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Gärtnereien in MV : Auch Primeln fehlt die Sonne

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Aus der Onlineredaktion

Frühblüher kommen in den Gewächshäusern nicht in Schwung. Gärtner müssen Nerven behalten

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erstellt am 31.Jan.2017 | 12:00 Uhr

Die ersten Frühjahrsblüher in den Gärtnereien kommen in diesem Jahr nur schwer in Schwung. Vor allem Primeln haben Probleme. Zu wenig Sonne und zu kühle Temperaturen, heißt es vom Gartenbauverband Nord. In den Gewächshäusern präsentieren sich erst wenige Primeltöpfe in kompletter Schönheit.

Gärtnermeister Thomas Ortmann in Sanitz (Landkreis Rostock) hält nach Töpfchen mit vielen Knospen und ersten Farbtupfern Ausschau, um sie auf die Verkaufstische zu stellen. Gewöhnlich blühen um diese Jahreszeit bei ihm bereits Hunderte von Primeln. „Doch diesmal hat das Wetter seit Herbst nicht mitgespielt. Es war über Wochen zu kalt und es hat auch Sonne gefehlt“, sagt er. Weder Heizung noch künstliches Licht könnten den Blumen den gewünschten Wachstumsschwung verleihen. Im Gegenteil: Ofenwärme lässt die Pflanzen auf unnatürliche Weise sprießen, wie der Fachmann erläutert. Das mindere die Qualität. Blatt- und Blütenansätze schössen in die Höhe, die Pflanze wirke letztlich kraftlos und kippe im schlimmsten Fall um. Fünf Monate Arbeit wären am Ende umsonst. „Deshalb heißt es jetzt, Nerven zu bewahren“, sagt Ortmann und deutet auf Tausende von Töpfen mit nur wenigen Farbtupfern inmitten saftig grüner Blätter. Bis die Knospen aufgehen, wird es noch einige Tage dauern.

Frank Zube geht es ähnlich. Der Gärtner aus Steinhagen bei Bützow setzt ebenfalls auf die Frühjahrsblüher. „Zu Jahresbeginn heißt es für viele Kunden: Weihnachtsstern raus, Primel rein in die gute Stube.“ Auch bei ihm lässt die Blüte noch auf sich warten. „Es gab Jahre, da standen Primeln bereits zu Weihnachten in voller Blüte. Das ist viel schlimmer als ein verspäteter Start“, relativiert ein Sprecher des Gartenbauverbandes Nord. „Im Dezember können wir keine einzige Primel verkaufen.“ Trotz allen Fingerspitzengefühls während der Pflanzenanzucht ab August habe am Ende immer noch die Natur das letzte Wort. Der Verband vertritt die Interessen von 370 Gartenbaubetrieben in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg- Vorpommern.

Ortmann stimmt dem zu. „Wichtig ist, dass wir zu Beginn der Balkonkastensaison in die Vollen greifen können. Derzeit kaufen die Kunden ohnehin nur einen, mitunter auch zwei oder drei Töpfe, mehr nicht“, sagt er. Der Frost im Januar habe es praktisch unmöglich gemacht, bereits Primeln vor die Tür zu stellen, wie in milderen Wintern durchaus üblich. Obwohl die Frühjahrsblüher auch leichte Minusgrade verkraften, ist ein ständiges Hin und Her zwischen Draußen und Drinnen nicht empfehlenswert. Primeln zeichnen sich durch eine Vielfalt aus wie kaum eine andere Art. Es gibt solche mit kleinen und mit großen Blüten, gerüschte, an den Rändern gefranste, einfache und doppelt gefüllte, kurz- und langstielige, ein- und mehrfarbige. Und das in der gesamten Farbpalette von weiß bis tiefblau. „Einmal Primel, immer Primel“, heißt es beim Zentralverband Gartenbau in Bonn mit Hinweis darauf, dass die für die Stube gekaufte Primel durchaus eine zweite Chance im Garten verdient hat. Nahezu alle Sorten lassen sich nach der ersten Blüte noch über Jahre im Freien kultivieren. Zur Pflege im Topf gehören lediglich regelmäßig etwas Wasser und Dünger sowie das Auszupfen von welken Blüten. Umso besser können sich nachkommende Knospen entwickeln und für Farbenpracht mindestens bis Ostern sorgen. 

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