Alleinerziehende in MV : Armut im Land steigt sprunghaft an

Mehr als die Hälfte der 62  700 alleinerziehenden Mütter und Väter in Mecklenburg-Vorpommern sei von Armut bedroht oder betroffen.
Mehr als die Hälfte der 62 700 alleinerziehenden Mütter und Väter in Mecklenburg-Vorpommern sei von Armut bedroht oder betroffen.

Wachsende Gefahr für Alleinerziehende in MV

von
03. März 2018, 16:00 Uhr

Alleinerziehende in Mecklenburg-Vorpommern profitieren nicht von der anhaltend guten Lage am Arbeitsmarkt und den steigenden Löhnen. Wie aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Landtag hervorgeht, ist die sogenannte Armutsgefährdungsquote bei Familien mit einem Erwachsenen und mindestens einem Kind im Nordosten wieder gestiegen. Während im Jahr 2015 bei 50,7 Prozent dieser Bevölkerungsgruppe ein konkretes Armutsrisiko bestand, waren es 2016 bereits 56,5 Prozent. Das war nach drei Jahren mit sinkenden Quoten erstmals wieder ein kräftiger Anstieg. Für 2017 liegen noch keine statistischen Angaben vor.

Die familienpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Jacqueline Bernhardt, nannte gestern in Schwerin die Entwicklung alarmierend. Den Regierungsparteien SPD und CDU warf sie vor, die „Augen vor der dramatischen Realität“ zu verschließen. Die Armuts-anhörung im Landtag im November 2017 habe eindeutig den bestehenden Handlungsbedarf gezeigt. Dennoch verschleppe die Koalition anstehende Beschlüsse und verhindere damit, dass etwas im Sinne der Betroffenen unternommen wird.

„Armut ist keine Frage von Interpretationen, sie ist Realität“, betonte Bernhardt. Denn mehr als die Hälfte der 62 700 alleinerziehenden Mütter und Väter in Mecklenburg-Vorpommern sei von Armut bedroht oder betroffen.

Als armutsgefährdet gelten Familien oder Personen, wenn das Einkommen weniger als 60 Prozent des Durchschnittswerts beträgt. Wird das Äquivalenzeinkommen von ganz Deutschland als Maßstab genommen, gelten laut Statistik 56,5 Prozent der Alleinerziehenden im Nordosten als armutsgefährdet. Das ist der dritthöchste Wert unter allen 16 Bundesländern. Wird hingegen das deutlich niedrigere Durchschnittseinkommen in Mecklenburg-Vorpommern zugrunde gelegt, beträgt die Quote bei diesen Familien laut Statistikamt 39,3 Prozent.

Bernhardt forderte eine kontinuierliche Armuts- und Sozialberichterstattung im Land und ein umfassendes Maßnahmenpaket gegen die Armut von Familien, Kindern und Jugendlichen. Dazu gehörten unter anderem eine eigenständige Kindergrundsicherung, Lohngleichheit von Frauen und Männern, kostenlose Kita und eine gezielte Unterstützung von Alleinerziehenden.

Die Armutsquote über alle Bevölkerungsgruppen hinweg lag 2016 im Nordosten gemessen am Landesdurchschnitts-Einkommen bei 13,5 Prozent. Im Vergleich zum bundesweiten Einkommen betrug die Quote allerdings 20,4 Prozent. Das war ein leichter Rückgang und die bislang niedrigste Armutsquote im Land. Mecklenburg-Vorpommern liegt damit im Ländervergleich zwar vor Bremen (22,6) und Sachsen-Anhalt (21,4), aber immer noch auf dem drittletzten Platz. Bundesweit errechnete das Amt für Statistik in Wiesbaden einen Armutsquote von 15,7 Prozent.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen