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Freund im Streit um Kasten Bier getötet : Auf den Kumpel eingestochen

vom
Aus der Onlineredaktion

35-Jähriger tötete Freund, weil er sich ausgelacht fühlte. Tat ging Streit um einen Kasten Bier voraus

von
erstellt am 23.Mär.2017 | 20:55 Uhr

An vier Stiche konnte sich der Angeklagte erinnern. Dreimal habe er mit dem Jagdmesser mit der beidseitig geschliffenen Klinge seinem Kumpel in die Brust gestochen und einmal in den Hals, sagte der 35-jährige gestern vor der Schwurgerichtskammer des Schweriner Landgerichts. Als die Leiche des Opfers Tage später gefunden wurde, wies sie allerdings zwölf Wunden auf. Der Angeklagte konnte sich das nicht erklären: „Ich bin erst danach zu mir gekommen, als ich gesehen habe, was ich getan habe.“ Der Grund für seine Tat, scheint banal: Er fühlte sich ausgelacht.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, an einem Abend Ende September 2016 in einem Dorf im Nordwesten Mecklenburgs seinen Freund und Trinkkumpan in dessen Wohnung getötet zu haben. Danach klaubte er Bargeld, die Kreditkarte des zehn Jahre älteren Opfers und ein paar Lebensmittel zusammen und orderte ein Taxi. Das fuhr ihn nach Lübeck. Eine Woche später stellte er sich der Polizei, weil Bekannte ihm dazu geraten hatten. „Ich habe ein paar Jahre Haft verdient; das weiß ich“, sagte er gestern vor Gericht.

Der Fall spielt in einem als sozial schwierig geltenden Milieu. Der Fund der Leiche wurde von der Polizei öffentlich nicht mitgeteilt. Ein zu groß geratenes Lagerfeuer im selben Dorf war den Beamten einige Tage zuvor allerdings eine Meldung wert. Auch hat der Fall Züge einer Beziehungstat. Opfer und Täter wohnten seit geraumer Zeit zusammen. Beide lebten von Hartz IV und verbrachten ihre Tage häufig mit anderen in Rehna vor der Kaufhalle oder aber in jenem Dorf bei den Nachbarn, die ebenfalls gern Bier und Schnaps konsumierten. Sein Kumpel sei eigentlich ein „netter Typ gewesen, immer hilfsbereit“. Je weiter er jedoch die soziale Leiter, bedingt durch Probleme in der Familie und im Beruf, abwärts klettern musste, sei er immer schwieriger geworden, berichtete der Angeklagte. An jenem blutig endenden Septembertag hätten sie sich gestritten, um einen Kasten Bier, den der Kumpel allein mit nach unten zu den Nachbarn nehmen wollte. „Ich habe ihm gesagt, er solle sich nicht ausnehmen lassen. Denn gern gesehen war er dort nur, wenn er Geld hatte“ – oder Bier mitbrachte.

Der Kumpel ging offenbar zur Nachbarin – und holte auch die Polizei. Die Beamten erteilten dem Angeklagten einen Platzverweis, weil er beim Streit um das Bier den Freund geschlagen hatte. Er packte seine Sachen und ging, kam aber Stunden später zurück. „Ich wollte wissen, warum er die Polizei geholt und gelogen hatte. Denn ich hatte ihn nicht geschlagen.“ Der Kumpel habe nur gelacht. Der 35-jährige ergriff „spontan“, wie er sagt, das auf dem Tisch liegende Messer und stach offenbar zwölfmal zu.

Es gibt keine Zeugen der Tat. Das Gericht muss unter anderem anhand der Spuren klären, ob es dem Angeklagten glauben kann. Denn denkbar wäre zum Beispiel auch, dass er zurück zum Opfer kam, weil er kein Geld mehr hatte. Der Prozess wird kommende Woche fortgesetzt.

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