Prävention : Auch Kinder dürfen Nein sagen

„Wenn ich nicht will, dann sage ich Nein“: Mit dieser Liedzeile sollen Vorschulkinder bestärkt werden, sich zu wehren.
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„Wenn ich nicht will, dann sage ich Nein“: Mit dieser Liedzeile sollen Vorschulkinder bestärkt werden, sich zu wehren.

Präventionsprojekt „Mein Körper gehört mir“ soll gegen sexuellen Missbrauch stärken. Das Angebot richtet sich an alle Vorschulkinder.

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27. November 2014, 12:00 Uhr

Ein Küsschen hier und ein Küsschen da von der Tante, eine allzu enge Umarmung von der Oma oder ein dicker Schmatzer vom Onkel auf den Mund – unter Familien und Freunden scheinen diese Situationen normal. Und doch bilden sie einen schmalen Grat zwischen schönen und unangenehmen Zärtlichkeiten. In diesen Momenten selbstbewusst Nein zu sagen, lernen die Vorschulkinder der Kindertagesstätte Bärenkinder in dem Präventionsprojekt „Mein Körper gehört mir“. „Wir zeigen Kindern, dass sie ein Recht auf ihren Körper haben. Sie dürfen selbst bestimmen, wer sie berühren darf und wann es unangenehm ist“, erklärt Nicole Wolf vom Deutschen Kinderschutzbund Kreisverband Schwerin.

Vor rund zehn Jahren wurde das Angebot vom Kinderschutzbund in Schwerin ins Leben gerufen. Das präventive Angebot finanziert sich komplett aus Eigenmitteln und richtet sich an alle Vorschulgruppen der Schweriner Kindertagesstätten. Seit drei Jahren führt die Schwerinerin Nicole Wolf die Kurse durch, mit dem Ziel, Kinder gegen sexuellen Missbrauch besonders im Nahbereich zu stärken. „Es ist schwieriger, wenn Übergriffe nicht von Fremden, sondern von Verwandten, Trainern, Erziehern oder Vertrauenspersonen stattfinden. Hier den Mut aufzubringen, Nein zu sagen, fordert viel mehr Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen“, erklärt Nicole Wolf, die bereits viel Erfahrung durch das Präventionsprojekt „Kindergarten-Cop“ sammeln konnte, in dem sie zuvor sieben Jahre lang ehrenamtlich tätig war.

Laut Dunkelziffer werden jährlich rund 200 000 Kinder in Deutschland missbraucht. Bei über 90 Prozent findet der Missbrauch im Nahbereich statt. Das Präventionsprojekt „Mein Körper gehört mir“ stärkt Kinder darin, ihre Gefühle bewusst wahrzunehmen. Die Kinder in den Vorschulgruppen lernen neben dem Nein sagen auch, dass es einen Unterschied zwischen guten und schlechten Geheimnissen gibt. Täter im Nahbereich arbeiten häufig mit Geheimnissen. „Wenn du das weiter erzählst, dann passiert etwas ganz Schlimmes“, verdeutlicht Nicole Wolf. „Das hört sich erst einmal kompliziert an, aber die Unterschiede sind für Kinder ganz einfach nachzuvollziehen.“ Gute Geheimnisse sind fröhlich und machen Spaß. Kinder haben dabei kein ungutes Gefühl und sind mit diesem Wissen glücklich. Schlechte Geheimnisse hingegen verursachen Albträume, Angst oder stimmen traurig. „Diese Geheimnisse müssen weitergesagt werden. Damit es dem Kind besser geht, muss es sich Hilfe holen“, so Wolf weiter. Doch die Statistik besagt, dass ein Kind erst sechs bis acht Erwachsene ansprechen muss, bis ihm einer zuhört. Daher findet vor jeder Veranstaltung ein Elternabend statt, bei dem über die Inhalte der Veranstaltungen informiert und für das Thema „sexuelle Gewalt“ sensibilisiert wird. „Wir geben keinen Aufklärungsunterricht und bei uns fallen auch in keinem Satz die Wörter ,sexueller Missbrauch’. Wir wollen erreichen, dass Eltern hinter ihren Kindern stehen und sie unterstützen“, erklärt Wolf. Und das mit Erfolg. Seit drei Jahren wird das Angebot des Schweriner Kinderschutzbundes regelmäßig in der Kita Bärenkinder durchgeführt und nach jeder Veranstaltung sehen die Erzieher, wie gestärkt die Kinder aus den Veranstaltungen gehen. „Wir merken deutlich bei unseren Kindern, dass sie danach immer richtig ermutigt sind“, erzählt Erzieherin Sandra Wrahse.

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