Deponie Ihlenberg/Schönberg : Asbestschlamm unerwünscht

Die landeseigene Mülldeponie bei Schönberg. Foto: dpa
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Die landeseigene Mülldeponie bei Schönberg. Foto: dpa

Die Kritik an den geplanten Transporten von Asbestschlamm von Niedersachsen auf die Sondermülldeponie Schönberg in MV wächst. Deponiegegner sind schockiert über Preisdumping.

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25. Oktober 2011, 08:15 Uhr

Selmsdorf | Vor der Einlagerung von Giftschlamm aus Niedersachsen in Mecklenburg-Vorpommern wachsen Sorge und Ärger in der Bevölkerung. Die ersten Lastwagen mit Asbestzementschlamm aus Wunstorf-Luthe bei Hannover sollen am 7. November rollen, sagte der Geschäftsführer der landeseigenen Deponie Ihlenberg, Berend Krüger, gestern. In Ihlenberg/Schönberg in Nordwestmecklenburg sollen nach seinen Angaben rund 130 000 Tonnen eingelagert werden. Auf der Sondermülldeponie Rondeshagen im Herzogtum Lauenburg werden laut Mitteilung der Geschäftsführung etwa 25 000 Tonnen erwartet. Beide Deponien liegen etwa 15 Kilometer von Lübeck entfernt.

Die Deponie Ihlenberg/Schönberg entsorgt gefährliche Abfälle nach Angaben von Deponiekritikern so billig wie sonst nirgendwo in der Bundesrepublik. Bei der geplanten Einlagerung des Asbestschlamms aus Niedersachsen werde die Deponie 20 Euro für jede Tonne des krebserregenden Stoffs erhalten, rechnete die Bürgerinitiative „Stoppt die Deponie Schönberg“ gestern vor. „Das ist weit weniger als zu DDR-Zeiten“, hieß es. „Die Kosten für die Nachsorgephase dieser Megadeponie können so niemals aus eigener Kraft erwirtschaftet werden.“

Die Giftstoffe würden unter freiem Himmel umgeschlagen und einfach in der Erde vergraben – „auf Kosten unserer Gesundheit, der Lebensqualität und der Zukunft unserer Kinder“, kritisierte die Bürgerinitiative. Transport und Lagerung des Asbestschlamms auf der Deponie Ihlenberg sollen laut Bürgerinitiative etwa neun Millionen Euro kosten. Davon würden etwa zwei Drittel für die Vermittlung, für Zwischenhändler, für die Ausführung und den Transport der gefährlichen Stoffe aufgewendet. In Mecklenburg-Vorpommern würden nicht einmal drei Millionen Euro bleiben. Von Nachhaltigkeit und Endsicherung, Umweltschutz und vorbeugendem Gesundheitsschutz könne nicht die Rede sein.

Der Ihlenberger Geschäftsführer Krüger entgegnete: „Jede Tonne, die eingelagert wird, liefert einen Deckungsbeitrag zur Nachsorge.“ Zu Kosten und Erlösen wollte er sich nicht äußern. Nach seinen Worten werden die Abfälle unter freiem Himmel abgekippt und mit Erde abgedeckt, um das Ausbreiten von Asbestfasern zu verhindern. Solange der Asbestzementschlamm feucht sei, passiere das nicht. Staubbildung müsse aber verhindert werden, auch durch das Besprühen des Gefahrgutes. Beim Abladen sei immer nur ein Arbeiter dabei, der unter Atemschutz arbeite. Zudem würden Luftmessungen vorgenommen. „Wenn wir unsere Mitarbeiter schützen, sind auch die Anwohner in der Umgebung geschützt“, betonte Krüger.

Der Asbestschlamm stammt aus Wunstorf-Luthe bei Hannover. Dort hat die Firma Fulgurit bis 1990 Asbestprodukte hergestellt. Seit 1993 ist die Verwendung von Asbest in Deutschland wegen der nachgewiesenen Gesundheitsgefahren verboten.

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