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Menschen aus MV arbeiten im Ausland : Auf der ganzen Welt zu Hause

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Deutschland ist nicht nur Einwanderer- sondern auch Auswandererland: Etwa 3,4 Millionen sind Expatriates, also Fachkräfte im Ausland - darunter auch Ilka Wunderlich aus Greifswald.

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erstellt am 13.Mär.2017 | 12:00 Uhr

Seit etwa viereinhalb Jahren lebt Ilka Wunderlich aus Greifswald in Norwegen. Die 40-Jährige hat dort eine feste Anstellung als Sprachtrainerin und könnte sich sogar vorstellen, für immer zu bleiben. Wie sie zieht es laut OECD etwa 140 000 Menschen jährlich ins Ausland. Noch mehr arbeiten zeitweise außerhalb der Heimat – 2016 waren es etwa 3,4 Millionen. Solche Fachkräfte, die vorübergehend in einem anderen Land leben und arbeiten, nennt man auch Expatriates.

Der typisch deutsche Export ist dabei im Durchschnitt 45 Jahre alt und spricht drei Sprachen. Die Reise – die in 19 Prozent der Fälle vom Arbeitgeber ausgeht – führt ihn am wahrscheinlichsten in die USA, die Schweiz oder nach Spanien. Männer und Frauen seien dabei gleichmäßig verteilt. Und mehr als jeder dritte deutsche Expatriate – kurz Expat – plane sogar, für immer im Ausland zu bleiben, wie eine groß angelegte Studie des Portals InterNations herausfand. So, wie bei Ilka Wunderlich. Zwar steht es noch nicht ganz fest, aber sie sagt: „Ich fühle mich hier angekommen und kann mir gerade nicht vorstellen, zu gehen.“ Die gebürtige Greifswalderin lebt bereits seit über 12 Jahren im Ausland, arbeitete bereits in Frankreich, China, Polen, Italien und Südkorea. „Schon während des Studiums war ich öfter im Ausland“, sagt sie. Doch wie fühlt es sich an, ein fremdes Land nicht nur im Urlaub zu bereisen, sondern dort auch zu arbeiten?

„Es ist natürlich anders, aber das Urlaubsgefühl bleibt trotz der Arbeit erhalten“, erklärt die 40-Jährige. Zudem habe man so die Möglichkeit, tiefer in die Kultur und den jeweiligen Alltag einzutauchen. „Inzwischen habe ich das Gefühl, ich treffe hier in Bergen die ganze Welt“, sagt sie. Vielleicht, weil sie als Sprachtrainerin Norwegisch für Ausländer an der Universität unterrichtet. Dabei helfe ihr auch die interkulturelle Kompetenz, die sie sich auf ihren Reisen angeeignet habe.

Hintergrund: Sieger der Studie 2016

  • Lebensqualität
    Taiwan, Österreich, Japan
  • Einfache Eingliederung
    Mexico, Costa Rica, Uganda
  • Job Zufriedenheit
    Luxemburg, Taiwan,Deutschland
  • Familienfreundlichkeit
    Finnland, Tschechien, Israel
  • Auskommen mit dem Einkommen
    Taiwan, Ukraine, Ecuador
  • Beste Orte für Frauen
    Taiwan, Ecuador, Malta
  • Beste Orte für Männer
    Taiwan, Zypern, Neuseeland
  • Die komplette Studie finden Sie unter www.internations.org/expat-insider

Besonders in Erinnerung geblieben sind ihr die Erlebnisse in Asien. „Das Leben dort ist so anders. Und die Menschen dann doch wieder recht ähnlich.“ Natürlich kam es dabei hier und da auch zu kuriosen Zwischenfällen. So wurde die 40-Jährige vor allem in China oft von Fremden angesprochen, die sie „wiedererkannt“ hätten. „Und dabei sagen wir Deutsche immer, die Asiaten würden alle gleich aussehen. Ihnen geht es wohl ähnlich“, sagt Wunderlich und lacht. Trotz ihrer tollen Erfahrungen im asiatischen Raum war es am Ende aber Norwegen, das sie in seinen Bann gezogen hat. „Hier fühle ich mich heimisch“, sagt sie. Außerhalb von Europa war es der Mecklenburgerin am Ende doch zu exotisch. Zudem würde es sehr lange dauern, sich dort komplett zu integrieren. „Wenn das überhaupt geht, denn optisch würde ich dort immer herausstechen“, sagt Wunderlich.

Statistik:
Die typische  Fachkraft aus dem Ausland in Deutschland ist: 38,7 Jahre alt, eher weiblich (57%) und in einer Beziehung (58%). Das Gros der ausländischen Facharbeiter in Deutschland stammt aus den USA (14%), Großbritannien (9%) und Italien (6%). 22% von ihnen sind in der IT- bzw. Softwarebranche tätig und 44% sind entweder Angestellte oder Manager. Gründe für die Auswanderung: persönliche Herausforderung, die Liebe und das Studium. Besonders positiv angesehen werden der deutsche Lebensstandard, die gute Infrastruktur und die stabile Wirtschaft.

 

Nach einigen Urlauben in Skandinavien war das Land auch das erste, in das die Greifswalderin tatsächlich gezogen ist – mit Sack und Pack. „Auf die anderen Reisen habe ich immer nur einen oder zwei Koffer mitgenommen. Die reichten für ein Jahr“, erinnert sie sich. In Bergen hat Ilka Wunderlich ihren Traumjob gefunden – und denkt nicht, dass sie in Deutschland etwas Vergleichbares finden könnte. Dabei helfe auch das entspannte Arbeitsklima. „Man lernt hier auf jeden Fall, entspannter an Dinge ranzugehen. Hier lebt man nicht für die Arbeit, sondern hat neben dem Beruf viel Zeit zum Leben.“ Für die Mecklenburgerin heißt das, sie regt sich nicht mehr auf, wenn der Bus mal nicht pünktlich kommt und ist nicht so streng mit sich und anderen, wie sie es aus der Heimat gewohnt ist.

Allerdings mangele es im entspannten Auslandsalltag manchmal an Ernsthaftigkeit, klagt sie. „Besonders in Sachen Umwelt vermisse ich hier die Auseinandersetzung. Bei aller Lebensfreude sollte man solche Themen nicht vernachlässigen“, so Wunderlich.

Natürlich fehle ihr auch die Familie manchmal, aber sie sei regelmäßig in Deutschland. „Ostsee im Sommer muss einfach sein!“ Zudem ist die 40-Jährige alleinstehend und hat keine familiären Verpflichtungen. Vermissen würde sie im europäischen Ausland eigentlich auch nichts. „Außer vielleicht der Klassiker, den viele Auswanderer nennen, das Brot. Aber das backe ich inzwischen selbst.“

 
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