Häusliche Gewalt : Auch Frauen schlagen öfter zu

Immer öfter muss  die Polizei einschreiten, wenn sich Partner in ihrem Zuhause prügeln.
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Immer öfter muss die Polizei einschreiten, wenn sich Partner in ihrem Zuhause prügeln.

Polizei registriert mehr häusliche Gewalt, zuletzt waren 7300 Menschen in MV betroffen. In jedem sechsten Fall ist der Täter weiblich

svz.de von
20. März 2016, 20:30 Uhr

Körperverletzung, Bedrohung, Beleidigung, sexueller Missbrauch – das sind nur einige Stichworte aus der langen Liste der Gewaltstraftaten in Wohnungen Mecklenburg-Vorpommerns.

Täter sind meist Männer, jedoch schlagen auch Frauen häufiger zu. Nach einer internen Statistik der Polizeieinsätze wegen häuslicher Gewalt der Jahre 2004 bis 2014 ist etwa jeder sechste Verursacher von Straftaten im häuslichen Umfeld inzwischen weiblich.

Im Jahr 2014 musste die Polizei im Nordosten 1585 mal eingreifen, wenn Partner sich gegenseitig Gewalt antaten oder Kinder angegriffen wurden, wie das Innenministerium erklärte. Das waren fast doppelt so viele Polizeiaktionen wie 2004. Damals wurden die Beamten 863 mal zu Hilfe gerufen. Die Spitze der häuslichen Gewalt wurde – gemessen an den Polizeieinsätzen – 2009 erreicht mit 1681 gemeldeten Übergriffen. 2010 kamen zehn Menschen in ihrer Wohnung gewaltsam ums Leben. In den Jahren 2008 und 2014 gab es keine Toten. Am häufigsten mussten der Einsatzstatistik zufolge die Polizisten bei Prügeleien von Partnern ausrücken: 648 Körperverletzungen im Haushalt wurden 2004 registriert, 1108 im Jahr 2009 und 1110 im Jahr 2014. Hinzu kamen Bedrohungen (2014: 155), Nötigung (35) und Misshandlung Schutzbefohlener (22).

Die Zahl der erfassten sexuellen Übergriffe, von Missbrauch und Vergewaltigungen lag 2004 bei 13, davon 6 Fälle gegen Schutzbefohlene und Kinder. 2014 gab es 17 solcher Straftaten, davon eine gegen Minderjährige. Dabei wird laut der Übersicht immer mehr häusliche Gewalt auch angezeigt. So übersteigt die Zahl der Anzeigen seit 2012 die Zahl der Polizeieinsätze. 2014 gab es bei 1585 Einsätzen wegen häuslicher Gewalt 1607 Anzeigen von Straftaten in diesem Bereich.

Allerdings sprechen Hilfsvereine von weit höheren Zahlen und einem großen Dunkelfeld bei Straftaten in den eigenen vier Wänden. Die Landeskoordinierungsstelle „Cora“ in Rostock geht für 2014 laut Statistik davon aus, dass etwa 7300 Menschen im Nordosten von körperlicher oder psychischer Gewalt in der Familie betroffen waren. Davon seien rund 3400 Kinder und Jugendliche sowie 3900 Erwachsene, die meisten darunter Frauen.

Das Innenministerium gab in einer auf Einwohnerbefragungen beruhenden „Dunkelfeldstudie“ Ende 2015 an, dass 98,4 Prozent aller Fälle von häuslicher Gewalt in MV von den Betroffenen oder deren Umfeld nicht angezeigt werden. Die Organisation „Weißer Ring“ forderte daraufhin mehr Anstrengungen gegen häusliche Gewalt und deren Tabuisierung.

Nach Angaben des Sozialministeriums wurden im ersten Halbjahr 2015 in den neun Frauenhäusern des Landes 118 Frauen und 125 Kinder untergebracht. 2014 suchten 304 Erwachsene und 299 Minderjährige Zuflucht vor häuslicher Gewalt.

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