Erleichterung für ländliche Regionen : Arzt-Besuch mit Handy-Hilfe

Ein Arzt vor einem Monitor im Krankenhaus
Ein Arzt vor einem Monitor im Krankenhaus

Immer weniger Menschen leben auf dem flachen Land. Die Uniklinik Rostock versucht nun, hier einen neuen Weg einzuschlagen

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04. Januar 2016, 06:00 Uhr

Die Universitätsklinik Rostock will in Kürze ein Pilotprojekt zur optimalen Versorgung von ländlichen Regionen starten. Es gelte, den Menschen in diesen Gebieten die Hochleistungsmedizin zukommen zu lassen, sagte Klinikdirektor Christian Schmidt. „Wir schaffen ein Modell, mit dem wir mehr Qualität und Sicherheit anbieten können.“ Eine zentrale Rolle spielten Smartphones, mit denen die Patienten kommunizieren können.

Es gebe bereits ein kleineres Projekt im Bereich der Geriatrie in der Region Bad Doberan/Tessin mit knapp 100 Patienten. Schmidt: „Schon das ist ein riesiger Aufwand.“ Den Plänen zufolge, soll das Projekt nach seiner Bewilligung mit Chirurgie-Patienten starten. Die Uniklinik versorgt ungefähr ein Drittel der Fläche Mecklenburg-Vorpommerns.

Es könnte die Blaupause für die künftige medizinische Versorgung in ländlichen Regionen sein, meinte Schmidt. Hintergrund sei, dass kleinere Krankenhäuser künftig immer größere Probleme bekommen werden, sich finanziell zu halten. Deren Aufgaben müsse dann ein Maximalversorger wie eine Uniklinik übernehmen.

Die Basis dafür liege auf Freiwilligkeit der Patienten, niemand werde dazu verpflichtet, betonte Schmidt. Mit den Smartphones könnten beispielsweise Gewichtsdaten übermittelt oder Bewegungsmuster erstellt werden. Die Patienten könnten auch ihr Essen fotografieren und so ihre Ernährung kontrollieren lassen, was etwa für Patienten mit Diabetes von zentraler Bedeutung ist. Aus all diesen Daten könnte dann eine Entscheidung getroffen werden, ob ein Pflegedienst informiert oder der Patient in die Klinik eingewiesen werden muss.

Künftig soll ein interdisziplinärer Arztbrief erstellt werden, den die niedergelassenen Ärzte nicht mehr per Post, sondern elektronisch erhalten. „Wenn ein Patient aus der Uniklinik entlassen wird, ist das Rezept schon in der Apotheke. Wenn er dann aus dem Bus aussteigt, liegt die Arznei im Briefkasten“, erläuterte Schmidt. Der Vorteil sei auch, dass mit diesem System die Zahl unnötiger Doppelbehandlungen oder von Fehlverordnungen gesenkt werden kann.

Die Aufgabe der Uni Rostock sei es nun, die Grundlagen für die zielgerichtete Kommunikation zwischen Klinik, Hausarzt, Apotheke und Patient zu erstellen. Dafür sei eine eigene Gesellschaft gegründet worden. Eine der Aufgaben sei es, die Standardisierung von Arztbriefen durchzusetzen, damit sie digital erfasst werden können.

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