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Mecklenburg-Vorpommern

20. September 2017 | 11:18 Uhr

Rostock : Auf dem Weg in ein neues Leben

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Fernando Runge bekommt eine Niere seiner Mutter / Am Dienstag soll die ersehnte Transplantation an der Uniklinik stattfinden

svz.de von
erstellt am 31.Mai.2014 | 10:00 Uhr

Spontan verreisen, mehr Zeit für die Freundin, Badminton spielen, wieder voll arbeiten – für Fernando Runge soll ein neues, für andere „normales“ Leben beginnen. Bereits mit einem Jahr bekam er eine Virusvergiftung. Seit anderthalb Jahren ist er wegen Nierenversagens in Dialyse-Behandlung. Nun soll tatsächlich am Dienstag die Nierentransplantation in der Rostocker Uniklinik stattfinden – dank Organspende seiner Mutter.

Warum macht sie das für mich? Diese Frage habe sich der 24-Jährige unter Tränen gestellt. „Als ich vor vierzehn Tagen erfuhr, dass mir die Niere meiner Mutter implantiert wird, habe ich vor Freude geweint“, sagt der Prignitzer. Er habe seine Mutter dann erst mal in den Arm genommen. Ohne diese Spende hätte er noch bis zu acht Jahre auf eine Niere warten müssen.

Der Weg bis zu diesem Lichtblick war steinig. Zunächst habe Vater Frank seine Niere spenden wollen, die jedoch nicht vollkommen gesund war. Als dann das Organ der Mutter getestet wurde, habe erst der Hepatitis-Wert nicht ganz der Norm entsprochen. Eine Ohr-OP von Fernando war auch noch dazwischengekommen. Doch nun ist der Weg in ein zweites Leben gebahnt – „zweite Chance“, so nennt es Fernando: Die mütterlichen Hepatitis-Werte liegen im Normalbereich, alle Voruntersuchungen und psychologischen Gespräche sind überstanden, Fernando hat Immunsuppressiva eingenommen, die sein Abwehrsystem herunterfahren, damit das neue Organ vom Körper nicht abgestoßen wird. Nur auf die Blutwerte wartet die Familie noch.

Fernando, der ob seiner Lage erstaunlich entspannt wirkt, fühlt sich „positiv aufgeregt“. Und vor allem ist er sehr dankbar – seiner Familie, seiner Freundin, den fürsorglichen Krankenschwestern, den kompetenten Ärzten, den besorgten Kollegen, seinem Chef, der ihn trotz Krankheit eingestellt hat.

„Ich habe sofort Ja gesagt, habe keine Angst und bin überglücklich, dass es klappt“, sagt Mutter Carmen Runge. Glauben könne auch sie das alles noch immer nicht richtig – „Wahnsinn“ sei diese medizinische Entwicklung. Nach dieser aktuellen eigenen Erfahrung will sich die 50-Jährige nun wie der Rest der Familie einen Organspendeausweis besorgen. Nach der OP wird Carmen Runge etwa eine Woche in der Klinik bleiben und künftig einmal im Jahr zur Kontrolluntersuchung müssen.

Wenn ihr Sohn nach voraussichtlich einem Monat das Krankenhaus verlassen wird, will er erst mal auf eine dreiwöchige, wohlverdiente Kur gehen. Fernando selbst vermag sich ein Leben ohne Dialyse noch kaum vorzustellen – „wie das sein wird, will ich erleben“, sagt der Bürokaufmann. Derzeit muss er jeden zweiten Tag für sechs Stunden zur Blutwäsche. Anschließend arbeitet er bis zu sechs Stunden in der Firma Schröder Transporte in Perleberg, wobei er beinahe alle zehn Minuten eine Pause braucht. Abends fällt er dann erledigt ins Bett.

Doch das wird ja bald anders: „Ich freue mich schon darauf, dass Fernando dann mehr Elan haben wird und wir auch mal spontan wegfahren können“, so Freundin Michelle Werner (22).

 

 

 

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