Ausgrabungen am Kap Arkona : Auf der Spur der alten Slawen

Grabungsleiter Fred Ruchhöft  mit einer Pfeilspitze
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Grabungsleiter Fred Ruchhöft mit einer Pfeilspitze

Archäologen graben wieder am Kap Arkona nach den Resten von Tempelanlage. Hinweise auf eine kultische Nutzung verdichten sich

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21. Juni 2016, 12:00 Uhr

Die Überreste der mythenumwobenen slawischen Tempelanlage am Kap Arkona stehen wieder im Fokus der Archäologie. Gestern begann das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege mit einer neuen Grabungskampagne an der Nordspitze der Insel Rügen. Bis Herbst wird das Grabungsteam nach jetzigen Planungen ein rund 500 Quadratmeter großes Areal untersuchen und mögliche Funde bergen und dokumentieren. Mit der Grabung wollen die Wissenschaftler dem fortschreitenden Küstenabbruch zuvorkommen, sagte Projektleiter Fred Ruchhöft.

Von der gesamten Anlage am Kliff des Kaps ist nur noch rund ein Drittel erhalten. Weil sich die Ostsee pro Jahr rund einen halben Meter von der Steilküste holt, führt das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege seit 2012 systematische Notgrabungen durch. Die Tempelburg an der Nordspitze der Insel Rügen gilt als das zentrale Heiligtum der westlichen Slawen. Sie war im Jahr 1168 endgültig von den dänischen Christen erobert und zerstört worden.

Grabungshelfer  auf der Tempelburg am Kap Arkona  rechts: Svantevit-Skulptur
Foto: Sauer
Grabungshelfer auf der Tempelburg am Kap Arkona rechts: Svantevit-Skulptur
 

Im Gegensatz zum Vorjahr erwarten die Archäologen in diesem Jahr keine spektakulären Funde. „Wir arbeiten im Randbereich der Anlage, wo eigentlich keine außergewöhnlichen Entdeckungen zu erwarten sind“, sagte Ruchhöft. Der aktuelle Grabungsbereich, der bis Oktober untersucht werden soll, befinde sich nahe des Walls.

Im vergangenen Jahr waren die Forscher überraschenderweise auf Überreste einer rund acht mal zwölf Meter großen Halle gestoßen, die offenbar kultischen Handlungen diente. Konkret entdeckte das Grabungsteam Pfostengruben unmittelbar an der Kliffkante, die zusammen eine leicht schiffsförmige Form ergeben. Die Annahme, dass dieses Gebäude Ort kultischer Handlungen war, hat sich nach Angaben des Grabungsexperten Ruchhöft inzwischen weiter verdichtet. So sei genau in der Mitte der Halle eine weitere Grube entdeckt worden.

Möglich, dass dort eine Statue gestanden habe, wie Ruchhöft sagte .„Wir sind von der Deutung als Tempel nicht so weit weg.“ Diese Halle stammt vermutlich aus dem 11. Jahrhundert und ist damit älter als der eigentliche Tempel des slawischen Gottes Swantevit. Zu dieser Zeit existierten in Skandinavien Adelshöfe mit ähnlichen Zeremonienhallen. Entdeckt wurden auch Reste eines Kettenhemdes sowie 6,2 Kilogramm schwere Überreste eines Ankers, der den Wikingern zuzuordnen ist. „Das ist das schwerste Stück Eisen in einer slawischen Siedlung im gesamten slawischen Verbreitungsgebiet, sagte Ruchhöft.

Svantevit-Skulptur  an dem Areal
Foto: Sauer
Svantevit-Skulptur an dem Areal
 

Die Forscher schließen aus, dass es sich bei der Halle um den eigentlichen Tempel des slawischen Gottes Swantevit und damit den zentralen Teil der Anlage handelt. Die Überreste dieses vom dänischen Geschichtsschreiber Saxo Grammaticus (um 1140 bis 1220) beschriebenen Tempels sind vermutlich schon vor mehr als einhundert Jahren durch die Küstenabbrüche unwiederbringlich ins Meer gestürzt. Weil der zentrale Teil der Anlage fehle, werde ein Teil der Geschichte offen bleiben müssen, sagte Ruchhöft.

Das Land stellt für die aktuelle, nunmehr fünfte Grabungskampagne 150 000 Euro bereit. Die Gemeinde Putgarten, zu der das Kap Arkona gehört, beteiligt sich mit 5000 Euro.

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