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Lubmin : Atomare Zwischenlager besteht Stresstest

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Nach der Atomkatastrophe von Fukushima hat die Bundesregierung alle Zwischenlager einem Stresstest unterzogen. Das ZLN bei Lubmin hat bestanden. Nach Angaben von Linken und Grünen bleiben Fragen offen.

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erstellt am 12.Apr.2013 | 09:02 Uhr

Das atomare Zwischenlager Nord bei Lubmin hat den nach der Atomkatastrophe von Fukushima beauftragten amtlichen Stresstest für den Bereich der Brennelemente und hoch radioaktiven Abfälle bestanden. Wie die Betreiber EWN am Freitag mit Verweis auf den Bericht der Entsorgungskommission (ESK) mitteilten, wurde bei allen betrachteten Gefahrensituationen der höchste Schutzgrad und der höchste Grad an Stressresistenz erreicht. Im ZLN lagern derzeit 74 Castoren mit hoch radioaktiven Abfällen. Die bundeseigenen EWN teilten zudem mit, dass sie sich nicht um die Aufnahme der im Jahr 2015 nach Deutschland kommenden 26 Castor-Behälter bewerbe.

Untersucht wurden im Auftrag des Bundesumweltministeriums Gefahrensituationen wie Erdbeben, Hochwasser, Starkregen, Stromausfall, Brände, Flugzeugabstürze und Schäden durch eine Explosionsdruckwelle. Die Gebäudestruktur sei gegen Erdbeben auslegt, ein Stromausfall habe keine sicherheitsrelevanten Auswirkungen auf die Castoren, heißt es in der Stellungnahme. Bei Flugzeugabstürzen könne es zu einem Einsturz des Hallendaches und der Wände kommen. Die Auslegung der Atommüllbehälter gewährleiste aber, „dass bei einem unterstellten Absturz eines schnell fliegenden Militärflugzeuges die Störfallplanungswerte nach Strahlenschutzverordnung deutlich unterschritten“ würden.

Nicht betrachtet wurden in der Untersuchung mögliche Schäden durch terroristische Angriffe. Offen ist auch noch das Ergebnis zur Sicherheit der Einrichtungen, die für die Behandlung von schwach- und mittelradioaktiven Abfällen zuständig sind.

Die Linke bezeichnete das Ergebnis des Stresstestes als „grundsätzlich beruhigend“. Allerdings blieben noch Fragen offen. Es wäre besser gewesen, wenn die Entsorgungskommission auch die Gefahren durch terroristische Angriffe untersucht hätte, sagte die umweltpolitische Sprecherin der Linken, Mignon Schwenke. Die Aussagen zu Flugzeugabstürzen seien gerade im Hinblick auf die Ereignisse vom 11. September 2001 spärlich. „Seitdem wissen wir, dass Passagiermaschinen gezielt als Waffen eingesetzt werden können.“

Kritik kommt auch von den Grünen: Nach deren Ansicht ist das Ergebnis unzureichend, da der aus ihrer Sicht wichtigste Komplex eines gezielten terroristischen Angriffes nicht beantwortet sei. Die Grünen-Landtagsabgeordnete Ulrike Berger forderte die EWN auf, dem Kernenergiebeirat die geplanten Maßnahmen zum Terrorschutz offenzulegen. „Der Kernenergiebeirat tagt nichtöffentlich und wäre das geeignete Gremium, sicherheitsrelevante Themen zu diskutieren.“

Schon Ende 2011 hatte die Bund-Länder-Kommission den Betreibern aufgegeben, alle deutschen Zwischenlager besser gegen mögliche Terrorangriffe und Flugzeugabstürze zu sichern. Zu den in Lubmin geplanten Maßnahmen machten die EWN bislang keine Angaben.

Unglaubwürdig ist nach Auffassung der Grünen zudem die Ankündigung, keine der 26 Castoren aufzunehmen, die in den kommenden Jahren aus Wiederaufbereitungsanlagen im Ausland zurückkehren müssen.

Sie sollen nicht mehr ins Zwischenlager Gorleben - da keine weiteren Fakten mehr geschaffen werden sollen für das dort lange Zeit geplante Endlager.

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