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Countdown zur Fusion : Auf dem Kurs zur Nordkirche

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Die Amtszeitverlängerung für Abromeit bis 2018 wurde bestätigt. Auf einer Krisentagung stimmten zwei Drittel der Kirchenparlamentarier für den Verbleib Abromeits auch nach der Bildung der neuen Nordkirche.

svz.de von
erstellt am 06.Jan.2012 | 06:49 Uhr

Warnemünde | Stürmisch war es nur draußen, an der Hafeneinfahrt von Warnemünde. Auf der Tagung der Verfassunggebenden Synode der geplanten Nordkirche hingegen herrschte eitel Sonnenschein. Vieles deutete gestern darauf hin, dass die Fusion der Landeskirchen Mecklenburgs, Pommerns und Nordelbiens zur 2,3 Millionen Gemeindeglieder zählenden, von der Insel Usedom bis Helgoland reichenden Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland zu Pfingsten dieses Jahres heute endgültig und unumkehrbar beschlossen wird.

Denn zumindest nach außen scheinen alle größeren Konflikte bewältigt zu sein: Zuletzt sprach sich auch die unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu einer nächtlichen Sondertagung zusammengekommene Pommersche Synode mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit für eine Verlängerung der Amtszeit ihres Bischofs Hans-Jürgen Abromeit bis 2018 aus. 42 der 63 anwesenden Kirchenparlamentarier stimmten einem Antrag zu, dessen wichtigster Satz wohl lautet: "Die Synode steht hinter ihrem Bischof." Öffentlich freilich wurde da rüber nicht diskutiert - die Vizepräses der Nordkirchensynode, Elke König, berief sich gegenüber dieser Zeitung sogar ausdrücklich auf eine Pflicht zur Verschwiegenheit in Sachen Hans-Jürgen Abromeit.

Die heißen Konflikte der vergangenen Monate, etwa die Debatte um die Sonderrechte des Kirchenkreises Pommern, das kirchliche Arbeitsrecht und die Dienstorte und die Zahl der Spren gel bischöfe, waren hingegen kein Thema mehr in Rostock-Warnemünde. Umstritten waren nur noch Kleinigkeiten, so etwa die Rolle der Delegierten aus der im Süden Dänemarks gelegenen Nordschleswigschen Gemeinde, die Zahl der Jugenddelegierten in einer Kreissynode oder auch die Reihenfolge einzelner Teile der Präambel der Kirchenverfassung.

"Wir wollen mit Gottes Hilfe eine neue Kirche schaffen, ohne den Weg des Anschlusses von Ost nach West oder von West nach Ost", sagte der Vorsitzende der Gemeinsamen Kirchenleitung, Schleswigs Bischof Gerhard Ulrich. Doch nicht alle Synodale werden der Gründung der neuen Kirche zustimmen. So bat der mecklenburgische Synodale Stefan Mahlburg schon am Donnerstagabend um Verständnis für die Mitglieder des Kirchenparlamentes, die sich enthalten, mit "Nein" stimmen oder aber der Abstimmung ganz fernbleiben wollten. "Ich finde es bedauerlich, dass die Möglichkeit, einen langsameren Prozess, eine vertiefte Kooperation, nie ernsthaft verfolgt wurde", sagte Stefan Mahlburg. "Auch zunächst noch selbstständige Kirchen hätten Dienste und Werke bündeln können, Pfarrdienstrecht einander annähern können." Doch dass es Stefan Mahlburg und anderen Kritikern der Nordkirche heute noch gelingen könnte, die neue Landeskirche zu Fall zu bringen, erschien gestern doch reichlich unwahrscheinlich.

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