Schnellboote-Gucken in Warnemünde : Auf dem Wasser im Einsatz

Die Schnellboote des Marinestützpunkts Hohe Düne sollen 2016 ausgemustert werden.
Die Schnellboote des Marinestützpunkts Hohe Düne sollen 2016 ausgemustert werden.

Heute öffnet der Marinestützpunkt in Warnemünde seine Tore für Besucher. Anlass ist der 60. Geburtstag der Bundeswehr. Ein Vorabbesuch.

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13. Juni 2015, 07:00 Uhr

Ein Kino, eine Kegelbahn, ein Friseur, Arzt, Feuerwehr, Verpflegung... – Wer im Marinestützpunkt Hohe Düne in Warnemünde stationiert ist, braucht die Basis eigentlich gar nicht mehr zu verlassen. „Na ja. Es sei denn, Sie wollen an den Strand. Dann müssen Sie einmal über die Straße.“ Hans-Joachim Schulz muss grinsen. Der stellvertretende Stützpunktkommandeur hat das Hemd mit den kurzen Ärmeln angezogen. Er blickt hinüber zur Korvette, die ruhig im Hafen schaukelt. Das Wasser glitzert in der Mittagssonne. Doch hier geht es nicht um einen Strandspaziergang. „Wenn man bedenkt, was sich da im Osten um Putin zusammenbraut, ist es doch gut zu wissen, dass man diese Komponenten zur Verfügung hat“, meint Schulz.

Vier Marinestützpunkte gibt es in Deutschland. Sie sind verantwortlich für die Hafenanlagen in denen die Schiffe und Boote untergebracht sind, organisieren dort den täglichen Betrieb und halten Schlepper und Ölauffangstationen bereit. In Warnemünde sind das 1. Korvettengeschwader und das 7. Schnellbootgeschwader beheimatet.

Die fünf Korvetten, die letzte wurde 2013 in den Dienst gestellt, würden ein Novum in der Deutschen Marine darstellen, schildert Schulz. Durch computergestützte Automatisation könnten auch vergleichsweise kleinen Besatzung ein großes Schiff betreiben und das über langen Zeitraum ohne Unterbrechung.

Wer sich davon selbst einen Eindruck von den Booten verschaffen will, kann das heute beim Tag der offenen Tür machen. Dann öffnet der Stützpunkt Hohe Düne seine Tore und gewährt Einblicke in das Marineleben. Anlass ist der 60. Geburtstag der Bundeswehr und der damit erstmalig stattfindende „Tag der Bundeswehr“, an dem sich insgesamt 15 Standorte bundesweit beteiligen.

Derzeit ist der Hafen fast leer. „Die Korvette Erfurt ist gerade vor dem Libanon im Mittelmeer im Unifil-Einsatz“, erzählt Schulz. Dort überwache sie das Seegebiet der libanesischen Küste, um Waffenschmuggel zu verhindern. Am Bord seien etwa 60 Soldaten, die im Schichtsystem rund um die Uhr arbeiten. Das besondere an der Aktion: Das Schiff kehrt erst nach einem Jahr nach Warnemünde zurück. „Bei den Korvetten ist es normalerweise so, dass die Boote im Einsatz zusammen mit der Besatzung nach vier Monaten von einer anderen Korvette abgelöst wird. Die Erfurt bleibt jedoch auf ihrem Standpunkt und nur die Besatzung wird ausgetauscht“, erklärt Schulz. Drei verschiedene Mannschaften rotieren so über das Jahr verteilt auf der Erfurt. Mit dieser Art der Intensivnutzung wolle die Marine neue Wege gehen und Zeit und Geld sparen. Die Seeleute werden per Flugzeug auf das Boot gebracht.

Andere Schiffer der Marine helfen aktuell bei der Seenotrettung von Flüchtlingen im Mittelmeer. Bald sollen sie durch Korvetten aus Warnemünde abgelöst werden. Fregatten aus Schleswig-Holstein waren bis Ende Mai beim Anti-Piraterie-Einsatz am Horn von Afrika im Einsatz. Doch „es ist und bleibt ein Kampfschiff“, sagt Schulz. „Einmal im Dienst, ist es nicht nur da, um abzuwehren, sondern auch um andere Schiffe zu versenken.“

Die sechs Schnellboote des Typs „Gepard“ in Warnemünde haben ihren Dienst fast absolviert. 30 Jahre waren sie im Einsatz. „2016 sollen sie ausgemustert werden“, meint Schulz. Doch er weiß: „Die Situation im Mittelmeer hat Einfluss auf die ganze Marine. Es kann noch zu Änderungen kommen.“

Abgesehen von diesen letzten Relikten sei der Stützpunkt in einem guten Zustand. Nach der Wende fand eine umfangreiche Modernisierung statt. Vor allem die Unterbringung der Marinesoldaten hätte einen sehr guten Standard und wäre ein Aushängeschild für die Bundeswehr, meint Schulz. 1800 Menschen mit den unterschiedlichsten Funktionen sind insgesamt auf dem Marine-Stützpunkt angestellt. Darunter auch Zivilisten.

Wehrdienstleistende gebe es genug. Negativschlagzeilen, unter anderem von den Vergewaltigungsvorwürfen der Besatzung auf dem Segelschulschiff Gorch Fock, hätten für eine Talfahrt gesorgt. Doch inzwischen würden wieder mehr Anfragen kommen, meint Schulz: „Die Zahlen derjenigen, die sich freiwillig melden, stimmen uns optimistisch.“

Einblick in die Marine

Wer Interesse hat, einmal selbst die beheimateten Schnellboote und Korvetten zu besichtigen und Fragen zu stellen, sollte sich heute den Tag der offenen Tür im Marinestützpunkt Warnemünde nicht entgehen lassen. Die Besucher bekommen die Gelegenheit, an einer Hafenrundfahrt teilzunehmen.

Die Tauchergruppe des Marinestützpunktes wird Interessantes vom Grund des Hafenbeckens bergen. Und auch andere Bereiche der Bundeswehr haben einiges zu bieten. Wer Interesse hat, ein hochmodernes Raketenabwehrsystem wie die Patriot aus der Nähe zu betrachten hat dazu heute ebenfalls die Möglichkeit. Die Panzergrenadierbrigade 41  zeigt den Besuchern unter anderem einen Bergepanzer und einen Schützenpanzer.

Die Gäste  bekommen  auch einen Einblick in die Arbeit der Bundespolizei oder der Berufsfeuerwehr Rostock. Letztere ist mit einem Feuerlöschboot vor Ort und wird einige Einsatzmöglichkeiten vorführen.  Für Kinder wird es Spiele und eine Hüpfburg geben.

Wann: 13. Juni 10 Uhr bis 17 Uhr
Wo: Marinestützpunkt Warnemünde
Hohe Düne 30
Rostock-Warnemünde

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