Känguru entlaufen : Auf der Suche nach Wally

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Den ganzen Tag über sorgte das entlaufene Beuteltier für Gerüchte in der Region und heiße Diskussionen in den sozialen Medien

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31. Juli 2015, 08:00 Uhr

Wie jeden Morgen fährt Grit Stebner von Volzrade bei Lübtheen nach Picher zur Arbeit. Gestern staunte die Frau allerdings nicht schlecht. Als sie kurz nach sieben Uhr den Ortsausgang in Belsch erreicht, sitzt dort am linken Fahrbahnrand tatsächlich ein Känguru. Geistesgegenwärtig holt die überraschte Frau ihr Handy heraus und fotografiert den Ausreißer.

Den ganzen Tag über sorgt das Beuteltier für Gerüchte in der Region und heiße Diskussionen in den sozialen Medien. Niemand hat eine Vorstellung davon, woher es stammen könnte. Ein Zoo ist nicht in der Nähe, offizielle Züchter sind zunächst nicht bekannt.

Grit Stebner beschreibt das Tier als etwa 90 Zentimeter groß. Es ist klein und hat nichts als einen Beutel dabei. Könnte es eventuell ein Wallaby sein? Laut Marieka Zander, einer Freundin von Grit Stebner, ist es nicht das erste Mal, dass ein Känguru in der Gegend gesehen wurde. Freunde ihres Sohnes hätten so ein Tier schon in der Nähe von Groß Krams beobachtet. In der Tat verdichten sich bei unseren Recherchen am Nachmittag die Hinweise darauf, dass das Tier aus einem Privathaushalt in Groß Krams stammen könnte.

Unsere Redaktion erreicht schließlich den Halter: Der bestätigt nicht nur, dass das entlaufene Tier zu seiner privaten Hobbyzucht gehört, sondern dass er es auch schon seit Stunden suche. Entwischt ist ihm der zweieinhalb Jahre alte Känguru-Junge Wally bereits am Mittwochabend. Nach unbestätigten Berichten ist er in südliche Richtung unterwegs.

„Wally ist sehr schreckhaft, insofern ist es meine größte Sorge, dass er überfahren wird oder sich die Wölfe der Region an ihn heranmachen“, sorgt sich der Besitzer. Wer das Tier sehe, sollte am besten die Polizei rufen. Zu fangen sei das Tier, so seine Einschätzung, wohl nur von einem Spezialisten mit Betäubungsmöglichkeiten.

Auch die Polizei wird am Nachmittag offiziell in die Suche einbezogen. Später heißt es in der Polizeimeldung: „Aus einer privaten Känguruzucht südlich von Hagenow ist am Donnerstagmorgen ein 90 cm großes Känguru ausgebrochen und verschwunden. Um es dem Tierhalter schnell und unbeschadet zurückgeben zu können, bittet die Polizei um Hinweise...“

Sorgen, dass Wally verhungern könnte, macht sich der Halter jedoch nicht. „Die Tiere fressen in etwa das Gleiche wie Kaninchen. Und als pubertierender Känguru-Junge wird es auch genügend Ausdauer haben, um an Futter heranzukommen.“ Wally wird sich auf jeden Fall durchbeißen.

Seit etwa 15 Jahren leben Kängurus in Mecklenburg Vorpommern in freier Wildbahn. Bei einem Einbruch im Tierpark Burg Stargard nahe Neubrandenburg waren sie in die Freiheit gelangt - und haben sich seither vermehrt. Die Kängurus vom Klüschenberg in Burg Stargard waren schon öfter Helden in unseren Reportagen. Wer Wally sichtet, sollte die Polizei in Hagenow (03883/ 6310) verständigen. Sie wird den Halter benachrichtigen.

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