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Mecklenburg-Vorpommern

24. November 2017 | 08:43 Uhr

Kinderarmut : Arme Kinder: Geld versickert

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Netzwerk kritisiert Hilfspaket für MV als Bürokratiemonster: Nicht einmal die Hälfte der Millionen kommt direkt an

svz.de von
erstellt am 20.Apr.2016 | 05:00 Uhr

Das Netzwerk gegen Kinderarmut in MV beklagt einen ineffizienten Einsatz der Bundesmittel aus dem so genannten Bildungs- und Teilhabepaket. „Wir haben es hier mit einem Bürokratiemonster zu tun“, sagte die Landtagsabgeordnete Jacqueline Bernhardt (Linke). So seien im Jahr 2015 rund 33 Millionen Euro aus dem Bundesprogramm in den Nordosten geflossen. Mit 14,7 Millionen Euro sei nicht einmal die Hälfte des Geldes den Kindern in Form von Zuschüssen für Klassenfahrten oder Schulessen sowie Lernförderung zugute gekommen.

7,9 Millionen Euro habe allein die Verwaltung des Programms verschlungen, sagte die Mitinitiatorin des vor einem Jahr gestarteten Netzwerks. Sie berief sich auf Zahlen, die das Sozialministerium gestern vorlegte. Weitere 6,7 Millionen Euro gingen an die Kreise für Unterkunftskosten, 3,6 Millionen Euro wurden für die Finanzierung zusätzlicher Schulsozialarbeiter eingesetzt.

Den Angaben zufolge hätten 61 000 Kinder und Jugendliche im Land Ansprüche auf Leistungen aus dem Teilhabepaket anmelden können. Doch vielfach seien die Hilfsmöglichkeiten den Eltern gar nicht bekannt oder würden aus Scham ausgeschlagen, berichtete Rainer Becker. Er ist Vorstandschef der Deutschen Kinderhilfe, die sich neben Kinderschutzbund, Landesjugendring, Landessportbund und Volkssolidarität dem Netzwerk angeschlossen hat. Becker verwies auf eine Broschüre, die das Netzwerk als Wegweiser für Eltern und Jugendliche herausgegeben hat und die im Internet abrufbar ist.

Trotz spürbarer Fortschritte zählt MV weiter zu den Bundesländern mit der höchsten Kinderarmut. Knapp 27 Prozent der Kinder und Jugendlichen leben in Familien, deren Nettoeinkommen 60 Prozent des deutschen Durchschnitts nicht übersteigt. Bundesweit sind 19 Prozent der Kinder von Armut betroffen. „Man muss das Problem wahrnehmen, um gezielt dagegen angehen zu können“, so Bernhardt. Der Landesregierung warf sie vor, das Thema bewusst kleinhalten zu wollen.

>>Internetseite des „Netzwerks gegen Kinderarmut in Mecklenburg-Vorpommern"
 

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