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Jobsuchende werden mit ungewöhnlichen Angeboten umworben : Auf einen Kaffee ins Arbeitsamt

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Jeden Dienstag verwandeln die Mitarbeiter die Eingangshalle des Berufsinformationszentrums in eine Café-Lounge mit Jobangeboten an den Wänden. Mit freundlichen Vermittlern mit Laptops an Bistrotischen.

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erstellt am 10.Jul.2013 | 10:06 Uhr

Schwerin | "Kaffee?" - "Ja, gerne." - "Mit Milch und Zucker?" Gerade noch hat die Frau mittleren Alters in einem schwarzen Clubsessel gewartet, jetzt steht sie am Bistrotisch und lässt sich von Andrea Winkler einschenken. Winkler gibt eine gute Kellnerin ab, aber sie ist keine. Sie ist Mitarbeiterin der Schweriner Arbeitsagentur. Jeden Dienstag verwandeln sie und ihre Kollegen die Eingangshalle des Berufsinformationszentrums in eine Café-Lounge mit Jobangeboten an den Wänden und freundlichen Vermittlern mit Laptops an Bistrotischen.

Seit das Stellencafé im März startete, seien bereits einige Dutzend Vermittlungen gelungen, sagt Winkler. Die Auswahl an Stellen ist groß, die Jobangebote reichen von der Floristin über Trockenbauer, Dachdecker, Architekten, Reinigungskräfte bis zu Altenpflegern. Es gebe immer weniger Arbeitsuchende und sie passten oft nicht ohne weiteres auf die angebotenen Stellen, sagt Winkler.

"Das Stellencafé gibt uns die Chance, mit den Leuten in entspannter Atmosphäre ins Gespräch zu kommen, herauszufinden, was sie möchten und was ihnen liegt." Das Café sei ein zusätzliches Angebot der Arbeitsagentur. "Hier kommt nur her, wer Arbeit will."

Uta Dutz und Jana Falk grübeln in der Neubrandenburger Arbeitsagentur über neuen Ideen. Mit der "Job Night" landete die Agentur vor vier Jahren einen großen Erfolg: Seither wird am Donnerstag vor den Winterferien eine Großraumdisco in Neubrandenburg angemietet. In zwei Sälen präsentieren sich Ausbildungsbetriebe, im dritten legt der DJ auf. Rund 400 Jugendliche kamen dieses Jahr, berichten Dutz und Falk. Jetzt denken sie über ein "Draußen-Event" mit Schülerbands nach. Das Konzept soll weiterentwickelt werden.

Auch Arbeitgeber werden umworben. Mehrmals im Jahr organisieren die Arbeitsagenturen "Business Talks", mal mit Vortrag, mal mit Theateraufführung, mal an einem besonderen Ort, etwa auf dem Segelschulschiff "Gorch Fock".

Aber - gehört das zum Kerngeschäft der Arbeitsagentur? Jüngst sah sich die Arbeitsverwaltung der Kritik ausgesetzt, sie würde sich vor allem um Jobsuchende kümmern, die Hilfe am wenigsten benötigen, und die schwerer Vermittelbaren hintenan stellen. Die Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, Margit Haupt-Koopmann, verteidigt die Projekte. "Wir müssen neue Ideen und Konzepte ausprobieren, wenn wir Jugendliche oder Arbeitgeber ansprechen wollen", sagt sie. Es werde angesichts der Vielzahl von Informationen und Angeboten immer anspruchsvoller, die Aufmerksamkeit der Kunden zu gewinnen.

Die Frau mittleren Alters im Schweriner Stellencafé hat ihre Tasse ausgetrunken und zieht mit einem Jobangebot von dannen. Sie war zum ersten Mal da, überrascht lobt sie die nette Atmosphäre. Dann rauscht eine ganze Fortbildungsklasse in die Lounge. Dozentin Regina Bohnsack hat schnell reagiert und den Besuch im Stellencafé in ihre Kurse eingebaut. "Ich will den Leuten die Möglichkeiten zeigen, die es gibt", sagt sie. Das Stellencafé sei eine tolle Idee.

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