesundheitswirtschaftler aus dem Ostseeraum und darüber hinaus. Auf der Jubiläumskonferenz wollen wir nun eine Zusammenfassung der Empfehlungen veröffentlichen, die wir aufgrund der Spezifität der Branchenkonferenz geben konnten.


Worauf geht die Branchenkonferenz zurück?
Im Jahre 2004 wurde durch den Beraterkreis Ost des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder der Vorschlag unterbreitet, dass alle neuen Bundesländer die Möglichkeit bekommen sollten, eine Wirtschaftsbranche in Form einer Einladungskonferenz vorzustellen, in der sie ihre Zukunft sehen. Damals waren die Verwunderung und das Kopfschütteln groß, dass MV sich entschieden hat, einen Begriff als Zukunftsbranche zu formulieren, den es noch gar nicht gab. Man kannte bis dahin nur das Gesundheitswesen, nicht aber die Gesundheitswirtschaft. Wir sind also ein Risiko eingegangen – mit ausdrücklicher Unterstützung durch die damalige Landesregierung unter Dr. Harald Ringstorff. Gleich auf der ersten Branchenkonferenz haben wir dann eine Definition der Gesundheitswirtschaft formuliert, die heute allgemein anerkannt und auch die offizielle Definition der Europäischen Union ist.


Die lautet?

Gesundheitswirtschaft ist die Erstellung und Vermarktung von Gütern und Dienstleistungen, die der Bewahrung und Wiederherstellung von Gesundheit dienen.
Unsere Konferenz ist übrigens die einzige von allen damals ins Leben gerufenen Branchenkonferenzen, die es auch nach zehn Jahren noch gibt. Auf der Grundlage einer gewonnenen Ausschreibung ist auch ihre weitere Finanzierung als Einladungskonferenz vorerst bis 2018 gesichert.


Welchen Stellenwert hat die Gesundheitswirtschaft hier im Land?
In ganz Deutschland ist die Branche, zu der natürlich auch das Gesundheitswesen als Kerngebiet gehört, im Aufschwung. Hier im Land gibt es inzwischen rund 100 000 Beschäftigte in der Gesundheitswirtschaft, rund viermal so viele wie vor 20 Jahren. Heute ist die Gesundheitswirtschaft neben der Ernährungsbranche eine der beiden größten Wirtschaftsbranchen in MV. Ihr Anteil an der Gesamtbruttowertschöpfung hier im Land ist auf jetzt 13,6 Prozent gestiegen.


Die Landesregierung hat den Anspruch formuliert, Mecklenburg-Vorpommern zum Gesundheitsland Nummer 1 zu machen. Wo sehen Sie das Land zurzeit?
Ich sehe uns auf einem guten Weg, aber noch nicht am Ziel.


Warum noch nicht?
Die strukturellen Voraussetzungen hier sind so gut wie in keinem anderen Bundesland. Wir haben einen von der Regierung und der Opposition gemeinsam getragenen Masterplan Gesundheitswirtschaft bis zum Jahre 2020, der insgesamt Investitionen von 450 Millionen Euro in die Gesundheitswirtschaft beinhaltet. Bereits in diesem Jahr werden durch die Landesregierung in Leitprojekte rund 60 Millionen Euro investiert. Und wir haben das Kuratorium Gesundheitswirtschaft, in dem sich alle Entscheidungsträger unseres Landes aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammengeschlossen haben.
Angesichts dieser guten Voraussetzungen habe ich keine Zweifel, dass wir das Ziel, Gesundheitsland Nummer 1 zu werden, erreichen werden. Das heißt allerdings leider nicht, dass wir sehr bald auch die gesündeste Bevölkerung haben werden. Aber wir wollen beispielhafte Lösungen schaffen für den Rest der Bundesrepublik und darüber hinaus für Europa, die natürlich auch einen Rückfluss haben müssen auf den Gesundheitszustand der Menschen hier im eigenen Land. Auch aufgrund der Spezifität der demografischen Entwicklung bei uns im Land sind wir besonders geeignet dafür, solche Lösungen zu entwickeln.


In diesem Jahr ist Russland Partnerland der Branchenkonferenz – ein Problem angesichts der aktuellen politischen Lage?
Unser Ziel ist es, parallel zur Nationalen Branchenkonferenz eine international zu verstetigende Ostseekonferenz zu etablieren. Von der Europäischen Union haben wir den Auftrag bekommen, für die EU-Modellregion Baltic Sea das Flagschiff „Baltic Sea Health Region“ – Gesundheitsregion Ostseeraum – zu entwickeln. Entsprechend diesem Auftrag haben wir jährlich ein Land als Partner eingeladen. Die russische Förderation war bisher nicht vertreten, sie ist aber einer der größten Handelspartner für Mecklenburg-Vorpommern. Die Einladung war also nur folgerichtig.
In der derzeitigen Situation sehen wir es als wesentlich an, die Arbeitskontakte nach Russland ungestört fortzusetzen. Natürlich hoffen wir wie alle anderen auch, dass die politische Vernunft die Oberhand behält. Durch das Fortsetzen des Dialoges hoffen wir, ein bisschen zur Befriedung der Lage beitragen zu können.






 

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