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Ranger in MV : Auf Abenteuer-Tour für die Natur

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

140 Ranger schützen in den Naturreservaten Pflanzen und Tiere - und sie passen auf die Besucher auf.

svz.de von
erstellt am 31.Jul.2017 | 11:55 Uhr

Die Safari beginnt vor der Schultür. Nach wenigen Minuten erreicht die Gruppe junger Abenteurer das vom Dauerregen der Nacht aufgeweichte Flussufer. Ein unachtsamer Schritt und man rutscht unweigerlich in das rasch dahin strömende Wasser. Rangerin Kerstin Titho (49) hat alle Hände voll zu tun, den Eifer ihrer mit Keschern, Ferngläsern und Lupen bewaffneten Expeditionsteilnehmer zu bremsen. „Verteilt euch am Ufer. Aber schön aufpassen, sonst muss ich hinterherspringen, um euch zu retten“, ruft die langjährige Mitarbeiterin des Unesco-Biosphärenreservats Schaalsee und Flusslandschaft Elbe den Kindern aus der Grundschule Gresse (Kreis Ludwigslust-Parchim) zu. Der Ferientag im Hort verspricht Abenteuer.

Rangerin Kerstin Titho erklärt Schülern am Fluss Boize die von ihnen gefangenen Tiere.
Rangerin Kerstin Titho erklärt Schülern am Fluss Boize die von ihnen gefangenen Tiere. Foto: Frank Pfaff

In kurzer Zeit haben die Kinder Wasserläufer, Schnecken, Stichlinge und allerlei Fliegenlarven herausgefischt und in zwei Eimern gesammelt. Dann beginnt Kerstin Titho mit den Erläuterungen und beantwortet die Fragen der Schüler. „Die Natur vor der eigenen Haustür ist so spannend. Man muss nur die Sinne der Kinder schärfen und ihnen ein Gefühl dafür vermitteln. Das kommt ihnen und der Natur zugute“, ist die Frau mit dem breitkrempigen Hut überzeugt.

Die Rangerin ist seit 1996 beim Biosphärenreservat angestellt und heute als geprüfte Natur- und Landschaftspflegerin eine von insgesamt 20 Rangern, die an der Elbe zwischen Dömitz und Boizenburg, an den kleineren Zuflüssen und in der ehemaligen Grenzregion rund um den Schaalsee ihren Dienst verrichten. Dabei kartieren sie Tier- und Pflanzenarten, unterstützen Forschungsprojekte, sind Ansprechpartner für die Bewohner, führen Touristen durch die Schutzgebiete, betreuen Schülergruppen, schreiten ein, wenn Naturschutzbestimmungen verletzt werden und sorgen für Sicherheit.

Weltweit wird alljährlich am 31. Juli auf die Arbeit der Ranger aufmerksam gemacht. Deren Alltag verläuft nicht in allen Regionen des Erdballs so ruhig wie am Ufer der Boize, wo die größte Gefahr wohl darin besteht, ins Wasser zu plumpsen oder von einer Mücke gestochen zu werden. In den Savannen Afrikas und den Regenwäldern Südostasiens lauern weit mächtigere Tiere, die größte Gefahr aber geht von den Wilderern dort aus. Nach Angaben der Naturschutzorganisation WWF kamen in den vergangen zehn Jahren mehr als 1000 Ranger bei der Ausübung ihrer Tätigkeit ums Leben.

Kinder versuchen Tiere aus der Boize zu fischen.
Kinder versuchen Tiere aus der Boize zu fischen. Foto: Frank Pfaff
 

Den Welt-Rangertag nimmt auch der Müritz-Nationalpark zum Anlass, um Besucher über die Arbeit der Männer und Frauen im Dienste der Natur zu informieren. Umweltminister Till Backhaus (SPD) weiß um die Bedeutung der rund 140 Ranger, die als Landesangestellte in den drei National- und sieben Naturparks sowie den drei Biosphärenreservaten beschäftigt sind.„Ihre Arbeit ist von unschätzbarem Wert für den Erhalt und die Weiterentwicklung unserer nationalen Naturlandschaften“, sagt er.

Gut 6,3 Millionen Euro stellt das Land jährlich an Personal- und Sachkosten für die Ranger bereit. Doch Einstiegsgehälter von 2300 Euro im Monat erleichtern die Nachwuchsgewinnung nicht gerade. Und so klingt unter Hinweis auf die Entlohnung der Kollegen etwa in Bayern gelegentlich auch Kritik an der Bezahlung in Mecklenburg-Vorpommern durch. In das Klagelied will Kerstin Titho aber nicht einstimmen. „Ich wollte immer draußen in der Natur sein und habe heute meinen Traumberuf. Nicht alles lässt sich mit Geld aufwiegen“, sagt sie.

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