Landesgeschichtstag 2012 : Auf den Spuren der Vergangenheit

Mit Pferdestall-Modell:  Jan Krogmann, Alexander Hameister, Lehrer Jörg Wurlich und Michel Wachhals .  Frost
Mit Pferdestall-Modell: Jan Krogmann, Alexander Hameister, Lehrer Jörg Wurlich und Michel Wachhals . Frost

Kittelschürze und Wertmarkenheft: Schüler der Produktionsschule tauchen zum Landesgeschichtstag tief in die Historie ein. So erkundeten sie die lange Geschichte des ehemaligen Pferdestalls auf dem Gutshof in Greven.

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08. November 2012, 11:43 Uhr

Schwerin | Mit Schablonen haben Michel Wachhals, Alexander Hameister, Jan Krogmann und ihre Klassenkameraden aus Ton 3500 kleine Backsteine und 5500 Dachziegel ausgestochen und gebrannt. Nach endlosen Arbeitsstunden hatten die Schüler der Produktionsschule Westmecklenburg jenen Backsteinbau nachgebaut, in dem die Keramikwerkstatt ihrer Schule untergebracht ist. Zusammen mit ihrem Lehrer Jörg Wurlich erkundeten sie die lange Geschichte des ehemaligen Pferdestalls auf dem Gutshof in Greven, wo bereits vor 700 Jahren gewirtschaftet wurde. "Mich hat beeindruckt, wie viele verschiedene Besitzer das Gut über die Jahrhunderte hatte", sagt Alexander.

Gestern war der Backstein-Modellbau der Grevener Jungs beim Jugendgeschichtstag 2012 der Blickfang im Landtagsplenarsaal des Schweriner Schlosses - einer "historischen" Veranstaltungsreihe, zu der der Landesjugendring seit 2003 einlädt, um Jugendliche zu ermuntern, sich mit Geschichte auseinanderzusetzen. Auch die Jugendlichen des Freizeittreffs im Mehrgenerationenhaus in Lübz haben die Geschichte ihres Gebäudes erforscht - und währenddessen, so berichtete die zwölfjährige Lena Leuchtenberg, mehr als zehn Zeitzeugen zu einem "Wiedersehenstreffen" animiert.

Am Stand des Jugendtreffs der Arbeiterwohlfahrt in Ferdinandshof standen unterdessen eine alte weißblaue Packung mit Ata-Scheuermittel und eine alte Waage. Daneben lagen eine Messschaufel aus Messing, zwei hölzerne Bügel und ein angegilbtes Foto von vier Schuhverkäuferinnen in Kittelschürzen. Die Kinder des Jugendtreffs hatten den Wandel des Handels in ihrer kleinen Stadt erkundet und die Geschichte der Kolonialwarenhandlung Kleiber, des Kaufhaus Dorn und der Bäckerei Rupp aufgeschrieben. Viele der Geschäfte waren vor über 100 Jahren gegründet und zu DDR-Zeiten dem Konsum einverleibt worden. Saskia Oelsner war begeistert von einem alten Wertmarkenheft des Konsums. Ihren Opa hat sie gefragt, wie mit solch einem Heft früher verfahren wurde. Ihre Mutter habe sie gar nicht erst befragt, so die Elfjährige, die sei noch viel zu jung.

Landtagsvizepräsidentin Silke Gajek (Grüne) und Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) beglückwünschten die Teams zu ihren Forschungsergebnissen und zu ihrem Engagement. Gajek wünschte sich allerdings, dass beim nächsten Jugendgeschichtstag auch die Zeitspanne von 1989 vertreten sein möge. Schließlich seien seitdem ja auch wieder 23 Jahre zu Geschichte geworden.

Während die Jungen der Produktionsschule Greven das augenfälligste Ausstellungsstück präsentierten, lieferten die Kinder des Jugendgartens "Alte Schmiede" in Toitenwinkel den lebhaftesten Beitrag zum Jugendgeschichtstag ab. In einem vergnüglichen Theaterstück gingen sie der Frage nach, woher der Rostocker Stadtteil Toitenwinkel seinen Namen hat. Waren vier schöne Mädchen schuld, die nach dem Fund eines Glückskleeblattes gerade "toi, toi, toi" riefen, als der Graf vorbeikam, dem der Winkel nahe der alten Hansestadt gehörte - und eines der Mädchen heiratete? Oder entstand der Name, nachdem hier zwei Kutschen kollidierten, weil der eine Kutscher das andere Gefährt im "toten Winkel" nicht hatte sehen können? Zu entscheiden was Sage, was Märchen und was Wahrheit sein könnte, überließen die Kids ihren Zuschauern. Die zwölfjährige Pia Rockmann will im nächsten Jahr jedenfalls wieder beim Jugendgeschichtstag dabei sein, wie sie sagt. Jetzt fehlt nur noch das Thema für das neue Theaterstück.

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