Verhandlung gestartet : Asylklage des zu Unrecht abgeschobenen Afghanen

Nasibullah S. bei der Verhandlung in Greifswald.

Nasibullah S. bei der Verhandlung in Greifswald.

Im Juli war Nasibullah S. widerrechtlich nach Afghanistan abgeschoben worden und musste von den Behörden zurückgeholt werden. Nun verhandelte das Verwaltungsgericht seine Klage auf Asyl.

von
05. September 2018, 20:45 Uhr

Rund einen Monat nach seiner Rückkehr hat das Verwaltungsgericht Greifswald die Asylklage des zu Unrecht abgeschobenen Afghanen Nasibullah S. verhandelt. Eine Entscheidung werde er aber erst in den nächsten zwei Wochen treffen und schriftlich zustellen, sagte der Richter am Mittwoch in der Anhörung.

Nasibullah S. war nach Angaben des Gerichts im November 2015 in Deutschland eingetroffen. Im Februar 2017 lehnte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) seinen Asylantrag ab, wogegen Nasibullah S. Klage einreichte. Doch bevor diese verhandelt werden konnte, wurde er im Juli dieses Jahres mit 68 weiteren Afghanen nach Kabul abgeschoben. Als der Fehler durch einen Medienbericht bekannt wurde, holte das Auswärtige Amt den heute 20-Jährigen zurück.

„Ich werde der Zusammenarbeit mit der Regierung beschuldigt und ein Geheimdienstmitarbeiter zu sein“, sagte Nasibullah S. vor Gericht. Tatsächlich habe er das nie getan, aber er habe Freunde gehabt, die als Polizisten arbeiteten und die er häufig besuchte. Vier Männer hätten ihn 2015 während des Zuckerfestes, mit dem das Ende des Fastenmonats Ramadan gefeiert wird, persönlich bedroht. Kurz darauf seien drei von ihnen bei einem Feuergefecht mit Regierungstruppen ums Leben gekommen, der vierte geflohen. Seitdem lasteten die Taliban ihm auch den Tod der Männer an.

Anwältin beantragte Anerkennung als Flüchtling

Sie hätten ihn schriftlich bedroht und aufgefordert, sich zu stellen. Sein Vater habe deshalb zusammen mit einem Schwager den Distriktleiter der Taliban aufgesucht. Dabei seien die beiden Männer geschlagen und der Vater als Geisel genommen worden. Die Islamisten hätten seinen Vater misshandelt und schließlich ermordet, sagte Nasibullah S. Die Leiche hätten sie vor der örtlichen Moschee abgelegt. Daraufhin habe Nasibullah S. das Land verlassen uns sei durch einen Schlepper nach Europa gebracht worden.

Eine Kopie des Drohbriefs der Taliban wurde im Gericht gezeigt, das Original hatte Nasibullah S. laut Anwältin dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) vorgelegt. Auch heute noch versuchten Taliban seine Familie unter Druck zu setzen, um Nasibullah S. Aufenthaltsort zu erfahren, berichtete er. Seine Anwältin beantragte im Gericht, ihn als Flüchtling anzuerkennen oder ihm subsidiären Schutz zuzugestehen. Ein Bamf-Vertreter beantragte, die Klage abzuweisen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen