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Heute ist Halloween : Auf Gespensterjagd im Schloss

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zu Halloween auf der Suche nach Petermännchen

von
erstellt am 31.Okt.2015 | 08:00 Uhr

Nein, ich glaube nicht an Geister. Auch nicht an Untote, Hexen, Mumien oder andere paranormale Phänomene. Und schon gar nicht glaube ich an das Petermännchen. Ähnlich wie der Weihnachtsmann ist der Schlossgeist für mich ein Märchen. Kurz vor Halloween will ich es aber doch wissen: Was ist dran an den Sagen um den Schlossgeist?

Imposant ragt das Schloss im Licht der Scheinwerfer vor mir auf. Im Innenhof wartet ein großer Mann. „Hallo, ich bin Werner Rudolph“, begrüßt er mich freundlich und schüttelt meine Hand. Wahrscheinlich kennt niemand das Schloss so gut wie er. Denn Rudolph arbeitet am längsten in den alten Gemäuern. Der Referatsleiter für Technik, so heißt seine Funktion richtig, kennt jeden Stein, jeden Raum und er weiß auch, wo die rund 1200 Türen hinführen. „Bevor die ganzen Umbauarbeiten losgingen, konnte ich noch blind durchs Schloss gehen. Doch jetzt würde ich wohl mit einigen blauen Flecken ’rauskommen“, sagt er. Kennt dieser Mann auch das Petermännchen? „Nein, ich habe den Geist noch nie gesehen. Das ist nur eine nette Geschichte“, sagt er. Dennoch will er sich heute mit mir auf die Suche nach dem Schlossgeist begeben. Irgendwas muss doch dran sein an dem sagenumwobenen Helden.

Jeder kennt das Bild des Petermännchens. Eine gedrungene Gestalt, mit Federhut, spitzem Bart, großem Kragen und Stiefeln. Er gilt als der Hüter des Schweriner Schlosses. Es heißt, es soll die Guten belohnt und die Bösen bestraft haben. 1930 wurde es zuletzt offiziell gesehen. Damals will ein Polizist beobachtet haben, wie es über die Mauer kletterte. 1913 soll es gar vor dem großen Feuer gewarnt haben. Doch niemand habe ihm damals geglaubt, heißt es.

Wo beginnt man die Suche nach dem Petermännchen? „Als erstes gehen wir in den Keller“, sagt Rudolph. Dort, so steht es in den Sagen, wäre der Schlossgeist zu Hause. Auf dem Weg nach unten müssen wir vorbei an Baugerüsten, Schubkarren. Enge modrige Flure führen uns immer weiter unter das Schloss. Es gibt keinen Bereich, der nicht unterkellert ist. Es wird immer dunkler. Eine kleine Taschenlampe leuchtet uns den Weg. Wir biegen um eine Ecke und stehen in einem länglichen Raum. „Wir befinden uns jetzt unter der Schlosskirche. Hier leben Tausende Fledermäuse“, erklärt Rudolph. Irgendwo tropft es. Ein Befeuchtungssystem sorgt dafür, dass sich die kleinen Vampire wohl fühlen. Doch zu Gesicht bekommen wir sie nicht. Auch nicht das Petermännchen.

Weiter geht’s. Wir eilen durch schmale Gänge. Staub von den Wänden bleibt an unseren Jacken hängen. „Haben Sie hier noch nie etwas Gruseliges bemerkt?“, frage ich. Rudolph bleibt abrupt stehen. „Früher gab es hier sehr viele Katzen“, erzählt er. „Die hielten das Ungeziefer fern und wurden vom Landtag gefüttert. Als ich einmal meinen Kontrollgang machte, schoss eine Katze plötzlich aus ihrem Versteck. Da standen mir schon die Haare zu Berge.“ Und sonst? Türen, die von alleine aufgehen, Sachen, die verschwinden, Geräusche? „Türen gingen hier wirklich früher von alleine auf. Das lag aber an der Beheizung.“

Wir erreichen den Kerker. An den Backsteinwänden hängen noch heute Ringe, an denen die Gefangenen früher festgekettet gewesen sein sollen. Mir läuft ein Schauer über den Rücken. Doch auch hier ist alles friedlich. „Als nächstes gehen wir zu dem Petermännchengang“, sagt Rudolph. Legenden sagen, dass es einen Tunnel gibt, der das Schloss mit Pinneberg verbindet. Nur das Petermännchen weiß, wo der Eingang ist.

Tatsächlich führt mich Rudolph zu einem kleinen Tunnel. Er ist so niedrig, dass sich ein Mensch nur kriechend darin vorwärts bewegen könnte. Ich knie mich auf den feuchten Boden und leuchte in die Tiefe, doch das Ende kann ich nicht ausmachen. „Diese Gänge führen in den Schweriner See“, erklärt Rudolph. Einen Moment bleibe ich sitzen und lausche. Ein leises Brummen kommt aus dem Tunnel. Rascheln. Bilde ich mir das nur ein? Ich sage nichts. Dann geht es mit Rudolph zurück ans Tageslicht. Er will mir noch das Dach zeigen – einen seiner Lieblingsorte im Schloss.

Anfang der 1980er Jahre hat er im Schloss mit seiner Arbeit begonnen. Ende diesen Jahres will er seinen Ruhestand antreten. „Es war eine schöne Zeit. Ich bin sehr gerne zur Arbeit gegangen“, erzählt er – am, wie er selbst meint, schönsten Arbeitsplatz. Einmal sei er sogar mit dem Segelboot bis ans Schloss gesegelt. Und dann sagt er etwas, was mich doch erstaunt: „Vielleicht gibt es ja das Petermännchen doch. In den vergangenen 30 Jahren ist nie etwas Schlimmeres passiert. Wer weiß, vielleicht hatte das Petermännchen doch eine schützende Hand über dem Schloss.

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