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Mecklenburg-Vorpommern

11. Dezember 2017 | 11:07 Uhr

Umweltschutz : Arzneireste im Grundwasser

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In 15 Fällen in Mecklenburg-Vorpommern Rückstände gefunden, Linke fordert Bekämpfungsstrategie

svz.de von
erstellt am 21.Jul.2015 | 06:30 Uhr

Gefahr im Grundwasser: An fast sechs Prozent der 270 Messstellen in MV sind in den vergangenen Jahren erhöhte Werte von Medikamentenrückständen im Grundwasser festgestellt worden. Wirkstoffe von krampflösenden Arzneistoffen, von Schmerzmitteln und Antibiotika sowie Röntgenkontrastmittel: An einigen Messstellen seien über Jahre Arzneimittelspuren nachgewiesen worden, gesteht das Umweltminister Till Backhaus (SPD) in der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Linken-Landtagsabgeordneten Mignon Schwenke ein.

Unter anderem in Grebbin, Goldenstädt, Sülte, Gülze, Spoitgendorf, Karrenzin und Stolpe: Überall sind dem Land zufolge Wirkstoffkonzentrationen von mehr als 0,1 Mikrogramm je Liter gemessen worden. Vor allem Röntgenkontrastmittel seien häufiger und in höheren Konzentrationen entdeckt worden. Zwar lägen für Arzneistoffe keine Schwellenwerte vor, so das Umweltministerium: „Generell ist aber davon auszugehen, dass diese Stoffe unerwünscht sind und Messwerte von 0,1 Mikrogramm im Grundwasser nicht vorkommen sollten.“

Das Umweltressort versucht indes offenbar die Fälle herunterzuspielen: Medikamentenrückstände seien nur „an sehr wenigen Grundwasser-Messstellen“ entdeckt worden, heißt es. Doch die Gefahr wächst: Fast die Hälfte der Deutschen entsorge alte Medikamente in der Toilette oder im Waschbecken, stellte das Bundesforschungsministerium fest. Rückstände im Grundwasser seien ein immer größeres Problem, so Schwenke: „Die Schadstoffe potenzieren sich.“ Es sei zu vermuten, dass Resistenzen bei Menschen dadurch verstärkt würden.

Bislang sei nicht erkennbar, dass sich das Land darüber Gedanken mache, welche Auswirkungen die Rückstände haben könnten, kritisierte Schwenke. Das Land bleibe eine Handlungsanweisung schuldig. Der Verweis auf die Forderung nach einem EU-weiten Monitoring reiche nicht. Vielmehr müsse ein verpflichtendes Rücknahmesystem für nicht verbrauchte Arznei aufgebaut werden, an dem sich Pharmahersteller und Apotheken beteiligen müssten, forderte Schwenke. Zudem müsse in einem ersten Schritt in gefährdeten Regionen rund um Krankenhäuser oder Altenheimen in Kläranlagen eine neue Reinigungsstufe eingebaut werden, um Mikroschadstoffe zu entfernen. Bislang verfügt keine kommunale Kläranlage in MV über ein derartiges System.

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