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Ganztagsschulen in MV : Auf dem Weg zu 120 Prozent

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Land weitet das Angebot an Ganztagsschulen aus. Seit 2010/11 sind rund 15 000 neue Plätze finanziert worden

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erstellt am 13.Feb.2016 | 07:30 Uhr

In Mecklenburg-Vorpommern besuchen immer mehr Kinder Ganztagsschulen bzw. volle Halbtagsgrundschulen. Gegenwärtig nutzen 68 759 Schülerinnen und Schüler derartige Angebote, so Bildungsminister Mathias Brodkorb gestern in Schwerin. Das seien 12 673 Mädchen und Jungen mehr als bei seinem Amtsantritt zu Beginn des Schuljahres 2010/2011.

An einer gebundenen Ganztagsschule sind Schülerinnen und Schüler verpflichtet, an mindestens drei Wochentagen für jeweils mindestens sieben Zeitstunden an schulischen Angeboten teilzunehmen. Von einer vollen Halbtagsgrundschule – dem, wie der Minister sagt, Pendant für kleine Leute – werden während fester Öffnungszeiten zusätzlich zum Pflichtunterricht weitere pädagogische Angebote in den Tagesablauf integriert. Das Gros dieser Angebote wird von regulären Lehrkräften erbracht. Finanziert wird aber auch der Einsatz etwa von Künstlern oder Vertretern von Vereinen und Verbänden. Bislang geben solche externen Kräfte ungefähr ein Drittel aller Nachmittagsstunden im Land, hat das Bildungsministerium ermittelt.

Aktuell lernen 42,8 Prozent aller Grundschüler im Land ganztägig. Bei den Älteren sind es sogar 70,2 Prozent der Schülerinnen und Schüler. Mit Beginn dieses Schuljahres sind fünf neue Ganztagsschul-Standorte dazugekommen. Zum kommenden Schuljahr 2016/17 wurden, wie der Minister jetzt bekannt gab, acht neue Halbtagsgrundschulen genehmigt. Aus 22 offenen Ganztagsschulen – in denen das den regulären Unterricht ergänzende Angebot von den Kindern freiwillig genutzt werden kann – werden ab Herbst teilweise (für bestimmte Jahrgänge) oder für alle Schüler gebundene, also verpflichtende Ganztagsschulen. Dadurch werden bis zu 2350 weitere Plätze für die Betreuung auch in den Nachmittagsstunden geschaffen. Weitere Anträge von Schulen sind möglich, so Brodkorb. Auch für das Schuljahr 2017/18 werde noch im Frühjahr das Antragsverfahren starten. „Unser Ziel sind 120 Prozent Ganztagsschulen“, so der Minister augenzwinkernd.

Aus Brodkorbs Sicht sprechen zwei Dinge für deren weiteren Ausbau: Zum einen ist die ganztägige anspruchsvolle Betreuung der Mädchen und Jungen ein wichtiger Beitrag zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Zum anderen bekämen die Schulen durch das zusätzliche Stundenkontingent die Möglichkeit, mehr für und mit den Kindern zu tun, so der Minister. Er will durch den Ausbau des Ganztagsschul-Angebotes Bildungsgerechtigkeit forcieren. „Nachhilfe und Hausaufgabenhilfe werden dort durch die öffentliche Hand finanziert“, betont Brodkorb.

Das Land wird im Schuljahr 2016/17 zusätzlich rund eine Million Euro für den weiteren Ausbau von Ganztagsschulen zur Verfügung stellen. Insgesamt erhöhen sich die Ausgaben in diesem Bereich dadurch auf 26 Millionen Euro pro Jahr. Eine Schule, an die 300 Kinder gehen, bekäme als Ganztagsschule finanzielle Mittel für knapp 60 zusätzliche Angebotsstunden, heißt es aus dem Ministerium.

Noch steht indess nicht fest,ob Kinder mit besonderem Förderbedarf vom Besuch einer Ganztagsschule tatsächlich mehr profitierten als vom Besuch einer Schule ohne Nachmittagsangebote. Das Bildungsministerium hat daher den Rostocker Bildungswissenschaftler Prof. Falk Radisch mit einer entsprechenden Untersuchung beauftragt.

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