Serie: „Mein verein“ : Auf der Suche nach den eigenen Wurzeln

Back to the roots: Vereinsvorsitzender Hans-Dieter Wallschläger (l.) recherchiert in der alten Universitätsbibliothek in Greifswald zur pommerschen  Familiengeschichte.  Fotos: Franziska Sanyang
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Back to the roots: Vereinsvorsitzender Hans-Dieter Wallschläger (l.) recherchiert in der alten Universitätsbibliothek in Greifswald zur pommerschen Familiengeschichte. Fotos: Franziska Sanyang

Der gemeinnützige Verein „Pommerscher Greif“ widmet sich der pommerschen Familien- und Ortsgeschichte

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28. März 2014, 12:00 Uhr

Ausgerechnet ein Wasserschaden hat Andre Marten zu seiner Leidenschaft gebracht. Mit 14 Jahren erlebte er das Unglück im Haus seiner Familie in Uetersen in Schleswig-Holstein. „Wasser kam durch die Decke“, erinnert sich der heute 33-Jährige. Aber nicht nur das. Durch den Schaden tauchten auch einige alte Dokumente auf, die vorher vergessen auf dem Dachboden gelegen hatten. Herkunftspapiere seiner Großeltern kamen zum Vorschein. „Ich fand das damals unheimlich spannend“, erzählt Andre Marten.

Er sei sofort Feuer und Flamme gewesen. „Ich hab dann meine Großeltern zu ihrer Vergangenheit befragt“, berichtet der junge Mann weiter. Er bekam jedoch nicht die Antworten, die er sich wünschte. „Es war schwierig. Meine Großeltern erinnerten meine Nachfragen wohl an die Nazi-Zeit, als ein Verwandtschaftsnachweis noch über Leben und Tod entschieden hatte.“

Aufgeben wollte Andre Marten jedoch nicht. Zu sehr fesselte ihn die Geschichte seiner Vorfahren. Die stammen sowohl mütterlicher- als auch väterlicherseits aus der ehemaligen Provinz Pommern. Von dort zogen sie nach Schleswig-Holstein. Während andere Jugendliche ihre Zeit auf dem Fußballplatz oder in der Disco verbrachten, zog es Marten in Archive. Anhand von alten pommerschen Kirchen - und Personenstandsbüchern, versuchte der junge Mann, die Geschichte seiner Ahnen zurückzuverfolgen.

Jedoch stellte er bald fest, dass das nicht ganz einfach war. Vertreibungen und Grenzänderungen im Zuge zweier Weltkriege hatten dazu geführt, dass sich Herkunftsgeschichten von pommerschen Familien heute nur noch schwer rekonstruieren lassen. Vor allem, weil die Region Pommern nach dem zweiten Weltkrieg geteilt wurde: Das westliche Gebiet, das sogenannte Vorpommern, gehört heute größtenteils zu Mecklenburg-Vorpommern. Währenddessen das östlich der Oder gelegene Hinterpommern heute ein Teil Polens ist.

Auch Prof. Dr. Hans-Dieter Wallschläger verspürte eines Tages den Wunsch, mehr über seine Wurzeln zu erfahren. „Meine Eltern haben damals wenig erzählt“, berichtet der gebürtige Güstrower. Er wusste nur, dass sie als Landarbeiter aus dem Kreis Cammin in Hinterpommern ins Mecklenburgische gekommen waren. „In der DDR war Familienforschung wenig gefragt“, erinnert sich Wallschläger zurück.

Später habe er durch einen Bekannten einen Namensvetter kennengelernt. „Dessen Verwandte stammten ebenfalls aus dem pommerschen Cammin“, erzählt Wallschläger. Das hätte seinen Ehrgeiz geweckt. Handelt es sich bei seinem Namensvetter etwa um einen Verwandten von ihm, fragte er sich. Wallschläger begann zu forschen, schlug in alten Dokumenten nach, reiste nach Polen. Am Ende steht fest: „Alle Menschen, die den Nachnamen Wallschläger tragen, haben die gleichen Wurzeln“, erzählt der Familienforscher stolz über sein Rechercheergebnis. Und, alle würden aus dem ehemaligen Kreis Cammin in Hinterpommern stammen.

„Eigentlich ist Familienforschung ja ein einsames Hobby“, stellt Hans-Dieter Wallschläger fest. Meist blätere man allein in alten Unterlagen – Kirchenbüchern, Standesamtsakten oder historischen Zeitungen – auf der Suche nach Hinweisen zu den eigenen Vorfahren. Das muss aber nicht so sein. Um Recherchen zu vereinfachen und Ergebnisse dokumentieren zu können, gründete Hans-Dieter Wallschläger mit einigen Mitstreitern im Jahr 2000 einen gemeinnützigen Verein. Der „Pommersche Greif“ e. V. beschäftigt sich mit pommerscher Familien- und Ortsgeschichte. „Wir haben uns in Greifswald als unser kulturelles Zentrum zusammengefunden“, berichtet Wallschläger, der heute dem Verein vorsitzt.

Dass es viele Menschen gibt, die sich mit ihrer Herkunft beschäftigen, zeigen die stetig steigenden Mitgliederzahlen des „Pommerschen Greif“. „Wir haben heute bis zu 500 Mitglieder, die alle etwas über ihre pommerschen Wurzeln erfahren wollen“, so der Vorsitzende. Dabei kommen die Hobby-Genealogen nicht nur aus Norddeutschland, sondern sind im ganzen Bundesgebiet verstreut. Ein Vereinsmitglied komme sogar aus Dänemark, ein anderes aus der Schweiz, berichtet Wallschläger stolz. Der Grund dafür sei ganz einfach: Nach dem zweiten Weltkrieg habe es insbesondere die Deutschen aus Hinterpommern westwärts getrieben. Sie hätten sich dann in ganz Deutschland angesiedelt. „Einige sind aber auch in Mecklenburg geblieben“, erzählt Wallschläger.

Ziel des Vereins ist es, persönliche Schicksale zu rekonstruieren. Aber nicht nur. Es gehe auch darum, die pommerschen Familien- und Ortsgeschichten in ihrer Gesamtheit zu erfassen. Und sie für die Nachwelt zu erhalten. „Dabei sind das Internet und vor allem auch die sozialen Netzwerke hilfreich“, berichtet Wallschläger. So veröffentlicht der Verein auf seiner Webseite (www.pommersche-greif.de) regelmäßig neue Rechercheergebnisse. Und auch auf Facebook, Twitter und Google Plus ist der „Pommersche Greif“ jeweils mit einer Seite vertreten. „Seitdem es das Internet gibt, ist die Recherche viel einfacher geworden“, sagt der Vereinsvorsitzende. Denn so würden ihre Resultate von vielen Menschen wahrgenommen. Und es würden auch weitere Hinweise kommen.

Einmal jährlich lädt der Verein aber auch zu einer dreitägigen Tagung ein. „Wir haben uns in diesem Jahr in Greifswald getroffen“, erzählt Wallschläger. Hier bekamen Mitglieder und Interessenten Tipps, wie sie bei ihrer Foschung vorgehen können. Es ging aber auch darum, Rechercheergebnisse miteinander zu vergleichen und zu dokumentieren. Denn nur durch den gemeinsamen Austausch könne man Stückchen für Stückchen die pommersche Geschichte rekonstruieren.

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