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Mecklenburg-Vorpommern : Auf der Suche nach Phosphor

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Phosphor zählt zu den wichtigsten Mineraldüngern. 82 Prozent der weltweit abgebauten Phosphate landen auf den Feldern und lassen Pflanzen besser wachsen. Doch die Vorräte sind begrenzt.

Gut acht Tonnen Weizen haben Deutschlands Bauern in diesem Jahr von jedem mit dem Getreide bestellten Hektar geerntet. Ein Rekordergebnis. Vor 150 Jahren lagen die Erträge gerade bei einem Zehntel davon, wie der Rostocker Agrarwissenschaftler und Bodenkundler Prof. Peter Leinweber sagt.

Nicht nur Erfolge der Getreidezüchter hätten diesen enormen Schub bewirkt. Eine entscheidende Rolle spiele der Einsatz mineralischer Dünger, erklärt Leinweber. Den Grundstein legte der deutsche Chemiker Justus von Liebig Mitte des 19. Jahrhunderts, als er die wachstumsfördernde Wirkung von Stickstoff, Phosphaten und Kalium nachwies.

Viel hilft viel. Das war danach im Zeitalter einer zunehmend industrialisierten Landwirtschaft meist die Devise – zum Leidwesen der Umwelt. Doch ein erwachendes ökologisches Bewusstsein, steigende Rohstoffpreise und die Endlichkeit der Lagerstätten haben ein Umdenken bewirkt. Vor allem, wenn es um Phosphor geht, laut Leinweber der zweitwichtigste Pflanzennährstoff nach Stickstoff. „Jahrzehntelang wurden große Mengen davon auf die Felder gestreut, nur ein Bruchteil konnte von den Pflanzen aufgenommen werden. Nun geht es darum, dieses vorhandene Potenzial nutzbar zu machen, Phosphate aus Gewässern und Sedimenten zurückzugewinnen und künftig möglichst mit einer minimalen Phosphordüngung auszukommen“, beschreibt Leinweber ein Forschungsziel des WissenschaftsCampus Phosphorforschung, der gestern nach einer Vertragsunterzeichnung mit dem Land offiziell seine Arbeit aufnahm. Er wird getragen von der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V., fünf Leibniz-Instituten im Nordosten und der Universität Rostock.

Auch Agrar- und Umweltminister Till Backhaus (SPD) macht bei der Vertragsunterzeichnung die Bedeutung von Phosphaten klar: „Ohne Phosphor kann die Landwirtschaft nicht funktionieren, denn Phosphor ist ein wichtiger Stoff, ohne den das Wachstum der Pflanzen nicht  möglich wäre.“ Rund 82 Prozent der weltweit abgebauten Phosphate würden als Düngemittel eingesetzt, die Nachfrage steige, während die Ressourcen schrumpften. Er erhoffe sich von der Wissenschaft, dass sie Wege aufzeige, Phosphor effizienter zu nutzen und zu recyceln. Dazu gehört die Rückgewinnung aus Gewässern oder Klärschlamm.

Doch auch ganz neue Wege seien denkbar, sagt Leinweber und verweist auf Forschungsergebnisse aus der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät in Rostock. So könnten Tierknochen, die bislang in der Zementherstellung eingesetzt und so quasi entsorgt würden, künftig als Phosphorlieferanten dienen. „Ein eleganter, alternativer Weg“, meint Leinweber.

Zudem werde an Verfahren geforscht, mit denen schon in den Meliorations-Kanälen am Feldrand und in Bächen Nährstoffe wie Phosphor ausgefiltert werden können, um sie zurück auf die Äcker zu bringen.

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