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Mecklenburg-Vorpommern

20. Oktober 2017 | 07:11 Uhr

Asta-Chefin weist Vorwürfe zurück

vom

svz.de von
erstellt am 20.Dez.2011 | 10:59 Uhr

Rostock | Die Arbeit der Studentenschaft der Uni Rostock ist in den vergangenen zwei Wochen heftig in die Kritik geraten. Obwohl der Asta-Finanzreferent Benjamin Pleban 150 000 Euro an Rücklagen entdeckte, sollen Rostocks Studenten ab dem kommenden Semester einen Euro mehr Beitrag zahlen. Der Vorwurf vieler Studenten lautet: Misswirtschaft. Das weist Asta-Vorsitzende Sarah Grote von der amtierenden Studentenschaft zurück. Sie stellt klar, dass der Haushalt zurzeit ausgeglichen ist und findet erklärende Worte für die undurchsichtige finanzielle Situation. Mit NNN-Volontärin Dana Bethkenhagen sprach sie darüber, wie diese zustande kam.

Die studentische Vertretung spricht stets von eventuellen Forderungen, nie von Schulden. Wieso?

Grote: Die Studentenschaft hat keine Schulden. Schulden sind klar definiert: Verbindlichkeiten oder Rückzahlungsverpflichtungen gegenüber Dritten, die bereits eine Gegenleistung erbracht haben. Das ist bei uns nicht der Fall. Wir sprechen im Konjunktiv, da wir nicht wissen und vor allem auch nicht genau abschätzen können, was und wer auf uns zukommt. Deshalb: Es könnte sein, dass im nächsten Jahr Rückzahlungsforderungen auf uns zukommen können. Man kann also nicht von irgendwelchen Schulden sprechen, die wir bei jemandem haben.

Aktuell läuft eine Finanzamtprüfung. Wie kam es dazu und wann ist das abgeschlossen?

Gegen Ende des letzten Jahres wurde von dem damaligen Studierendenausschuss Asta eine Anrufungsauskunft an das Finanzamt gestellt, mit der Bitte um Klärung der Beschäftigungsverhältnisse. Wann diese Prüfung endgültig abgeschlossen ist, können wir leider noch nicht absehen. Wir hoffen aber, dass wir spätestens Mitte nächsten Jahres mehr Klarheit haben.

Kürzlich haben Sie 150 000 Euro an Rücklagen entdeckt. Wo kommt dieses Geld her und warum wurde es so spät entdeckt?

Die Rücklagen sind Gelder, die nicht genutzt wurden. Der letzte Asta war sehr sparsam, und der damalige Stura hat Großprojekte, die ein eventuell finanzielles Risiko haben, im Haushalt nicht bedacht. Eine genaue Berechnung ist leider nicht möglich, sondern nur eine ungefähre Schätzung. Die Konten der Studentenschaft kann man sich nicht als einfaches privates Giro-Konto vorstellen. Nur weil ein Betrag X als aktueller Kontostand zu sehen ist, heißt das nicht, dass das zum einen unser Geld ist und dass dieses Geld dann unsere Rücklagen bildet. Der Asta verwaltet nicht nur das Geld der Studentenschaft, sondern auch die Gelder der Fachschaftsräte und anderer studentischer Initiativen. Hinzu kommt, dass die Gelder in ständiger Bewegung sind. Was viele nicht wissen, wir bekommen nicht am Anfang des Jahres "unser" Geld oder monatlich, sondern im April und im Oktober. Zu diesem Zeitpunkt kommt auch der Beitrag des Semestertickets, ebenfalls Geld, das wir kurzfristig verwalten. Im Jahr zuvor muss aber bereits der Haushalt mit den geschätzten Einnahmen und Ausgaben beschlossen werden. Das heißt, die konkrete Zahl der Einnahmen für das laufende Jahr sehen wir frühestens im Oktober des gleichen Jahres, obwohl der Stura über die Verwendung dieser ein Jahr zuvor beschließen musste. Die Rücklagen zu berechnen, ist ein komplexer Vorgang.

Wie werden die 150 000 Euro nun eingesetzt?

Das Geld fließt komplett in den Haushalt 2012 ein. Mit dem Geld werden zum einen die Fördertöpfe für studentische Initiativen und Kultur aufgestockt. Auch die dringend benötigten Rechts- und Beratungskosten wurden erhöht, da wir noch viele ungeklärte Fragen haben und diese mit juristischem Beistand klären wollen und auch müssen. Zudem ist der Betrag für die aus der Klärung dieser Rechtsfragen resultierenden Nachzahlungen zur Sicherheit hochgesetzt worden. Auch wird wieder mehr Geld für die Asta-Arbeit und damit direkt für die Unterstützung studentischer Projekte zur Verfügung stehen.

Trotz dieser Rücklagen hat der Stura letztlich eine Beitragserhöhung von einem Euro beschlossen. Warum ist diese trotzdem notwendig?

Hier musste der Stura eine schwere Entscheidung treffen. Der Haushalt ist ohne die Rücklagen nicht kostendeckend. Das bedeutet, dass die Ausgaben, die Einnahmen bei Weitem übersteigen. Zusammen mit den Rücklagen hätte es für die vorgeschriebene schwarze Null gereicht. Allerdings wären diese laut Haushaltsplan spätestens 2013 weg gewesen, und der zukünftige Stura würde vor dem gleichen Dilemma stehen wie der diesjährige und der aus dem letzten Jahr. Darüber hinaus war nicht sicher, dass alle möglichen Forderungen mit einem bestehenden Sieben-Euro-Haushalt, von dem ein Euro direkt an die Fachschaftsräte geht, bedient werden können.

Ist die Haushaltsplanung 2011/2012 nun abgeschlossen?

Der Haushalt der Studentenschaft für 2012 wurde am 7. Dezember verabschiedet. Er ist in den Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen.

Wen betrifft die Stundenlohnerhöhung von 5 auf 8,50 Euro?

Sie betrifft die Mitarbeiter des Asta. Dazu gehören unter anderem der Büroservice, die Protokollantin, Projektmitarbeiter, Veranstaltungshelfer, die Kassenverwaltung und andere Angestellte. Die Frage der künftigen Vergütung der Asta-Referenten ist noch nicht geklärt.

Die Arbeit des Studentenparlaments wirkt nach außen chaotisch. Welche Probleme sehen Sie bei Ihrer Arbeit im studentischen Gremium?

Problematisch ist, dass jedes Jahr ein großer Informationsverlust mit dem Wechsel einhergeht. Somit müssen sich jedes Jahr die neu gewählten Gremien Stura und Asta in die sehr komplexen Themengebiete einarbeiten und das unter Zeitdruck, da der Haushalt bis zum Jahresende verabschiedet werden muss. Stura und Asta konstituieren sich jedoch erst Mitte Oktober. Zudem sind es Studenten, die sich neben ihrem Studium engagieren.

Zu den "chaotischen Zuständen" kann ich nur Folgendes sagen und hoffe inständig, es stößt auf Verständnis: Der Stura und der Asta sind eine Zusammensetzung verschiedener Persönlichkeiten. Die Mitglieder sind keine ausgebildeten Juristen, Soziologen oder Psychologen. Es gibt immer Meinungsverschiedenheiten, die manchmal auch in hitzigen Diskussionen geklärt werden müssen, was nach außen hin als Chaos wirkt. Das ist nicht schön, aber notwendig und nur menschlich. Die Entscheidungen, die im Stura getroffen werden, müssen von allen getragen werden. Manchmal gelangt man über einen chaotischen Weg zum Ziel.

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